Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1981–2026
Arnold Jacobs
Interview
Von Roger Bobo
Dass Arnold Jacobs einer der ersten grossen Tubisten der Welt war, dürfte manch einer als Untertreibung empfinden. Sein Spiel im «Chicago Symphony Orchestra» dient nun schon seit über einem Vierteljahrhundert Dirigenten, Kollegen und Studenten als Vorbild für symphonisches Tubaspiel. Als Lehrer ist er bekannt für seine umfassende Kenntnis der physiologischen Grundlagen bläserischer und vokaler Interpretation. Seine Schüler — Bläser aller Disziplinen und Sänger — sind heute in aller Welt zu finden. (RB)
Roger Bobo: Frage: Wenn Sie eine kurze Botschaft an die Blechbläserwelt richten könnten, was würden Sie sagen?
Arnold Jacobs: Ich würde den Schwerpunkt ganz entschieden auf die Klänge legen, die ja für die Blechbläser so interessant sind, in Kenntnis der Neigung, sich derart intensiv mit seinem Blechblasinstrument zu beschäftigen, dass man darob die Musik vergisst, die man darauf spielen soll. Wie wichtig das Instrument auch sein mag, so ist es im Grunde doch nur ein «Verlängerungsstück der Persönlichkeit», das nicht so besitzergreifend werden sollte, dass man nur noch an seine «Haken» und seine Mundstücke denkt. Die Musik, die man darauf macht, muss wirklich den Vorrang haben.
R. B.: Wenn Sie unterrichten, wie differenzieren Sie da zwischen ihren Schülern?
A. J.: Man muss mit dem Schüler sprechen und sich über seine Motive klar werden. Wenn Sie einen Schüler haben, der dazu neigt, sehr mechanisch zu denken und sich darein verbohrt, ein Instrument wie die Tuba zu spielen, dann werden sehr oft seine Gedanken um das Instrument kreisen: um Fingersätze, um Gewebestückchen, Ansatz, Atmungssystem, Zunge — und sehr oft ist dann die Musik Nebensache. Darauf verwendet er dann vielleicht 15% seiner geistigen Kapazität und Konzentration, und 85% ist bei der Technik.
Ich kehre das Verhältnis lieber um: 85% für das Phänomen des Klangs, das inspirationsmässiges Denken erfordert, auf den intuitiven Aspekten des Geistes beruht, und 15% für das Bewusstsein von Strukturen und Funktionen aller Art, einschliesslich des Instrumentes. Gewöhnlich stellt man fest, dass eine Person, die gerne singt, viel leichter zu dieser Einstellung zum Instrument gebracht werden kann. Das ist eine überaus gesunde Einstellung zu jedem Blechblasinstrument.
Wenn sich ein Schüler viel mehr für die «Rezepte» eines Spielers, für die mechanischen Grundlagen interessiert, so ist das ein bisschen gefährlich, wenn er nicht auch die Inspiration hat, um grossartige Musik zu machen.
Weiterlesen
Zugang zum vollständigen digitalisierten Brass Bulletin Archiv • CHF 5.– / Monat · jederzeit kündbar