E. H. – Eigentlich ist so etwas eine Seltenheit in der Bläser-Welt, denn Konkurrenz und Ehrgeiz sind doch sehr ausgesprochen, vor allem unter den jungen Bläsern, die am Anfang ihrer Karriere stehen. In Amerika ist die Ensemble-Bildung ziemlich beliebt, weil man dadurch gute und lukrative Lehrstellen bekommt, was bei uns in England durchaus nicht der Fall ist. Es ist hier wirklich die Persönlichkeit Philip Jones’, die die jungen Bläser anzieht, weil sie realisieren, dass sie bei ihm etwas lernen und auf eine sehr besondere und schöne Art Musik machen können! Da ist z.B. unser Trompeter Michael Laird, der in den letzten 5 Jahren zu uns gestossen ist und der einer jüngeren Generation angehört als Philip und ich. Er ist zwar Solist, aber scheint doch immer mehr Interesse für unsere Art des Zusammen-Musizierens zu bekommen ...
Michael Laird – Ja, das stimmt. Dabei ist es für mich gar nicht einfach: als selbständiger Trompeter in London spiele ich meistens Solo oder 1. Trompete bei der Aufführung barocker oder klassischer Werke durch verschiedene Kammer-Orchester. In Philips Ensemble muss ich nun plötzlich weniger wichtige Rollen übernehmen, aber die kommen mir nun gar nicht einfach vor! Ich muss mich enorm umstellen und das überwältigt mich manchmal etwas – aber es stimuliert mich eben doch sehr!
Ph. J. – Für mich ist das jugendliche Element im Ensemble sehr wichtig, Michael. Es kann schon sein, dass das, was wir von Dir erwarten, Dich manchmal überwältigt, aber das Wesentliche ist, dass wir Ältere Euch Jungen zeigen können, was wir durch lange Erfahrung gelernt haben, sodass Deine Generation, wenn sie unsere Aufgabe übernimmt, darauf aufbauen und die Bläsermusik – speziell im Ensemble – weiter fördern kann. Es macht mir nichts aus, wenn Ihr Jungen denkt, wir seien leicht altmodisch und Ihr wüsstet dies oder jenes viel besser als wir, denn solche Gedanken wirken immer stimulierend, sowohl für die Alten wie für die Jungen, und das erhält uns lebendig und so bleiben wir immer auf der Höhe!
M. L. – Philip, ich glaube aber, dass in einem Ensemble wie diesem doch nur ein oder höchstens zwei Mitglieder bestimmend sein dürfen. Denn wenn ich als dritte Trompete z.B. sagen würde, ein Stück müsse so und nicht so gespielt werden, wo kämen wir da hin?
Ph. J. – Klar, man kann natürlich nicht neun Leiter im neunköpfigen Ensemble haben! Aber es gibt in der Gruppe neun Stimmen und wichtig ist, dass jede Stimme sich jederzeit erheben kann und von den anderen acht angehört wird. Jede Stimme kann auf die Interpretation eines Werkes oder auf die innere Disziplin der Gruppe oder was es auch sei, ihren Einfluss ausüben und damit das Gesamtresultat verbessern. Und wenn einer von uns mal vergisst, genau zuzuhören, so kann uns ein Kollege auch ruhig musikalisch korrigieren!
J.-P. M. – Wenn ich richtig verstehe, so handelt es sich hier um eine – sagen wir – Natur-Disziplin, die nicht auferlegt, sondern von allen gemeinsam geformt und eingehalten wird?
Ph. J. – Ja, genau!
J.-P. M. – Was mich sehr interessieren würde, Philip, ist die Methode Deiner Proben mit dem Ensemble und ob sie früher, im Anfang meine ich, anders war als jetzt?
Ph. J. – Nun, im Anfang meiner Ensemble-Karriere war das Proben denkbar einfach. Das war 1951, als eigentlich noch keine kleinen Bläserensembles existierten, wenigstens in England nicht. Ich wählte drei Bläser, die ich sehr schätzte, wir setzten uns zusammen und spielten mehr oder weniger unbekümmert drauflos! Aber bald bekam ich sehr genaue Ideen, wie ich die Stücke geprobt haben möchte, und setzte mich hartnäckig durch, sodass wir allerlei Arten ausprobierten, um die beste Interpretation herauszufinden. Es ging nicht lange, da bekamen meine Kollegen auch Ideen und machten Vorschläge, und so begann jeder das Seine beizutragen – die einen auf musikalischem Gebiete, die anderen mehr in Sachen Zusammenspiel.
