Marche de la Garde à pied von Jomelli (Schwerin 3009)
Die modernen Forscher haben sich auf die Solo- und die Orchesterliteratur für Trompete konzentriert. Daher dürfte folgendes Verzeichnis überraschen. Es scheint, dass Trompeten und Hörner oft zusammen mit anderen Blasinstrumenten verwendet worden sind. Es hat schon früher, in England und Frankreich, Windbands (Bläserensembles) gegeben. So spielten die englischen Bläser, die ein Teil der King’s Musick waren (16 Trompeten, Pauken, Schalmeien, Zinken, Posaunen), nie als einzelne Gruppe. So hat wohl Ludwig XIV. in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts das erste organisierte Blasorchester unterhalten. Im Jahre 1690 «erfindet» Denner unsere moderne Klarinette, wodurch der Weg zu den vielen Kombinationen von Instrumenten freigegeben war, wie wir sie im Verzeichnis der ersten Handschriften für Blasorchester finden können.
Im Jahre 1763 gründete Friedrich der Große die Blaskapelle des preußischen Heeres, welche aus 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörnern und 2 Fagotten bestand. David Whitwell hatte schon auf Haydns und Mozarts Werke für verschiedene Bläserensembles aufmerksam gemacht (A New History of Wind Music, herausgegeben von The Instrumentalist, 1972). Was schließlich am Anfang des 19. Jahrhunderts aufkommen und in der Standardisierung unserer heutigen Blaskapelleninstrumentierung gipfeln sollte, hat seine Ansätze in drei Punkten, die alle drei gleichzeitig erschienen sind und sich über mehrere Jahre erstreckt haben. Erstens wurden die hohen Blechbläser chromatisch — dank der (endlich erfolgreichen) Anwendung von Ventilen und Drehventilen. Zweitens regte die «Industrielle Revolution» auch die Eröffnung von Instrumentenfabriken an, die zahlreiche neue Modelle hervorbrachten und vollständige Instrumentenfamilien entwickelten. Drittens erlaubte die Gewohnheit der Doppelbesetzung (die sich einbürgerte, als die Blasinstrumentenfamilien geschaffen waren) den Blaskapellmeistern, ihre Auffassung der Instrumentierung durchzusetzen und die Standardisierung voranzutreiben, die zur modernen Konzertblaskapelle führte (man muss dies natürlich in einem allgemeinen Sinn verstehen, es gibt ja immer wieder neue Änderungen).
Eine Tafel aus Georges Kastners Manuel Général de Musique Militaire (Paris, 1848), die die Entwicklung von homogenen Blechblasinstrumentenfamilien zeigt. Dies ermöglichte neue (und umfangreichere) Instrumentationen für Blasensembles und eine neue Spielart, die sich vom traditionellen Trompetenstil unterscheidet.
Mit seiner Fähigkeit, chromatisch und mit viel Volumen zu spielen, wurde das Sopranblech (das Kornett geworden) zum «Konzertmeister-Instrument» des Blasorchesters. Das Konzept der Instrumentation der Trompete im Orchester, mit ihren tonal begrenzten Möglichkeiten, war, in der festgelegten Tradition von Haydn und Mozart weiterzumachen. Dieser Trompetenstil wurde nur langsam entwickelt, während der «Kornett»-Stil rasch seine neue Funktion übernahm.
Wer die Mikrofilme der aufgeführten Werke erhalten möchte, wende sich an die Mecklenburgische Landesbibliothek, Musikabteilung, Am Dom 2, DDR–27 Schwerin