BrassBulletin

Internationales Magazin für Blechbläser

Brass Bulletin 29, I / 1980 (Seite 103–105) · 2 Min. Lesezeit
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Die Trompete

Eine Austellung im Trompeterschloss zu Bad Säckingen

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Die Trompete

Eine Ausstellung im Trompeterschloss zu Säckingen

Man betritt historischen — oder zumindest pseudohistorischen — Boden und erinnert sich dunkel an das ellenlange Versepos «Der Trompeter von Säckingen» von Joseph Victor von Scheffel aus dem Jahre 1854. Es erlebte etwa 300 Auflagen und schien unverwüstlich. Heute wird man diesen «Trompeter» nur noch als Prachtband mit Goldschnitt oder als «Reclams-20-Pfg.-Bändchen» in den vergessenen Hinterlassenschaften unserer Urgrosseltern wiederfinden.

Rudolf Bunge machte ein Libretto daraus und Victor E. Nessler vertonte es. Die Uraufführung fand 1884 in Leipzig statt und «Der Trompeter von Säckingen» wurde eine Erfolgsoper ohnegleichen. Allein in Norddeutschland erlebte sie im Jahre 1888 über 900 Aufführungen. Selbst der weltberühmte Dirigent Arthur Nikisch verfiel der gefühlsseligen Trompeten- und Butzenscheiben-Romantik Nesslers, komponierte eine Orchesterfantasie über sein «Liebe und Trompetenblasen» und liess Generationen von Solotrompetern mit dem schmalzigen «Behüt' dich Gott, es wär' so schön gewesen» sein Publikum, quasi in einem Atem, zu Tränen rühren und zu Beifallsstürmen hinreissen.

Aus Liebe zum Trompetenblasen, aber auch mit vollem Einsatz ihrer instrumentenkundlichen Wissenschaft hatten nun Edward H. Tarr und Ernst W. Buser im stimmungsvollen «Trompeterschloss» eine zwar kleine, aber sehr konzentrierte und ausserordentlich instruktive Trompetenausstellung aufgebaut, die Instrumente und Dokumente vom Barock bis zur Gegenwart zeigte.

Säckingen. Trumpeter's Castle

Säckingen. Trumpeter's Castle

Ernst W. Buser

Ernst W. Buser

Das Prunkstück der Sammlung war ohne Zweifel die Naturtrompete in Brezelform in E, die Anton Schnitzer 1585 in Nürnberg gebaut hat.¹ Sie ist das Instrument, das Cesare Bendinelli (um 1542-1617) als «Obrister Trompeter» am bayrischen Hof in München blies. Er vermachte diese prächtige Trompete zusammen mit dem Manuskript seiner Trompetenmethode «Tutta l'arte della Trombetta» von 1614 der «Accademia Filarmonica» seiner Heimatstadt Verona. Beide Exponate sind noch heute im Besitz der Bibliothek der Accademia Filarmonica, Verona und nur als Leihgaben nach Säckingen gekommen.

Edward H. Tarr wurde auch die Erlaubnis erteilt, diese früheste aller bekannt gewordenen Trompetenschulen als Reprint veröffentlichen zu dürfen.

Die Mehrzahl der aus dem goldenen Zeitalter der Naturtrompete (1600-1750) stammenden Ausstellungsstücke, darunter eine Naturtrompete von Johann Leonhard Ehe (Nürnberg 1700), ein Paar D-Trompeten der Gebrüder Kerner (Wien 1793), das Prachtexemplar einer Es-Trompete von Johann Siegmund Graf Breitenbach (1746) und ein gewundenes Jagdinstrument von Johann Wilhelm Haas (Nürnberg 1688), sind sehr seltene Stücke aus dem Besitz der beiden Aussteller, die ihr ganz beträchtliches Sammlergeschick, aber auch ihr ebenso grosses Sammlerglück beweisen.

Ventiltrompete in D «Schupach et Guichard» Yverdon ca. 1830).(Sammlung Ernst W. B user)

Ventiltrompete in D «Schupach et Guichard» Yverdon ca. 1830).
(Sammlung Ernst W. B user)

Noch mannigfaltiger waren die zahlreichen Instrumente, die aus der Krisenzeit der Trompete (1750-1815) stammen und die, welche die Entwicklung zu den ersten Ventiltrompeten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aufzeigen. Der Bedrohung durch das Kornett (1875-1900) war eine umfangreiche Abteilung gewidmet und ein weiterer Raum den, der ungewöhnlichen Form und des seltsamen Materials wegen, kuriosen Trompeteninstrumenten vorbehalten.

Den Abschluss bildeten natürlich die modernen und allermodernsten Trompeten unserer Tage.

Es bleibt zu hoffen, dass recht viele Freunde der Trompete diese unbedingt sehenswerte Ausstellung besucht haben. Sie war geeignet, auf die hohen Werte der historisch gewachsenen, ritterlichen und dabei auch künstlerisch so ausserordentlich bedeutsamen Trompeterkunst mahnend hinzuweisen.

Die Ausstellung und die ihr angeschlossene «1. Internationale Trompeterwoche» wurden am 2. September 1979 mit dem Trompeten-Ensemble der Schola Cantorum Basiliensis eröffnet. Am 8. September fand als Abschluss des unter Leitung von E. H. Tarr abgehaltenen Trompeter-Seminars ein Konzert statt, das einen imponierenden Leistungsbeweis aller Beteiligten brachte:

— Edward H. Tarr, Basel und sein Lehrassistent Vincent Cichowicz, Chicago bliesen von einem Kammerorchester unter Heinz G. Linke begleitet, das Trompeten-Doppelkonzert in C von Antonio Vivaldi;

— zahlreiche Seminar-Teilnehmer bewährten sich in einer Reihe von Werken von Samuel Scheidt bis Karl-Heinz Köper;

— und zum Beschluss boten sämtliche Teilnehmer einige grandiose Sonaten der «Charamela real», des Hoftrompeterkorps von Lissabon, eines Anonymus um 1760.

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