Brass Bulletin 23, III / 1978 (Seite 35–40) · 2 Min. Lesezeit
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Alte Trompetenmusik in Schwerin

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Alte Trompetenmusik in Schwerin

In den vergangenen zehn Jahren hat David Whitwell in The Instrumentalist interessante Artikel und nützliche Verzeichnisse veröffentlicht. Forscher haben im letzten Jahrzehnt fleißig an der Aufstellung eines Katalogs der Alten Musik für Trompete gearbeitet und haben zwei wichtige Bibliographien über Musik für Solotrompete herausgegeben (Don Smithers: Music and History of the Baroque Trumpet before 1721, und Detlef Altenburg: Untersuchungen zur Geschichte der Trompete im Zeitalter der Clarinblaskunst (1500–1800)). Obwohl zahlreiche Werke entdeckt und katalogisiert worden sind, sind einige Sammlungen unerforscht geblieben, so zum Beispiel die Trompetenliteratur der Mecklenburgischen Landesbibliothek in Schwerin.

Alle im folgenden Verzeichnis erwähnten Werke sind Handschriften (außer, wenn ausdrücklich anders vermerkt), und die meisten davon stammen aus der Zeit zwischen der Mitte des 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts. Darunter gibt es manch ein Werk, das zu den ersten Kompositionen für Blasorchester zählt. Die Verwendung der Trompete erstreckt sich auf die gesamte Skala, von den Solostücken für virtuose Trompete bis zu den einfachen Stimmen zur Untermalung des Rhythmus und der Kadenzen. Gegen 1760 hatte zwar die Trompete ihre höchste technische Leistung erreicht, während im Bereich der Spieltechnik die Geschichtsschreiber eine Zeit des «Niedergangs» festgestellt haben. Man kann ihn verschiedenen Faktoren zuschreiben, wie z. B. dem gleichtemperierten Akkord, der die Möglichkeit bot, häufig und in verschiedenen Tonarten in einem und demselben Werk zu modulieren. Vielleicht aber sollte man den Hauptgrund in der Verschiebung der gesellschaftlichen Strukturen im Europa des 18. Jahrhunderts suchen, welche eine Veränderung des musikgesellschaftlichen Klimas für die Trompeter zur Folge hatte.

Marche de la Garde à pied von Jomelli (Schwerin 3009)

Marche de la Garde à pied von Jomelli (Schwerin 3009)

Die modernen Forscher haben sich auf die Solo- und die Orchesterliteratur für Trompete konzentriert. Daher dürfte folgendes Verzeichnis überraschen. Es scheint, dass Trompeten und Hörner oft zusammen mit anderen Blasinstrumenten verwendet worden sind. Es hat schon früher, in England und Frankreich, Windbands (Bläserensembles) gegeben. So spielten die englischen Bläser, die ein Teil der King’s Musick waren (16 Trompeten, Pauken, Schalmeien, Zinken, Posaunen), nie als einzelne Gruppe. So hat wohl Ludwig XIV. in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts das erste organisierte Blasorchester unterhalten. Im Jahre 1690 «erfindet» Denner unsere moderne Klarinette, wodurch der Weg zu den vielen Kombinationen von Instrumenten freigegeben war, wie wir sie im Verzeichnis der ersten Handschriften für Blasorchester finden können.

Im Jahre 1763 gründete Friedrich der Große die Blaskapelle des preußischen Heeres, welche aus 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörnern und 2 Fagotten bestand. David Whitwell hatte schon auf Haydns und Mozarts Werke für verschiedene Bläserensembles aufmerksam gemacht (A New History of Wind Music, herausgegeben von The Instrumentalist, 1972). Was schließlich am Anfang des 19. Jahrhunderts aufkommen und in der Standardisierung unserer heutigen Blaskapelleninstrumentierung gipfeln sollte, hat seine Ansätze in drei Punkten, die alle drei gleichzeitig erschienen sind und sich über mehrere Jahre erstreckt haben. Erstens wurden die hohen Blechbläser chromatisch — dank der (endlich erfolgreichen) Anwendung von Ventilen und Drehventilen. Zweitens regte die «Industrielle Revolution» auch die Eröffnung von Instrumentenfabriken an, die zahlreiche neue Modelle hervorbrachten und vollständige Instrumentenfamilien entwickelten. Drittens erlaubte die Gewohnheit der Doppelbesetzung (die sich einbürgerte, als die Blasinstrumentenfamilien geschaffen waren) den Blaskapellmeistern, ihre Auffassung der Instrumentierung durchzusetzen und die Standardisierung voranzutreiben, die zur modernen Konzertblaskapelle führte (man muss dies natürlich in einem allgemeinen Sinn verstehen, es gibt ja immer wieder neue Änderungen).

Eine Tafel aus Georges Kastners Manuel Général de Musique Militaire (Paris, 1848), die die Entwicklung von homogenen Ble...

Eine Tafel aus Georges Kastners Manuel Général de Musique Militaire (Paris, 1848), die die Entwicklung von homogenen Blechblasinstrumentenfamilien zeigt. Dies ermöglichte neue (und umfangreichere) Instrumentationen für Blasensembles und eine neue Spielart, die sich vom traditionellen Trompetenstil unterscheidet.

Mit seiner Fähigkeit, chromatisch und mit viel Volumen zu spielen, wurde das Sopranblech (das Kornett geworden) zum «Konzertmeister-Instrument» des Blasorchesters. Das Konzept der Instrumentation der Trompete im Orchester, mit ihren tonal begrenzten Möglichkeiten, war, in der festgelegten Tradition von Haydn und Mozart weiterzumachen. Dieser Trompetenstil wurde nur langsam entwickelt, während der «Kornett»-Stil rasch seine neue Funktion übernahm.

Wer die Mikrofilme der aufgeführten Werke erhalten möchte, wende sich an die Mecklenburgische Landesbibliothek, Musikabteilung, Am Dom 2, DDR–27 Schwerin

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