Säckingen. Trumpeter's Castle
Ernst W. Buser
Das Prunkstück der Sammlung war ohne Zweifel die Naturtrompete in Brezelform in E, die Anton Schnitzer 1585 in Nürnberg gebaut hat.¹ Sie ist das Instrument, das Cesare Bendinelli (um 1542-1617) als «Obrister Trompeter» am bayrischen Hof in München blies. Er vermachte diese prächtige Trompete zusammen mit dem Manuskript seiner Trompetenmethode «Tutta l'arte della Trombetta» von 1614 der «Accademia Filarmonica» seiner Heimatstadt Verona. Beide Exponate sind noch heute im Besitz der Bibliothek der Accademia Filarmonica, Verona und nur als Leihgaben nach Säckingen gekommen.
Edward H. Tarr wurde auch die Erlaubnis erteilt, diese früheste aller bekannt gewordenen Trompetenschulen als Reprint veröffentlichen zu dürfen.
Die Mehrzahl der aus dem goldenen Zeitalter der Naturtrompete (1600-1750) stammenden Ausstellungsstücke, darunter eine Naturtrompete von Johann Leonhard Ehe (Nürnberg 1700), ein Paar D-Trompeten der Gebrüder Kerner (Wien 1793), das Prachtexemplar einer Es-Trompete von Johann Siegmund Graf Breitenbach (1746) und ein gewundenes Jagdinstrument von Johann Wilhelm Haas (Nürnberg 1688), sind sehr seltene Stücke aus dem Besitz der beiden Aussteller, die ihr ganz beträchtliches Sammlergeschick, aber auch ihr ebenso grosses Sammlerglück beweisen.
Ventiltrompete in D «Schupach et Guichard» Yverdon ca. 1830).
(Sammlung Ernst W. B user)
Noch mannigfaltiger waren die zahlreichen Instrumente, die aus der Krisenzeit der Trompete (1750-1815) stammen und die, welche die Entwicklung zu den ersten Ventiltrompeten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aufzeigen. Der Bedrohung durch das Kornett (1875-1900) war eine umfangreiche Abteilung gewidmet und ein weiterer Raum den, der ungewöhnlichen Form und des seltsamen Materials wegen, kuriosen Trompeteninstrumenten vorbehalten.
Den Abschluss bildeten natürlich die modernen und allermodernsten Trompeten unserer Tage.
Es bleibt zu hoffen, dass recht viele Freunde der Trompete diese unbedingt sehenswerte Ausstellung besucht haben. Sie war geeignet, auf die hohen Werte der historisch gewachsenen, ritterlichen und dabei auch künstlerisch so ausserordentlich bedeutsamen Trompeterkunst mahnend hinzuweisen.
Die Ausstellung und die ihr angeschlossene «1. Internationale Trompeterwoche» wurden am 2. September 1979 mit dem Trompeten-Ensemble der Schola Cantorum Basiliensis eröffnet. Am 8. September fand als Abschluss des unter Leitung von E. H. Tarr abgehaltenen Trompeter-Seminars ein Konzert statt, das einen imponierenden Leistungsbeweis aller Beteiligten brachte:
— Edward H. Tarr, Basel und sein Lehrassistent Vincent Cichowicz, Chicago bliesen von einem Kammerorchester unter Heinz G. Linke begleitet, das Trompeten-Doppelkonzert in C von Antonio Vivaldi;
— zahlreiche Seminar-Teilnehmer bewährten sich in einer Reihe von Werken von Samuel Scheidt bis Karl-Heinz Köper;
— und zum Beschluss boten sämtliche Teilnehmer einige grandiose Sonaten der «Charamela real», des Hoftrompeterkorps von Lissabon, eines Anonymus um 1760.