Im Folgenden schreibe ich in der ersten Person. Obwohl ich meine ureigenen Ideen niederschreibe, versuche ich objektiv zu sein.
Die erste Oktave
Ich nenne erste Oktave diejenige, die vom Grundton (offenen Pedalton) zum 2. Naturton (tiefen C) reicht. (Zur Vereinfachung werde ich mich stets auf die C-Tuba beziehen; selbstverständlich können sämtliche Angaben auf Tuben anderer Tonarten übertragen werden). Mir scheint unbedingt notwendig, dass eine Tuba die Möglichkeit bietet, chromatisch und richtig vom tiefen C hinunter zum Pedal-C zu spielen, und zwar ohne die Klangqualität für die Intonationsreinheit, oder umgekehrt, zu beeinträchtigen.
Dies ist auf verschiedenen Wegen erreicht worden. Besson hat vor etlichen Jahren ein Kompensationsventilsystem geschaffen, das eine gewisse automatische Korrektur bei jeder Ventilkombination, einschliesslich dem vierten, beifügt. Dieses System erlaubt es dem Bläser, mit nur vier Ventilen bis zum Pedal chromatisch zu spielen, und sich normaler Fingergriffolgen zu bedienen. (Aus unerklärlichem Grund waren auf jedem Besson-Instrument, das ich gespielt habe, die Kombination 1-4 — Tenor-B, F, Es und C — zu tief; der Kompensationszug des ersten Ventils musste verkürzt werden). Hier ist nicht der Ort, Vor- und Nachteile der Besson-Tuben zu besprechen. Das System funktioniert. Ich möchte nur hinzufügen, dass die für das Funktionieren des Kompensationssystems notwendige zusätzliche Länge des Ventils eher störend ist.
Kein anderes System mit vier Ventilen vermag es, eine vollständige chromatische Tonalität und eine ausreichende Intonationsreinheit zwischen dem tiefen C und dem Pedal zu erzeugen. Indem die Instrumentenmacher symbolische Veränderungen der Länge der Ventilzüge einführten, haben sie versucht, ein befriedigendes Vier-Ventil-System herzustellen; es ist ihnen dabei lediglich gelungen, die Probleme zu verlagern. Um auf einem normalen Vier-Ventil-System ohne übertriebene Kompromisse zu spielen, müsste man von Note zu Note die Länge der Züge bis zu 30 cm verändern — kaum annehmbar für eine normale Ausführung. Das tiefe Des und das Cis sind ausserdem unmöglich.
Ich bin mit den meisten Tubaherstellern, mit denen ich gesprochen habe, einverstanden: zahlreiche Probleme werden vermieden, wenn man eine Tuba mit so wenigen Ventilen wie möglich herstellt. Gewiss ist, dass vier nicht ausreichen (es sei denn, es bestünde irgendein Kompensationssystem). Sechs sind zuviel, damit sind die meisten Musiker und Instrumentenmacher einverstanden. Meiner Meinung nach ist die Tuba mit fünf Ventilen die Lösung.
Die meisten Tubahersteller, die auf dem heutigen Markt in Frage kommen, stellen Tuben mit fünf Ventilen her. Alle können, in der Intonation befriedigend bis zum offenen Pedal, chromatisch richtig gespielt werden. Die Bestimmung des fünften Ventils ist unterschiedlich je nach Ausführendem und Hersteller. Ich habe die Mehrzahl dieser Systeme ausprobiert und entdeckt, dass sie alle bis zu einem gewissen Punkt funktionieren.
Das Auffallende an einer Tuba mit fünf Ventilen ist ihre Unfähigkeit, vollends sauber zu spielen, ohne Manipulation der Züge. Eingedenk dieser Tatsache sollte man zweierlei in Betracht ziehen: die Ökonomie der Bewegungen und den musikalischen Strom. Im Folgenden schlage ich ein System vor, das ich in den letzten zehn Jahren angewandt habe, und das meiner Meinung nach die Handhabung der Züge und die musikalische Zerstreuung auf ein Mindestmass reduziert.
Die Rolle des fünften Ventils betrifft einzig die Kompensation für die Intonationsreinheit in den tiefen Lagen. Das Ventil wird bei eingezogenem Zug eingestellt: 33 cents höher als As oder Gis (für die C-Tuba) oder ein Sechstelton höher als die Kombination 2-3. Dank einem Daumenhebel kann der Zug um ca. 6,35 cm (2½ inches) mit wenig Anstrengung verlängert werden.
