T.M. Wissen Sie, was Mozart mit Kelterborn mit Sicherheit gemeinsam hat? Beide schrieben bzw. schreiben mit der selben Begeisterung für das Horn ihrer Zeit. Damit würde sich eine Behauptung erübrigen, Mozart hätte das Horn anders eingesetzt, wenn es nur etwas «moderner» gewesen wäre, weil sich diese Frage gar nicht stellt. Wer nicht so recht daran glauben will, kann sich ja von mir aus auch die Frage stellen, was denn Leonardo da Vinci gemacht hätte, wenn er den Fotokopierer gehabt hätte.
B.B. Läuft man nicht Gefahr, einen Fortschritt zu ignorieren?
T.M. Die Gegenwart verdient natürlich unbedingt ihre Würdigung. Ich würde aber trotzdem nicht von Fortschritt, sondern eher von Entwicklung sprechen. Dies, weil sich eine Entwicklung nicht objektiv vorwärts, aber auch nicht rückwärts, «entwickeln» kann. Es entwickelt sich etwas. Ein Blick in die Vergangenheit darf nie als ein Blick zurück gesehen werden. Er ist ein Blick in die Weite. Er erweitert unseren Horizont und fördert somit unser Sachverständnis.
B.B. Entstehen für den Hornisten rein blastechnisch Vor- bzw. Nachteile?
T.M. In der Förderung des Bewusstseins für Blastechnik (Ansatz, Atmung, rechte Hand (Stopftechnik), etc.) sehe ich nur Vorteile. Zudem glaube ich, dass der Weg zum Lyrischen über das klassische Naturhorn der ehrlichste ist.
Heute lernt man Naturhorn, weil es dieses Instrument ganz einfach in jeder Beziehung wert ist.