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Die Trompete im Dienst der norddeutschen Postverwaltungen des 19. Jahrhunderts
Von Albert Hiller
Seitdem der «Erbpostmeister» Franz von Taxis (1459-1517) seine reitenden Postillione zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit kleinen Messinghörnern ausgerüstet hat, gilt das Posthorn als Signalinstrument der Post schlechthin, zumal es auch heute noch von vielen europäischen Postverwaltungen als Emblem geführt wird. Weitgehend unbekannt dürfte sein, dass es auch einmal eine Zeit gab, in der die norddeutschen Postverwaltungen ganz auf die Dienste des Posthorns verzichteten und ihre Postillione mit Trompeten ausstatteten. So kam es zu einem fast vierzig Jahre währendem Interregnum der Posttrompete im norddeutschen Raum.
Im Jahre 1828 führte die Königlich Preussische Postverwaltung mit den neuen Signalen die Trompete als Signalinstrument ein. Diesem Beispiel folgten die sächsische, die braunschweigische, die oldenburgische, die mecklenburgische und die dänische Postverwaltung. Es handelte sich dabei um dreiwindige, langgestreckte Naturtrompeten, die wie die preussischen Feldtrompeten in Es gestimmt waren und ein Kesselmundstück besassen. Vielleicht ist es aus der damaligen preussischen Begeisterung für das Militärwesen erklärbar, dass das neue Signalinstrument der Postillione dem der Kavallerie in keiner Weise nachstehen sollte. Noch lange wurden einzelne Stimmen laut, die diese Annäherung kritisierten und sogar forderten, die Posttrompeten in Es mit einem Vorsatzbogen nach D herunterzustimmen, damit eine allzugrosse, als unangenehm empfundene Ähnlichkeit des Signalinstrumentenklanges bei der Post und beim Militär vermieden würde (vgl. Lehmann, Johann Georg, «Die Signale der preussischen Kavallerie» in «Der Soldatenfreund», 1812, Heft 3, 30. Jg.).
Dreiwindige Posttrompete in Es aus Mecklenburg-Schwerin, ca. 1840; Bundespostmuseum Frankfurt a.M.
Bei der Kgl. Hannoverschen Post wurden etwa zur gleichen Zeit wie in Preussen vierwindige, in Es gestimmte Trompeten («Posthörner in Trompetenform») mit Kornettmundstück eingeführt, da man glaubte, dass nur Instrumente in dieser Form «die Töne leicht und rein angeben» (vgl. «Anweisung zum Gebrauche des Posthorns für die Königlich Hannoverschen Postillons», Hannover 1832).
Vierwindige Posttrompete der Kgl. Hannoverschen Post in Es, ca. 1840; Bundespostmuseum Frankfurt a.M.
Als das «Preussische General-Postamt» im Jahre 1828 die Signale vorschrieb, gab es den Postillionen gleichzeitig eine gedruckte «Anleitung zum Trompetblasen für die Königl. Preussischen Postillone nebst einer Notenbeilage» in die Hand. Die sächsische und die hannoversche Postverwaltung folgten diesem Beispiel mit der «Trompeten-Schule für die Kgl. Sächsischen Postillone» (Leipzig 1828) und der «Anweisung zum Gebrauche des Posthorns für die Königlich Hannoverschen Postillons» (Hannover 1832). In den Posthorn- bzw. Posttrompeten-Schulen wurden zuerst einige musikalische Grundbegriffe erläutert, dann wurde das Notwendigste über das Instrument abgehandelt und zuletzt waren in einem Anhang mehrstimmige Musikstücke zur Unterhaltung abgedruckt. Interessant dabei ist, dass die Postillione bis in die Zeit nach 1850 die von den Feldtrompetern übernommene Clarinblaskunst am Leben hielten (Beispiele vgl. Anhang).
Tonumfang einer Posttrompete in Es
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Brass Bulletin 47, III / 1984 Seiten 12–18
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