Im Prinzip ist mein System immer gleich geblieben, d.h. ich wähle nur Bläser, die ich als Musiker und vor allem als Menschen schätze. Dann versuche ich in jedem das Beste zu fördern, sodass er sein höchstes Können dem Ensemble zur Verfügung stellt. Das Grossartige für mich ist eben dieses sehr persönliche Verhältnis mit und unter den Musikern des Ensembles, ein Verhältnis, das Neid und Eifersucht ausschliesst und das ich eben Ensemble-Geist nenne. Jedes Talent innerhalb des Ensembles ist mir wertvoll. Auch wenn einer das Talent hat, mich zum Lachen zu bringen oder mich davon abzuhalten, blöd oder nervös zu sein, dann ist er mir genau so wichtig wie derjenige, der dreimal höher und fünfmal lauter spielt als ich!
Die Methode der Proben ist sehr einfach: Ich stelle alles zusammen und wähle das Repertoire und dann frage ich die Kollegen des Ensembles um ihre Meinung. Wenn sie ein Werk nicht mögen, so wird es beiseite gelegt. Wir besprechen zusammen nicht nur, welche Werke gespielt werden sollen, sondern auch, wie wir sie spielen werden. So wird jedes Stück mit innerer Überzeugung gewählt und gespielt und jeder trägt sein Bestes bei. Ich glaube, dass jeder in der Gruppe weiss, dass seine Meinung ebenso wertvoll ist wie die der acht anderen – ist das nicht so, Michael?
M. L. – Doch, doch, ganz richtig!
J.-P. M. – Philip, in den Verlagskatalogen der Blechmusik findet man immer wieder viele neue Werke, die für Dich und Dein Ensemble geschrieben wurden – wieso das?
Ph. J. – Ja, weisst Du, ich komme auf unseren Konzertreisen mit vielen Musikern und Komponisten zusammen und dann frage ich sie einfach, ob es ihnen nicht Spass machen würde, mal was für unsere Gruppe zu schreiben. Und oft sind die Komponisten ganz fasziniert vom Gedanken, etwas für eine Blaserkombination zu schreiben, an die sie noch nie gedacht haben! Vielleicht haben sie mal an eine einzelne Trompete gedacht oder an ein Horn, aber an eine Tuba sicher noch nie! Wenn ich dann sage: « Hör’ mal, schreib doch ein Trio für Trompete, Horn und Tuba », dann meinen sie zuerst, das sei verrückt. Aber dann fängt die Klangkombination in ihrem Kopf an zu wirken und plötzlich sind sie so weit. Wenn ich Glück habe, schreiben sie dann ein Stück für mich und wenn ich grosses Glück habe, ist es sogar ein gutes Stück! Siehst Du, so einfach ist das.
J.-P. M. – Und findest Du, dass London der richtige Ort für ein solches Blechbläser-Ensemble ist? Ich meine in Bezug auf Auswahl an Bläsern?
Ph. J. – Ja, fantastisch. Wir haben in London eine Riesenauswahl an guten Bläsern und zwar sind es nicht bloss Bläser, sondern Musiker mit vielen und vielseitigen Talenten und Interessen. Wir haben z.B. in der Gruppe Bläser, die ausserdem Komponisten und Dirigenten sind, was sehr zur Lebendigkeit unserer Aufführungen beiträgt, da wir nicht bloss vom Bläserstandpunkt aus musizieren, sondern quasi von einem allgemein musikalischen Standpunkt aus. Drum tönt es so gut! Und siehst Du, auch hier trägt jeder seinen Teil bei.
E. H. – Das mag alles stimmen, aber es muss doch gesagt sein, dass es ein ganz spezielles Talent, eben einen Philip Jones braucht, um so eine Bläsergruppe aus dem Nichts heraus zu gründen und zum Erfolg zu führen. Wenn es ihn vor 20 Jahren nicht gegeben hätte, dann gäbe es heute noch keine Blechbläser-Ensembles und -Musik in England!
M. L. – Richtig!
Ph. J. – Komm, komm, Ihr übertreibt: Eure Rolle ist genau so wichtig!
