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Vorwort

Vorwort

Der zweite internationale Blechbläserkongress hat diese Tage stattgefunden (IBC2).

Man erinnert sich an den ersten, der 1976 in Montreux abgehalten wurde dank dem «Institut für höhere musikalische Ausbildung». (Ein «internationales» US-Institut, das in den wenigen Jahren seiner Existenz von der wunderwirkenden Grosszügigkeit eines Italo-Amerikanischen Geschäftemachers profitierte.)

Dieses erste Treffen hatte die gut fünfhundert versammelten Blechbläser begeistert. Eine Rechnung von einigen 150’000.- Sfr. musste vom ebenerwähnten Institut beglichen werden (ca. 80’000.- $) (die letzte Grosszügigkeit vor seinem Verschwinden).

Der Tubist Harvey Phillips, der Initiant des Kongresses, hatte vorgesehen, die Veranstaltung in 4-jährigem Turnus zu wiederholen, aber die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Jahre hinderten ihn daran — auch war es bestimmt nicht leicht, eine Stadt und eine Institution zu finden, die sich bereiterklärten, das unvermeidliche Defizit zu übernehmen. (Man sagt, dass der IBC2 ein Budget von $ 200’000.- aufbringt.) Schlussendlich findet der Kongress nun in Bloomington (Indiana University), bei ihm zu Hause, statt. Dort, in einer der grössten Musikschulen der Welt, haben Harvey Phillips und seine Kollegen von den verschiedenen amerikanischen Gilden die notwendige Unterstützung gefunden.

Erste Schwierigkeit:

die geographische Lage. Bloomington ist eine kleine Universitätsstadt, nicht sehr bequem zu erreichen, vor allem vom Ausland her. (New York, Boston, Washington oder Chicago wären einfacher zu erreichen gewesen...) Aber man musste eben mit dem auskommen, was möglich war.

Zweite Schwierigkeit:

das Datum. Die musikalische und schulische Saison der amerikanischen Institutionen ist verschieden von jener anderer Länder, speziell von Europa, wo gerade dann die Zeit der Abschlussprüfungen an den Konservatorien ist und die Konzertsaison noch läuft. Für die USA günstig, wurde die Zeit von 3.-8. Juni festgelegt — verständlicherweise, denn man musste die einheimische Kundschaft bevorzugen. Die amerikanischen Blechbläsergilden sind trotz ihrer internationalen Namen durchaus national und typisch amerikanisch strukturiert und auf die Kriterien dieses grossen Landes zugeschnitten.

Dritte Schwierigkeit:

die Kosten. Die amerikanischen Gilden haben mehrere Sammlungen durchgeführt, die mittels Stipendienerteilung die Teilnahme von Berufsstudenten erleichtern sollen. Die Stipendien werden natürlich in erster Linie an junge Amerikaner erteilt. Die Ausländer müssen ganz aus der eigenen Tasche die Reise (teuer), den Aufenthalt (erschwinglich) und die Teilnahme (vernünftig) berappen.

Ungleichheit

Als unsere amerikanischen Freunde uns mit ihrem Besuch in Montreux beehrten, verfügten sie am Ort über eine amerikanische Organisation, sie hatten günstige Charterflüge organisieren können. Die offizielle Sprache — sogar in Montreux — war amerikanisch.

Die Gilden sind nützlich

Trotz gewisser Schwierigkeiten bei der Gestaltung einer wirklichen Internationalität sind wir dieser Art von Organisationen freundlich gesinnt. Es scheint klar, dass solche Organisationen ihren Beitrag zum Gedankenaustausch und zur Erweiterung der Kenntnisse leisten können. (Man sollte trotzdem bedenken, dass solche instrumentale Freundeskreise der gesunden Konfrontation aus dem Wege gehen — alle Leute sind lieb und nett.)

Auch soll man sehen, dass den amerikanischen Gilden nicht gelungen ist, alle Blechbläser in die Hand zu bekommen wie sie geplant hatten. Der «internationale» Durchbruch ist immer sehr bescheiden geblieben und ist trotz aller Bemühungen wenig repräsentativ. Das ist eine sehr klare Botschaft, die unsere transatlantischen Freunde verstehen sollten.

Ablehnung einer Vorherrschaft

Die Welt ist vielfältig und verschieden, und sie soll es auch bleiben. Dass auf weltweiter Ebene Einflüsse bemerkbar werden, ist positiv, doch müssen wir uns gegen jeden Hegemonieanspruch verwahren.

Glückliche Initiativen

In den letzten Jahren sind in vielen Ländern nationale Vereinigungen gegründet worden. Diese Organisationen tragen klare und legitime Titel (Französische Hornistenvereinigung, französische Posaunengilde, japanische Trompetergilde). Diese Tendenz beobachtet BRASS BULLETIN mit Sympathie und unterstützt sie. Es ist gut, wenn jedes Land, ja jede Region ihre Identität sucht und pflegt und sie auch seinen Künstlern weitergibt. Von dort ausgehend hindert nichts den internationalen Austausch — im Gegenteil.

Trotzdem: die Organisatoren des IBC 2 haben einen fabelhaften Marathon von Ereignissen auf die Beine gestellt, der die Bitterkeit über die Unmöglichkeit der eigenen Teilnahme noch vertieft. (Siehe unten.)

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Brass Bulletin 46, II / 1984 Seiten 9–11

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