In «geschlossener» Lage (siehe Abb. 1) können Cis, Des und Fis oder Ges (Musikbeispiel I) mit den Kombinationen 1-2-5 gespielt werden, was das vierte Ventil für kompromisslose D und G freilässt (Musikbeispiel II). In «geschlossener» Lage kann folgendes gespielt werden: Ges, Fis, Es, Dis und Des, Cis (Musikbeispiel III). In «offener» Lage (siehe Abb. 2) können E und D (Musikbeispiel IV) gespielt werden. Bleibt F (Musikbeispiel V), das mit «halboffenem» Zug, etwa 2 cm (¾ inch), gespielt wird (siehe Abb. 3).
Es muss irgendein Gummiring auf dem Zug vorgesehen werden, um den metallischen Ton zu vermeiden, wenn der Zug zuklappt, ebenso irgendein Anschlag zur Verhinderung, dass der Zug zu weit herausspringt. Vor- und Nachteile der Bedienung des fünften Ventils mit dem linken Zeigefinger oder dem rechten Daumen bespreche ich im nächsten Abschnitt, der von den mechanischen Anforderungen handelt.
Das Fünf-Ventile-System ist in hohem Masse leistungsfähig und verhältnismässig einfach zu handhaben. Ich empfehle es jedem Musiker oder Instrumentenmacher, der die Kompensationsprobleme der Intonation in den tiefen Lagen verringern möchte.
Mechanische Anforderungen
Der erste Eindruck, den ein neues Instrument hinterlässt, ist ein gefühlsmässiger: fühlt es sich in Spiellage stabil an, fühlt sich der Bläser wohl? Sind die Züge vernünftig angelegt?
Eines Tages habe ich auf einer sehr schönen tschechischen Tuba gespielt: es war unmöglich, sie in einer bequemen Spiellage zu halten, ohne die Stimmzüge mit dem rechten Schenkel zuzudrücken. Gegen waagerechte Stimmzüge gibt es einen ausgezeichneten Grund: je weniger Windungen der vibrierenden Luftsäule zugemutet werden, desto besser. In senkrechten Stimmzügen gibt es weniger Windungen, aber es ist unmöglich, das Instrument zu spielen, ohne dass die Schenkel die Stimmzüge bis zum Anschlag zudrücken — was unsinnig ist.
Ich erwähne das nur, um hervorzuheben, was geschehen kann, wenn grundlegende Prinzipien vernachlässigt werden. Sicherheit und Stabilität des Instruments sind wesentliche Punkte bei der Planung einer guten Tuba. Ist das Instrument in Spiellage ausbalanciert? Bleibt die rechte Hand frei für die Handhabung der Ventile?
Mir scheint, dass ein Instrument am sichersten ist und die rechte Hand am freiesten bleibt, wenn der linke Arm durch die Vorderseite des Instruments geführt wird und die linke Hand sich ungefähr dort befindet, wo sich die Hauptröhre mit dem Schalltrichter kreuzt. Das ist besonders wichtig in schnellen technischen Partien, weil dann die rechte Hand von jeder anderen Aufgabe entlastet ist.
Freilich erhebt sich dann die Frage, wie das fünfte Ventil und sein Kompensationszug bedient werden sollen. Viele Instrumente werden heute mit einem fünften Ventil gebaut, das mit dem rechten Daumen bedient wird. Das ist bis zu einer gewissen Geschwindigkeit akzeptabel; darüber hinaus wird der Daumen zu langsam, und der linke Zeigefinger ist deutlich effizienter.
Die Lösung ist einfach: ein fünftes Ventil, das sowohl mit dem rechten Daumen als auch mit dem linken Zeigefinger bedient werden kann. Mirafone hat dies bereits realisiert, mit einer sehr einfachen Konstruktion und leichtem Material, sodass der Unterschied im Spielgefühl kaum wahrnehmbar ist.
Die Handhabung des Zuges des fünften Ventils bleibt unabhängig davon gleich. Das beschriebene Hebelsystem ist besonders effizient: um den Zug um 6 cm zu verlängern, muss der Daumen nur etwa 2,5 cm bewegt werden, und die Stabilität des Instruments bleibt weitgehend erhalten.
Die Tonlage, in der der Kompensationszug benötigt wird (erste Oktave), ist meist nicht so technisch, dass die linke Hand zwingend vorne bleiben muss.
