Zu ersterer Gruppe gehören alle die Stücke, welche rein technischen Zwecken dienen, als Lehr- und Lernmaterial. So können etwa Bordogni-Vokalisen im Werdegang eines Blechbläsers eine bedeutende Rolle spielen, aber ob diese Art von Transkriptionen sich zu Aufführungszwecken eignet, ist höchst zweifelhaft.
Die besten Transkriptionen hauchen der Musik neues Leben ein, bringen zuvor verborgene Feinheiten zur Geltung und lassen den Hörer das Werk von einem neuen Standpunkt aus erleben.
Als Neubelebung von Musik kann auch die Wiederentdeckung eines vergessenen Meisterwerks verstanden werden, die beispielsweise dem Publikum erlaubt, ein Streicherwerk zu hören, das angesichts des Überflusses an Streicherliteratur kaum zur Aufführung gelangt. So sind in den letzten Jahren etwa Corellis Triosonaten wahrscheinlich häufiger auf Posaunen als auf den Originalinstrumenten gespielt worden.
Feinheiten des Originals werden bisweilen durch geschickte Instrumentation neu hervorgehoben. So lässt sich einiges von Bachs Musik für Tasteninstrumente — besonders die Orgelfugen — sehr wirkungsvoll für Blech setzen. Blechblasinstrumente stehen dem Orgelklang an Farbe und Fülle kaum nach, vermögen aber den Kontrapunkt so prägnant zu zeichnen, wie es ihnen kaum eine Orgel gleichtut.
Als Transkription, welche den Hörer ein Stück von einem neuen Standpunkt aus hören lässt, mag etwa eine frappante Neuinterpretation eines wohlbekannten Werkes bezeichnet werden. Der Erfolg hängt indessen sehr von den musikalischen Fähigkeiten und Ideen des einzelnen Spielers ab. So ist es kaum zu rechtfertigen, wenn ein Posaunist etwa ein Mozart-Violinkonzert spielt, es sei denn, er erschlösse neue musikalische Aspekte, die zuvor von Generationen von Geigern übersehen worden waren. Da dies unwahrscheinlich ist, dürfte eine solche Darbietung wohl höchstens in Posaunistenkreisen interessieren.
In Wirklichkeit sind die drei genannten Aspekte oft dermassen miteinander verknüpft, dass sie sich nur schwerlich getrennt betrachten liessen. Wenn wir eine gute Skulptur unter verschiedenen Winkeln betrachten, werden sich von jedem Standpunkt aus neue Facetten zeigen und unser Erlebnis entsprechend erweitern.
Nicht alle Musik eignet sich für diese Art der Reflexion, und in den meisten Fällen sind Transkriptionen unangebracht. Eine Transkription sollte vor allem keine negativen Seiten des Originals hervorheben.
Die Aufgabe besteht also darin, Stücke zu finden, auf welche sich diese Kriterien anwenden lassen, ohne der Grösse des Originals Abbruch zu tun, das heisst ein Stück, das durch unsere Bearbeitung gewinnt und nicht verliert. Es ist meine Überzeugung, dass eine Transkription umso eher ein hervorragendes musikalisches Vehikel abgibt, als sie diese Bedingungen erfüllt.
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Ralph Sauer ist koordinierter Soloposaunist im Los Angeles Philharmonic Orchestra. Seine Lehrer waren Robert Harper vom Philadelphia Orchestra und Emory Remington an der Eastman School of Music. Vor seinem Engagement in Los Angeles war er Soloposaunist im Toronto Symphony Orchestra. Neben seiner Orchesterverpflichtung wirkt Ralph Sauer als Lehrer und als Solist in Konzerten und Schallplattenaufnahmen.