J.-P. M. – Darf ich hier vielleicht etwas einfügen? Und zwar vom Standpunkt eines Zuhörers aus. Ich war ja jetzt gerade zweimal in Euren Konzerten und ich muss sagen, dass man Philips Einfluss und Persönlichkeit durch die ganze Aufführung hindurch spürt, dass man aber nie das Gefühl hat, dass Philip herrscht oder überherrscht, das ist das Wunderbare...
Ph. J. – Genau so möchte ich’s eben...
J.-P. M. – Und wenn Ihr den Applaus entgegennehmt, dann sieht man, dass Ihr neun gleichgestellte Künstler seid und nicht einer versucht, die Ehre für sich allein einzustreichen!
Ph. J. – Klar, das ist’s genau, das Publikum soll wissen, dass wir « keine Passagiere mitführen », wie man in der Seemannssprache sagt.
E. H. – Drum betonte ich ja auch vorhin, dass wir keine Virtuosen sind. Wir haben zwar – musikalisch gesprochen – zwei Virtuosen unter uns: unseren Hornisten Ifor James, zweifellos einer der brillantesten unserer Zeit, und Fletcher, unseren Tuba-Spieler, der wirklich einzigartig ist. Aber ausser diesen beiden haben wir noch einen andersartigen Virtuosen unter uns und zwar Philip Jones selbst! Er wird mich zwar beschimpfen, weil ich es sage, aber er ist eine Art Diaghilev, d.h. er hat eine unwahrscheinliche Begabung, das Allerbeste und -schönste aus seinen Kollegen herauszubringen und jedes Talent in uns zu fördern. Michael hat z.B. ein Talent für Barocktrompete, ich selbst kann geschickt arrangieren usw., unsere Posaunisten haben allerlei andere musikalische und sonstige Talente – und Philip bringt sie alle zur Blüte und setzt sie ein. Ist das nicht die grösste Virtuosität, die man von einem Musiker und Leiter erwarten kann?
J.-P. M. – Ganz sicher! Sag’, Philip, wie wählst Du neue Mitglieder für Dein Ensemble – ist es sehr schwierig?
Ph. J. – Es ist natürlich nicht so leicht, Musiker zu finden, die bereit sind, ihre eigene Individualität zugunsten der Gruppe zurückzustellen. Aber in London gibt es viele Bläser, die nicht mehr den ausschliesslichen Ehrgeiz haben, am ersten Pult eines Orchesters zu sitzen, wie das in meiner Anfangszeit der Fall war. Früher hing die Karriere davon ab. Heute nicht mehr. Es gibt fünf symphonische Orchester in London, alle mit ausgezeichneten Bläsern besetzt, aber daneben gibt es viele selbständige Musiker, auch viele junge, und an die wende ich mich dann.
Im Anfang haben sie es sicher schwer, denn die anderen sind alle seit Jahren eingespielt und kennen auch dem Jones seine Schrullen und Eigenheiten, wie z.B., dass er nie genug Zeit für die Proben gibt und dass er von jedem Neuling erwartet, dass er sich mit seiner eigenen Schlauheit und Schlagfertigkeit durch die ersten Aufführungen hindurchwurstelt... Aber wenn sie das akzeptieren, dann bin ich auch bereit, alles zu tun, um ihre musikalische Persönlichkeit und ihr Können zu fördern. Wenn sie’s aber nicht akzeptieren, dann verschwinden sie bald wieder aus dem Ensemble.
Ich glaube, es ist richtig so für die Jungen: Sie sollen von Anfang an das Gefühl haben, eine wichtige Persönlichkeit mit einer eigenen Aufgabe zu sein, genau gleich wie die Älteren. So ist das Gleichgewicht in der Gruppe sofort hergestellt.
J.-P. M. – Jetzt eine andere Frage, Philip: Wie ist das, wenn jemand ein Werk für Euch schreibt und Dir gefällt’s, den anderen aber nicht – was geschieht dann?
Ph. J. – In einem solchen Falle besprechen wir ausführlich das Pro und Contra und spielen das Werk etliche Male durch. Wenn’s dann immer noch nicht gefällt, dann ist’s erledigt – oft aber fällt es auch erst nach der ersten oder zweiten Aufführung durch, einfach weil das Herz nicht dabei ist. Ich möchte also nicht einfach Schiedsrichter sein!
