Anonymes Porträt von Mr. Crow, Dienstmann der Konzerthalle in Dublin, «Done in the Year 1754», («Gestochen im Jahre 1754»).
Aber ausser ihm ging niemand diesem Geschäft nach, und viele Instrumente waren erhältlich zu oft recht günstigen Preisen. Von der Portobello Road zog er an die King’s Road, der belebtesten Strasse in den 60er Jahren, dann ins West End und schliesslich vor sechs, sieben Jahren nach Hampstead. Von hier aus bereist er die Welt, besucht Auktionen und geht Hinweisen nach, die ihm durch seine Kontakte vermittelt werden.
Drei Ophikleide warten auf ihre Restauration.
Ich interessiere mich für beinahe alles. Von einem gewissen Alter an. Mit sogenannt modernen Gebraucht-Instrumenten handle ich nicht. Ich kann keine genaue Altersgrenze angeben, über den Daumen gepeilt vielleicht 1900. Ich kaufe unter Umständen auch jüngere Objekte, aber es ist nicht, was ich suche.
Er kauft keine Violinen. «Es gibt ohnehin schon zu viele Geigenhändler, und der Bereich ist sehr spezialisiert.» Von dieser Ausnahme abgesehen, ist er an allen westeuropäischen Orchester- und Konzertinstrumenten interessiert und bietet auch einige afrikanische und orientalische Objekte an.
Wenn nötig, schickt er das Instrument einem Restaurator, wobei er sorgfältig darauf achtet, für die spezifische Arbeit den richtigen auszuwählen. «Das meiste, was ich verkaufe, ist spielbar. Aber auf einem 200-jährigen Instrument sollte nicht unbedingt acht Stunden am Tag und sieben Tage die Woche geübt werden; es würde sich zu stark abnutzen.»
Präsentations-Zugtrompete in Sterlingsilber, in der Stürze signiert «ROBINSON BUSSEL & CO/7, Westmorland St. Dublin». Hergestellt um 1840. Stürzendurchmesser 11,3 cm. Länge 59,3 cm. In einem Feld auf der Stürzengirlande graviert «PRESENTED BY/Lieut. Col. Jackson K.H./& the Officers of the Carabineers/ TO TRUMPET MAJOR WM COWEN/ as a mark of their approbation of his/most exemplary conduct during a service of 37 Years in the Regt./NOVR 1840.»
Kornett aus Messing mit drei Pistonventilen (Typus Perinet) mit verzierter Girlande und Zubehör. Signiert «E. COURTOIS JNE RUE BICHAT 8 BIS PARIS.» Hergestellt um 1850.
Kornett aus Messing mit drei Pistonventilen (Typus Perinet). Signiert «DISTIN & CO’S/Patent Light Valve/CORNET/APPROVED BY/Levy/MANUFACTORY 9 & 10 GRT NEWPORT ST/LONDON/6401». Hergestellt um 1865.
Kornett aus versilbertem Messing mit drei Pistonventilen (Patent David). Signiert «David Brevete à Paris». Gravur eines «MD»-Monogramms. Hergestellt um 1866.
Kornett aus Messing mit drei Pistonventilen (Typus Perinet). Signiert «HENRY KEAT & SONS/105 & 103/MATTHIAS RD/STOKE NEWINGTON GN/LONDON/N». Hergestellt um 1890.
Wenn Leute davon leben, dass sie auf originalen Instrumenten alte Musik spielen, dann würde ich eine genaue moderne Kopie empfehlen. Die Originale würden dann als Beziehungsobjekte am Leben bleiben. Aber es ist wichtig, dass sie ab und zu von der Wand oder aus dem Schrank genommen und gespielt werden können. In Amerika gibt es zum Beispiel eine Gruppe, die sich Smithsonian Social Orchestra and Quadrille Band nennt. Sie spielt auf originalen Instrumenten Tanzmusik für Blechbläser aus dem 19. Jahrhundert. Aber sie geben nur sechs Aufführungen im Jahr.
Es kommt natürlich vor, dass ein originales Instrument — z.B. eine Ophikleide — billiger ist als irgendeine Kopie. Einen Preis festzusetzen, ist ohnehin immer schwierig. «Es hängt damit zusammen, was ich selbst bezahlt habe und für wieviel ich das letzte Exemplar verkauft habe. Es ist klar, dass man manchmal enorme Summen bezahlen muss, nur um etwas überhaupt zu erhalten, und der Gewinn wird sehr klein.»
Tony denkt gerne daran, dass seine Dienstleistung sozusagen einmalig ist. Einige seiner sehr wenigen Konkurrenten sind in Ländern tätig, wo sie wegen der Zölle Schwierigkeiten haben, was bei ihm nicht der Fall ist. Er versucht zudem, so ausführliche Expertisen wie nur möglich zu erstellen, indem er die Instrumente erforscht und Dinge herausfindet, die nicht in den Büchern stehen. Er stellt für sich selbst folgenden Anspruch: «Ich bin zuverlässig. Die Leute können von mir Instrumente kaufen, ohne sie zuerst gesehen zu haben, und dennoch sicher sein, dass sie etwas Erstklassiges bekommen.»
Naturhorn aus Messing, Innenseite der Stürze bemalt, auf der Stürzengirlande signiert «COURTOIS FRERE RUE DU CAIRE A PARIS». Hergestellt um 1815.
Kürzlich hat er für seine Blechbläser-Kundschaft einen reich illustrierten und sehr informativen Katalog zusammengestellt, der es zu einem gewissen Grad unnötig macht, dass entfernte Käufer «blind» kaufen müssen. Die 36 Seiten starke Broschüre beinhaltet Photographien, ausführliche Beschreibungen und die Geschichte von 45 Instrumenten, sowie Reproduktionen von interessanten Stichen von Blechbläsern, vorwiegend aus dem 16. Jahrhundert. (Er besitzt eine eigene Sammlung von Stichen, und wie jeder gute Sammler verkauft er die Duplikate davon.) Das älteste und bei weitem teuerste (£ 14 500) Instrument im Katalog ist ein Tenor-Kornett aus lederbezogenem Holz mit Silber-Fassung, Silberklappen und Hülle, hergestellt im 17. Jahrhundert in Deutschland. Ein weiteres Instrument, das ihn sehr begeistert, ist eine Präsentations-Zugtrompete aus Sterlingsilber in ihrer originalen Hülle; Herstellung: Dublin um 1840.
Er handelt auch mit Nachschlagewerken zu den Instrumenten, die er verkauft, und versucht, alles auf seinen Regalen zu sammeln, was im Druck ist. Er besitzt auch einige vergriffene Bücher, die schwierig zu finden und deshalb teuer sind.
Das doppelstürzige Euphonium Distin.
Allgemeine Ansicht des grossen Ausstellungsraumes.
Als ich nach meinem Besuch den Weg zwischen den Kornetten, den corni da caccia, den Harfen und Cembali hindurch suche, ist Tony schon wieder von einer Anschaffung absorbiert, die ihn diese Woche bereits einmal ins Ausland führte — wieder ein seltenes, altes Objekt für Aladins Wunderhöhle.