Hier ist besonders das Schallstück wichtig, eine relativ starke Öffnung gegen die Wölbung hin, die einen entsprechend guten Becherdurchmesser bewirkt, erlaubt große klangliche Unterschiede. Gewiss gibt es auch hier Gegensätze der Auffassung bei Musikern. Aber innerhalb eines gewissen Bereiches stimmen sie überein.
Die dreiventiligen Instrumente gaben starke Probleme der Intonation auf, heute stehen für professionelle Ansprüche Instrumente zur Verfügung, die praktisch allen Anforderungen gerecht werden. Leider sind sie jedoch so teuer, dass sie für die Studenten meist unerschwinglich bleiben.
Und es sieht nicht so aus, als ob sie billiger würden, denn der Arbeitsaufwand ist groß und nur erfahrene Spezialisten können dafür verpflichtet werden. Am ehesten ließe sich Intonation durch einen Zug korrigieren, der an geeigneter Stelle angebracht, auf die Gesamtlänge des Instrumentes wirkt. Dafür sind Neukonstruktionen nötig, und das ist das Hindernis auf Seiten der Hersteller. Schon vor 5 Jahren hat die Willson-Band-Instrumenten Company eine CC-Tuba nach diesem Konzept gebaut und in der Zeit seither weiter verbessert. So wurde der Intonationszug auf die linke Seite des Instrumentes versetzt und der Zug selbst konisch gestaltet. Das hat die Beweglichkeit bei der Ansprache ganz erheblich verbessert und die Funktion des Intonationszuges dem Optimum nahegebracht.
Die Tuba selbst ist im Korpus relativ weit gebaut und hat vier anatomisch richtig angeordnete Ventile mit einer Bohrung von 18 oder 20 Millimeter. Diese CC-Tuba eignet sich vielleicht weniger für große Orchester, dafür aber als Solo-Instrument und für kleine Ensembles, denn sie ist ungewöhnlich beweglich in der Ansprache und Tonmodulation. Die Intonation darf man als perfekt bezeichnen, und der vierte Zug ist für 2½ oder 3 Tonintervalle konstruiert. Diese Spezialtuben werden ebenfalls mit extra großen Bechern geliefert.
Das Instrument hat sich so gut bewährt, dass auch BB- und F-Tuben gebaut werden.
Um die Erfahrungen auch für das Euphonium nutzbar zu machen, war großer Aufwand nötig. Gemeinsam mit hervorragenden Musikern wurden die Pläne für ein vierventiliges Euphonium besprochen, das nur mit der rechten Hand allein in Funktion gehalten wird. Die linke Hand bleibt dabei für den inzwischen bekannten Intonationszug frei. Dadurch sind drei Probleme des Euphoniums wenigstens entschärft oder behoben: die anatomisch richtige Konstruktion der vier kompensierenden Ventile verbessert die Haltung und den Spielkomfort wesentlich. Das vierte Ventil kann jetzt mit einer Hand genauer und leichter betätigt werden, als das bei der seitlichen Anordnung mit zwei Händen möglich war.
Das braucht zunächst Gewöhnung, aber später werden die Vorteile deutlich. Die neue Konstruktion lässt die linke Hand frei für die Betätigung des Intonationszuges; beim seitlich angebrachten vierten Ventil musste der Bläser den Arm um das Instrument legen, damit das Ventil erreicht werden konnte. Jetzt sind Stimmkorrekturen im Zusammenspiel mühelos möglich; wir konnten feststellen, dass dank dieser Instrumentenhaltung der Lippendruck wesentlich abnimmt. Das lästige Ausfließen des Kondenswassers aus den Ventildeckeln kommt bei diesen Instrumenten nicht mehr vor; trotz der vielen Kompensationsbögen kann das Wasser durch eine eigene Klappe säuberlich entleert werden.
Das neue Euphonium von «Willson» umfasst vier Oktaven, alle Töne sind in der Intonation rein und perfekt, und bei tiefen Pedaltönen bereiten leichte Korrekturen keine Mühe. Beim Euphonium wie bei den Tuben dieser Bauart befinden sich die Schallstücke, gleich wie bei den Zylinderinstrumenten, vom Bläser aus gesehen auf der linken Seite. Wir sind überzeugt, dass die Verwendung mehrerer Instrumente mit der gleichen Konstruktion wegen der Abstrahlung in die nämliche Richtung zu empfehlen ist.
Wieder einmal hat die Zusammenarbeit von profilierten Künstlern und einem technisch neuzeitlich orientierten Unternehmen wesentliche Verbesserungen an Instrumenten möglich gemacht. Wir hoffen, dass sich auch konservative Bläser neu orientieren werden.
Willy Kurath
Geboren 1929. Beginnt mit 12 Jahren Musikunterricht, und mit 15 Jahren eine Instrumentenmacher-Lehre bei seinem Onkel, