Die Geschichte der grossen York-Hirsbrunner Tuba
aus der Sicht des Instrumentenbauer
Vor gut 10 Jahren begannen wir die Zusammenarbeit mit unserer USA-Vertretung. Unsere Partner in den Staaten hatten richtig herausgefunden, dass in den letzten Jahrzehnten auf dem Gebiet der Tuben praktisch keine Weiterentwicklung mehr stattgefunden hatte. Seit dem 2. Weltkrieg sind speziell in den USA bekannte Hersteller von Tuben verschwunden, obschon sie sehr gute Instrumente herstellten.
Wir begannen also vor 10 Jahren eine enge Zusammenarbeit mit amerikanischen Profi-Tubisten, um neue, den heutigen Anforderungen der Profis entsprechende Instrumente zu entwickeln. Wir haben viel Zeit und Geld in diese Versuche investiert, und es dauerte 4 Jahre bis wir Modelle auf den Markt bringen konnten, die wirklich den Anforderungen und Wünschen von heute entsprachen.
Seit 7 Jahren besuche ich regelmässig die Tuba-Symposien und diskutiere mit Dutzenden von Tubisten über deren Vorstellungen und Ideen. Speziell in den USA kam daher immer und immer wieder ein Modell einer Tuba zur Sprache, das heute leider nicht mehr hergestellt werde. Ich weiss nicht mehr, wie oft ich hören musste:
«Deine Tuben sind wunderbar, aber die grosse York von Arnold Jacobs in Chicago ist immer noch unerreicht».
Es sollen nur zwei solche gebaut worden sein. Ich erklärte also diesen Musikern, sie möchten mir doch eines dieser Instrumente zur Verfügung stellen und ich wolle ihnen beweisen, dass wir auch heute noch in der Lage seien, solche Tuben herzustellen. Die Antwort war immer wieder:
«Ja das haben schon verschiedene Firmen versucht, aber es ist nie etwas Gescheites dabei herausgekommen».
Im Sommer 1979 hatte ich das Vergnügen, Herrn Arnold Jacobs anlässlich einer Schweizer Tournee des Chicago Symphony Orchestras in Sumiswald zu Gast zu haben. Er war von unserem Betrieb beeindruckt, und ich glaube, dass dieser Besuch den Ausschlag gab und Arnold Jacobs soviel Zutrauen fasste, dass er eines seiner Instrumente zur Verfügung stellte, damit eine Nachbildung hergestellt werden konnte. Ich verstehe die Angst, welche jeder Musiker hat, wenn etwas an seinem Instrument repariert werden muss, glaubt er doch, dass das Instrument nachher nicht mehr gleich klingt. Wenn ich mir überlege, welche fürchterlichen Reparaturarbeiten ich gesehen habe, die von sogenannten Reparateuren in den USA ausgeführt wurden, so verstehe ich diese Angst voll und ganz. Nur ein Instrumentenbauer, der sein Handwerk von Grund auf beherrscht, ist in der Lage, solche Revisionen auszuführen und dem Musiker wirklich wieder sein Instrument zurückzugeben.
Es ging mir also einmal darum Herrn Jacobs eine total revidierte Tuba zurückzugeben, die technisch und musikalisch wieder neuwertig war, und ausserdem konnten wir bei dieser Gelegenheit das Instrument ausmessen, die genaue Abwicklung aufzeichnen und eine einzelne Nachbildung herstellen.
Dazu muss ich erläutern, dass vor über 55 Jahren die hydraulische und mechanische Herstellung von Tuba-Rohrteilen absolut unbekannt war. Alle Teile waren also aus der flachen, relativ dünnen Blechtafel zugeschnitten und zu Rohren geformt worden. Diese Rohre wurden zum Biegen mit Blei gefüllt und in mühsamer Handarbeit von routinierten Fachkräften in die gewünschte Form gebogen. Wenn wir also eine exakte Kopie dieses Instrumentes haben wollten, das die gleichen Eigenschaften haben sollte in Aussprache und Klang, so mussten wir die Kopie nach derselben Methode herstellen. Diese Arbeit war für mich zur Prestige-Angelegenheit geworden, und ich setzte alles Wissen und Können meiner besten Leute und mein eigenes ein, um zu beweisen, dass wir noch Instrumentenbauer sind.
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