Die Resonanz stimmt nicht. Obwohl sich die Trompeten zurückhalten, sind Horn und Posaune zu leise. Die Sitzordnung wird angepasst, und Martin gibt sein Einverständnis zu einem Mikrophon für das Horn.
In der zweiten Aufnahme hat die langsame Einleitung eine gedämpfte Intensität, die vorher fehlte. Paul fragt sich, ob das Zusammenspiel klappte. Max sagt ihm, er sollte sich keine Sorgen machen. Er wünscht jedoch, dass die Aufschreie des Horns (wie vieles andere in diesem Stück: die lineare Spannung, die Triller, Gebrumme, wiebelnde Arabesken — sie erinnern mich an die zweite Symphonie) im betreffenden Teil am lautesten seien.
Eine weitere Aufnahme. Das Allegro, ein unruhiges, kontrapunktisches Scherzo geht in tanzende Soli auf Tuba und Posaune über mit einem tiefen, brummenden As und einem hohen, flüchtigen Des.
Jim Gourlay spielt «Polly, put the kettle on», und jedermann begibt sich in die Kantine.
Der zweite Satz, eine doppelte Variation, beginnt mit der gleichen Hornmelodie wie der erste. Hier entwickelt sie sich in ein langes, mörderisches Solo, das mit grossintervalligen, doppelten Vorschlägen verziert ist. «Eine tolle Sache!» nennt Paul sie enthusiastisch.
Mehrere Aufnahmen sind notwendig. «Ist es nicht ein bisschen zaghaft, so?» fragt Max. «Könnt Ihr etwas schneller spielen?» «Die Lippen sind schuld», meint James Handy und bewegt die seinen illustrativ.
Langsam bewegen sie sich über das Akrobatenseil. Nur wenige Zeichen nervöser Spannung sind sichtbar. James will sich vor dem Studio die Füsse vertreten, aber Stephen Plaistow regt sich nicht auf, und Max ist von überschwänglicher Freundlichkeit.
Die Musik ist in ihrer Virtuosität sehr ausdrucksstark. Sie weist aber auch durch Einfachheit schöne Wirkungen auf: der ruhige Puls in der Trompete in der ersten Variation, der den Satz auf dramatische Weise zu Ende führt; eine unregelmässige, rhythmische Figur, die von harmonierenden Dreiergruppen gespielt wird; eine Staccato-Bewegung der ersten Trompete über den langsameren, tiefen Stimmen. Max geniesst vor allem die sehr einfachen Takte zu Beginn der Coda. «Man wagt es fast nicht so zu schreiben, aber dann tut man es doch, und es gelingt.»
Als das Empire Quintet (damals Mitglieder des Boston Symphony Orchestras, welches seine zweite Symphonie uraufführte) ihn um ein Stück bat, so zögerte er zuerst. «Ich kannte sie nicht als Musiker, und offen gestanden wusste ich nicht, welche Virtuosität man Blechblasinstrumenten — abgesehen von der Trompete — zumuten kann.» Der Tuba gegenüber hatte er sogar seine Vorurteile. «Aber als ich sie spielen hörte, änderte ich meine Meinung.»
Ist Virtuosität von grundlegender Bedeutung? «Nicht eigentlich. Aber wenn ich für ein neues Medium schreibe, so erweitere ich mich dabei, und ich will, dass das Medium selbst und die Interpreten sich ebenfalls erweitern.»
Nach dem Mittagessen legen die Burschen gleich los mit dem letzten Satz, einem tanzenden Allegro vivace mit einem langsamen, choralmässigen Teil, der die ersten Motive des Werks weiter entwickelt und dann zu einem glanzvollen Schluss führt.
Alle sind recht zufrieden, aber die Interpreten rufen eifrig: «Wir wollen es noch einmal machen!» Nach einer weiteren Aufnahme und einem Stück aus dem langsamen Satz, scheinen sie zusätzliche Verbesserungen zu planen. «Ich glaube, sie realisieren nicht, dass die Sitzung vorbei ist», murmelt Stephen Plaistow. «Die würden noch die ganze Nacht weiterfahren, wenn wir sie machen liessen.»
«Sie haben sich nicht ein Mal wegen den Lippen beklagt», stellt Max ungläubig fest. Er dankt allen und verabschiedet sich. Über der letzten Tasse Kaffee fasst Stephen Plaistow zusammen: «Ich habe den ganzen Tag einem einzigen Musikstück zugehört und habe mich nicht ein Mal gelangweilt.»