M. L. – Da weiss ich gerade ein Beispiel: Letzthin im Zug erwähnte ich Philip gegenüber Hindemiths Morgenmusik, aber Philip lehnte ab, sagte, sie hätten sie mal gespielt, aber er finde sie einfach nicht gut geschrieben. Nun, mir gefällt sie und ich meinte, sie würde in doppelter Besetzung ausgezeichnet tönen. Worauf Philip den Gedanken sofort aufgriff und sagte, das sei eine prima Idee, das müssten wir unbedingt probieren! Ist das nicht typisch? Ich glaube auch, dass Philip es schon mir zuliebe machen wird!
Ph. J. – Warum nicht? Man soll nie etwas von vornherein schon ablehnen. Natürlich werden wir Deinen Hindemith mit doppelter Besetzung drannehmen!
J.-P. M. – Weisst Du, Philip, das Publikum spürt direkt, dass Ihr glücklich seid zusammen...
Ph. J. – Ja, das kommt sicher daher, weil jeder von uns weiss, dass er eine wichtige Rolle übernommen hat, die nur er ausführen kann, auch wenn es sich bloss darum handelt, auf dem Podium einen Stuhl oder ein Pult zu verschieben...
J.-P. M. – Richtig! Sogar dann springt ein kleiner Funken ins Publikum hinüber!
Ph. J. – (Wie gemütlich sitzen wir hier am Feuer und wie herrlich schmeckt der Wein!)
J.-P. M. – Sag’ Philip, wie seid Ihr eigentlich der Avant-Garde-Musik gegenüber eingestellt?
Ph. J. – Für die Beantwortung dieser Frage ist eigentlich Garry kompetent. Ich möchte nur sagen, dass ich persönlich finde, dass ein Ensemble alle Zeitalter in sein Repertoire aufnehmen sollte. Avant-garde ist schon deshalb sehr wichtig, weil sie uns technisch vor enorme Aufgaben stellt, die wir zu überwinden haben und die zu ganz neuen Möglichkeiten für unsere Instrumente führen, was uns wiederum bei der Aufführung älterer Werke nützlich ist. Wir waren eigentlich alle – mit Ausnahme von Garry – eher traditionell eingestellt, sodass sich niemand von uns freiwillig um die Moderne bemühte, aber Garry hat das nicht durchgelassen – nun Garry?
E. H. – Ja also, erstens ist einmal zu sagen, dass sich Blechbläser im Allgemeinen nicht von Avant-Garde-Musik angezogen fühlen – warum, weiss ich eigentlich nicht. Ich selbst habe mich immer dafür interessiert, weil ich ursprünglich Komponist werden wollte – und ich komponiere ja tatsächlich auch ziemlich viel, sodass meine Neigung zur Avant-Garde schon von dieser Seite herkommt.
Als Ausübender muss ich mich aber immer wundern, dass nicht mehr Bläser von der Neuheit der Aufgaben jener Musik gebannt sind. Die Möglichkeiten der erweiterten Technik, die heutzutage in der neuen Musik verwendet werden, sind einfach faszinierend – oder sollten es wenigstens sein! Was hat z.B. unser Tuba-Spieler Fletcher für Solo-Möglichkeiten? Abgesehen von einigen Arrangements: KEINE, ausser in der Avant-Garde-Musik! Dabei ist es unglaublich, was er und einige seiner Kollegen, vor allem in Amerika, auf der Tuba leisten, sodass sie sich schon deswegen der Avant-Garde-Musik zuwenden sollten! Natürlich nicht ausschliesslich und urteilslos, denn viele dieser Stücke haben nur zum Ziel, merkwürdige Geräusche hervorzubringen, um „modern“ zu tönen...
Als gutes Beispiel möchte ich den Schweizer Oboisten Heinz Holliger nennen. Er spielt Telemann, Mozart usw. besser als die meisten anderen Oboisten der Welt und er spielt moderne Musik mit mehr Verständnis und Leichtigkeit als irgendein anderer Oboist, den ich kenne. Weil er eben an der Entwicklung der Musik als Kunst interessiert ist. Und das ist nach meinem Gefühl das Wichtige und das Wahre.
Ich glaube, so weit sind wir nun auch mit der Philip Jones Gruppe, vor allem mit unserem Quintett. Dieses neue Interesse ist auch durch Zusammentreffen mit Freunden und Kollegen wie Gerry Schwarz vom American Brass Quintet gefördert worden. Wir verdanken dieser Gruppe – und speziell Gerry – viel Anregung, durch ihr Spiel und durch Diskussionen bis spät in die Nacht hinein. In letzter Zeit können Philip und ich zu unserer Freude sogar mit Gerry zusammenarbeiten.
