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Die Wissenschaft im Dienste der Musik

Gespräch mit René Périnelli

Wo Trompetenunterricht vor allem auf Intuition beruhte, verbanden René Périnelli und Jean-Jacques Greffin Physiologie, medizinische Bilder und Spielpraxis.
Die Wissenschaft im Dienste der Musik

René Périnelli und Jean-Jacques Greffin

René Périnelli ist ein vielseitiger Trompeter, mit klassischer Ausbildung, bekannt für seine Leidenschaft und Neugier für alles, was mit seinem Instrument zu tun hat. Er hat alle Arten Musik gespielt. Nach einem Premier Prix am Pariser Konservatorium in der Klasse des verstorbenen Meisters Ludovic Vaillant bildet er sich bei vielen bekannten Trompetern weiter, um seine Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. Er arbeitete in Bigbands (Sonny Grey, Aimé Barelli, etc.) in Symphonieorchestern (Lamoureux, Colonne, etc.) im Kammerorchester (Paul Kuentz), spielt in Blechbläserensembles und gibt viele Solokonzerte. Heute ist er Solotrompeter an der Oper in Marseille, Lehrer am Regionalkonservatorium derselben Stadt, Mitglied des Ensemble de Cuivres d’Aquitaine und Mitglied der Solistes de Marseille.

BRASS BULLETIN: *René, Deine Karriere ist glänzend, beeindruckend auch durch die Vielfalt der musikalischen Sparten, in denen Du zu Hause bist. Wo ist der Ursprung Deiner Begeisterung für den Unterricht, und die immer wissenschaftlichere Suche nach den physiologischen Phänomenen des Blechblasens, die heute in der Veröffentlichung eines begeisternden Buches über dieses Thema ihren Niederschlag findet?*¹

RENE PERINELLI: Verschiedene Stationen befanden sich auf diesem Weg, alle aber ausgehend von meiner Neigung zur Kommunikation und zum Gedankenaustausch. Es begann mit der Erlangung des C.A. in Paris (Lehrdiplom). Dieses Diplom öffnete mir die Türen des offiziellen Unterrichtes und erlaubte meine Wahl zum Lehrer am Konservatorium von Marseille, wo ich eine neue Klasse aufgebaut habe. Meine häufigen Kontakte zu grossen Trompetern gaben mir nach und nach die nötige Fundierung meiner Kenntnisse, die ich so meinen Schülern zur Verfügung stellen konnte und auch mit Erfolg anwandte.

Einige Zeit später nahm ein Ereignis bestimmenden Einfluss auf meine bis anhin angewandte Lehrmethode: mein Freund Jean-Jacques Greffin kam ins Opernorchester von Marseille. Er ist der Sohn des bekannten Jean Greffin, Solocornettist an der Pariser Oper und einer der grossen Meister des Trompetenunterrichtes — heute in Ruhestand. Jean-Jacques, der vorher fünfzehn Jahre lang Solotrompeter des Orchestre de Paris gewesen war, hat von seinem Vater ausserordentliche Kenntnisse geerbt und selbst weiterentwickelt. Als er nach Marseille kam, war ich überzeugt vom Wert seiner Kenntnisse, und wir schufen eine gemeinsame Trompetenklasse — die einzige in ganz Frankreich. Das wurde uns ermöglicht durch das ausserordentliche Verständnis des Konservatoriumsdirektors, Pierre Barbizet.

Aus dieser engen Zusammenarbeit, fussend auf der positiven Konfrontation der Unterrichtstheorien, entstanden die Grundlagen unseres methodologischen Werkes.

B.B.: In den letzten Jahren wurden viele Hefte mit Lehrgängen veröffentlicht, und eine Menge erfolgversprechender Theorien aufgestellt. Worin unterscheidet sich das Buch, das Jean-Jacques Greffin und Du miteinander geschrieben habt?

R.P.: Unser Vorgehen basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, die wir von den grossen Spezialisten des menschlichen Körpers einholten: Ärzte, Radiologen und französische Hochschullehrer ermöglichten uns, Klarheit zu gewinnen über die nötigen physiologischen Funktionen des beherrschten Trompetenspiels. Davon ausgehend haben wir die Lernphasen neu strukturiert und eine neue Zeiteinteilung der Unterrichtsprioritäten aufgebaut.

Bis anhin war der Unterricht mehr oder weniger aufgebaut in Abhängigkeit von Sensibilität, Phantasie, Intelligenz, Annahmen, Intuition oder Gefühlen eines Lehrers. Dieses Vorgehen behält seine Gültigkeit - aber in der subjektiven Wirklichkeit fehlt immer das unentbehrliche wissenschaftliche Element, das man sich heute leicht verschaffen kann, wenn man dazu gewillt ist. Die Wissenschaft erspart uns ein mühsames Tasten im Dunklen und vermeidet gewisse schwere Irrtümer in Bezug auf grundsätzliche Fragen des Blechblasens. Mehr zu wissen und, vor allem, dieses Wissen jedem Einzelnen zugänglich zu machen ist der Sinn unseres Buches.

B.B.: Die Musiker — vor allem die Blechbläser — haben keine überschäumende Sympathie zu wissenschaftlichen Erklärungen. Denkt Ihr, die Euren seien ihnen zugänglich?

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Brass Bulletin 47, III / 1984 Seiten 26–29

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