Mechanische Fragen des Tubaspiels führen zwangsläufig zur Diskussion über Drehventile und Pumpventile. Heute sind die meisten Drehventile gut. Hirsbrunner hat durch Experimente besonders leichte Ventile entwickelt, indem der Zylinder mit Kunststoff gefüllt wird (ca. 40% Gewichtsreduktion). Dennoch spüre ich persönlich keinen Unterschied — möglicherweise liegt das Problem eher in Verbindung oder Feder.
Leichtere Ventile sind jedoch unerlässlich. Ich persönlich bevorzuge Pumpventile. In Artikulation und Geschwindigkeit habe ich noch kein Drehventil gesehen, das mithalten kann. Conn hat auf seiner letzten C-Tuba die besten Pumpventile gebaut, die ich je gespielt habe: leicht, schnell und geräuschlos.
Ich möchte jedoch nicht behaupten, dass dies Hersteller wie Mirafone oder Alexander beeinflussen sollte — vielmehr hoffe ich, dass sie ihre Drehventile weiterentwickeln.
Zwei Gründe sprechen für mich gegen senkrechte Pumpventile: sie sind schwer zu halten, und die Richtung des Schalltrichters beeinflusst viele Spielsituationen ungünstig. Selbst bei Tenortuben entstehen Probleme. Yamaha könnte mit Frontaction noch bessere Instrumente bauen.
Akustische Vorbedingungen
Die akustischen Probleme der Tuba sind die schwierigsten. Sie lassen sich leicht benennen, aber schwer lösen. Man kann sie in drei Kategorien einteilen: Intonation, Schwund der vibrierenden Luftsäule und deren Verzerrung. Hinzu kommt die Klangfarbe.
Die Intonation ist das offensichtlichste Problem. In den letzten Jahren wurden grosse Fortschritte gemacht. Hirsbrunner verdient besondere Anerkennung.
Die chronische Verwendung von Hilfsgriffen und Zugmanipulationen im mittleren Register ist nicht akzeptabel: sie verändern die Klangfarbe und stören den musikalischen Fluss.
Der 5. Naturton ist naturgemäss etwas tief — aber nicht so stark, wie manche Instrumente zeigen. Gute Trompeten und Hörner beweisen, dass dieses Problem beherrschbar ist.
Ein weiteres Problem ist die Klangzerstreuung: einzelne Töne wirken matt oder «gehaucht». Analysen zeigen, dass Obertöne verschwinden und der Grundton instabil wird. Abhilfe schafft oft nur ein anderer Naturton (anderer Griff).
Klangverzerrung zeigt sich als unkontrollierbares Zittern, besonders bei Attacken oder Staccato («rrrr»). Wenn es nur einzelne Töne betrifft, liegt es meist am Instrument.
Versuche mit verstärkter Tuba zeigen: diese Verzerrung ist strukturell im Klang vorhanden, nicht im Ansatz.
Leider kann ich keine endgültige Lösung anbieten. Wir müssen jedoch moderne Technologien nutzen, um innerhalb des Instruments genau zu analysieren, wo diese Probleme entstehen.
Die grösste Schwierigkeit bleibt die Klangfarbe — der persönlichste Aspekt des Spiels. Dennoch ist sie weniger problematisch als Intonation oder Verzerrung.
Ein ideales Instrument für Orchester und Kammermusik zugleich existiert kaum — Kompromisse sind nötig.
Arnold Jacobs sagte einmal: Wir besitzen zwei Tuben — die in unserem inneren Ohr und die reale. Diese Vorstellung ist nur sinnvoll, wenn beide sich annähern.
Grundsätzlich wünsche ich mir einen stabilen Grundton und eine gleichmässige Obertonstruktur über alle Register und Dynamiken hinweg. Extreme sollten vermieden werden.
Der Schalltrichter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Grösse, Material, Form und Verarbeitung beeinflussen den Klang erheblich. Entscheidend ist jedoch die Abstimmung mit dem gesamten Instrument.
Leider ist eine nachlassende Qualitätskontrolle bei manchen Herstellern zu beobachten. Dies ist besorgniserregend und darf nicht akzeptiert werden.
Typische Probleme sind: schlechte Passungen, schlecht ausgerichtete Ventile, mangelhafte Lötstellen oder vibrierende Schalltrichter. Einige Musiker lassen neue Instrumente sogar röntgen.
Auf der anderen Seite gibt es vorbildliche Hersteller: Hirsbrunner, Mirafone, Cervény, Conn und Yamaha.
Sollte dieser Artikel dazu beitragen, klare Kriterien zu formulieren, wäre ich sehr zufrieden. Sobald wir uns einig sind, können wir uns wieder dem widmen, worum es eigentlich geht: der Musik.