Über den Anpressdruck des Mundstückes auf die Lippen des Hornbläsers
Abschlussarbeit in Fachmethodik
Von Edgar Bürger
Vorwort
Als ich im Herbst des Jahres 1977, in Augsburg an der Fachakademie für Musik, anfing Horn zu studieren, tauchten in Fachkreisen Gerüchte auf, über «Wunderhornisten» (vornehmlich aus Amerika), die, angeblich völlig ohne Mundstückdruck, spielen könnten. Mit diesem Ausdruck ist die Kraft gemeint, mit der das Hornmundstück auf die Lippen des Bläsers gedrückt wird, hervorgerufen durch ein Herziehen des Horns mit dem linken Arm. Mein damaliger Lehrer, Herr Georg Schmiedt aus Augsburg, sagte immer, daß er das nicht glauben könne, einen gewissen Druck brauche jeder Hornist, zumindest soviel, um ein Abdichten zwischen Mundstück und Lippen zu gewährleisten. Fast die gleiche Meinung vertritt mein jetziger Lehrer, Herr Professor Gottfried Langenstein aus Würzburg.
Allerdings ist zu sagen, daß es tatsächlich Hornisten gibt, die ihr Instrument zum Beispiel auf ein Klavier legen und ohne es mit den Händen zu berühren, also praktisch ohne Anpresskraft, ein c-3 blasen können. (Ich habe gehört, daß zum Beispiel Herr Peter Damm aus der DDR dies fertigbrächte). Nun ist aber ein einzelner Ton keine Orchesterstelle, viel weniger noch ein ganzes Konzert. Auch glaube ich, daß ein solcher Ton weder voll und rund klingt, noch im Fortissimo geblasen werden kann. Ich habe mir folgende Hornschulen angesehen, um zu erfahren, was hier über den Anpressdruck gesagt wird:
- Große Hornschule von Hermann Neuling (keine Angaben über Anpressdruck)
- Waldhornschule von Oscar Franz (keine Angaben über Anpressdruck)
- Schule für Horn von Fritz Huth (keine Angaben über Anpressdruck)
- Schule für Waldhorn von Otakar Tvrdý und Vladimír Kubat (keine Angaben über Anpressdruck)
- Hornschule von Michael Höltzel (Herr Professor Höltzel schreibt folgendes: «Übermäßiger Armdruck ist mit Lippen-und Mundmuskulatur, sowie mit Zwerchfellstütze zu vermeiden.»)
- Die Kunst des Hornblasens von Philip Farkas. Die Kunst der Blechbläser von Philip Farkas. (Herr Professor Farkas ist einer der wenigen Lehrer, der sich wirklich ausführlich mit dem Problem des Anpressdrucks beim Hornblasen beschäftigt hat. Es wäre zuviel, an dieser Stelle seine gesamten Schriften über dieses Thema zu zitieren. Hier eine kurze Zusammenfassung: «Etwas Druck beim Hornspielen ist unvermeidlich. Er sollte jedoch möglichst niedrig gehalten werden, da der Bläser sonst zu schnell ermüdet und die Lippenmuskulatur Schäden davontragen könnte.»)
Nun wird über diesen Druck zwar geredet und geschrieben, aber was ist «viel Druck» und was ist «wenig Druck»? Seit Beginn meines Studiums mache ich mir Gedanken, ob es nicht möglich wäre, diese Kraft auf irgend eine Art und Weise sichtbar zu machen. Nun ist es mir gelungen, ein Gerät zu entwickeln und selber zu bauen, das ziemlich genau (in Pond) anzeigt, wieviel Kraft gebraucht wird, um gewisse Tonhöhen, Tonstärken, Bindungen und Staccatoübungen auf dem Horn zu spielen. Ich habe nun ein Testblatt entworfen, das praktisch den ganzen Tonumfang des Horns, die Lautstärkegrade und einige Effekte des Instruments beinhaltet. Mit meinem Gerät und dem Testblatt habe ich nun die verschiedensten Personen (Lehrer, Studenten, Anfänger) getestet und die Ergebnisse in Form von Diagrammen ausgewertet. Aus diesem Grund habe ich folgende Hochschulen aufgesucht: Hochschule für Musik Köln, Hochschule für Musik München, Hochschule für Musik Würzburg. Sinn und Zweck dieser Messungen war es, Vergleichswerte zu erhalten und somit Rückschlüsse auf eventuelle Auswirkungen von zu hohem oder zu niederem Ansatzdruck ziehen zu können.
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