Eine andere Stimulanz kommt von der Bekanntschaft mit Komponisten her. Wie Philip sagte, viele der Jungen sind an unseren Instrumentenkombinationen interessiert und schreiben Stücke für uns – nicht immer gute, das ist wahr. Wenn ein Stück uns nicht gefällt, müssen wir sehr hart und konsequent sein und es einfach fallen lassen. Aber wir haben auch viele gute Stücke. Eines unserer Lieblingsstücke ist z.B. das von Connolly; es ist zwar nicht avant-garde, sondern einfach neu und herrlich zum Spielen – und offenbar auch zum Zuhören. Wir hoffen natürlich, noch viel mehr solcher Werke in unser Repertoire aufzunehmen.
J.-P. M. – Sodass Ihr eigentlich den jungen Komponisten sehr nahe steht, nicht?
Ph. J. – Ja, sicher. Wir kennen viele persönlich, vor allem Garry, aber wie gesagt, wir bleiben doch sehr wählerisch und liegen ihnen nicht zu Füssen!
J.-P. M. – Und wie nahe steht Ihr dem Publikum?
Ph. J. – Wir haben immer sehr engen Kontakt mit unserem Publikum gehabt. Wenn wir uns jetzt mehr in die moderne Musik vertiefen, kann es sein, dass das Publikum uns nicht gleich folgt – aber mit der Zeit wird das auch kommen, denn wir haben uns dieses Publikum selbst erspielt und glauben an seine Treue.
Man ändert sich natürlich im Laufe der Jahre, man kann nicht stillstehen. Was uns vor einigen Jahren genügte, z.B. die Leute einfach durch unsere Klangkombinationen zu begeistern, sodass sie staunend sagten: «Ist es nicht toll, wie rein sie blasen können?» oder «Was für einen fantastischen Ton sie hervorbringen können!», das genügt uns heute nicht mehr. Wir möchten sie auch emotionell erfassen und sie mit uns durch die Bläsermusik aller Zeiten führen können. Also mehr als nur einfach Überraschung oder Vergnügen geben.
Dies ist wieder speziell Garrys Gedanke, weil er ein schöpferischer Musiker ist. Meine Aufgabe ist das Organisieren und das Herausfühlen, welches die wirklich schöpferischen Gedanken der Gruppe sind und wie wir sie am besten verwirklichen können – nicht wahr, Garry?
E. H. – Natürlich, Philip – und so ähnlich wird es bei anderen Ensembles auf der ganzen Welt wohl auch sein!
J.-P. M. – Nun noch eine letzte Frage, Philip: Jetzt, da Ihr berühmt geworden seid...
Ph. J. – ... ein gar grosses Wort!
J.-P. M. – Ja nun, so ist es doch, denn Ihr habt überall auf Eurer Tournee grosse Erfolge gehabt! Also – wirst Du jetzt nach diesen Erfolgen Deine Programme ändern oder sie mehr oder weniger im gleichen Stil halten?
Ph. J. – Schau mal, wie ich schon andeutete: Nichts bleibt stehen. Wir haben in den zwanzig Jahren eine Riesenwandlung der Programme gemacht, denn wir haben äusserst einfach angefangen. So werden wir auch jetzt unsere Programme weiter wandeln, aber natürlich allmählich, und wir werden immer Rücksicht auf unser Publikum nehmen. Wenn wir z.B. das Gefühl haben, irgendwo vor Zuhörern zu spielen, die uns in der neuen Musik nicht gut folgen können, so werden wir unser Programm dementsprechend gestalten und, wie man auf Englisch sagt, «schön brav in der Mitte von der Strasse» bleiben!
J.-P. M. – Und was für Musik, glaubst Du, wird die jungen Leute in zehn bis fünfzehn Jahren in die Philip Jones Konzerte führen?
Ph. J. – Was für Musik dann sein wird, das steht in den Sternen geschrieben! Aber eins ist sicher, und das ist, dass die Philip Jones Brass Ensemble-Nachfolger zweifellos herausfühlen werden, welche Musik die richtige für sie und für das Publikum ist – und dazu wünsche ich ihnen von Herzen VIEL GLÜCK!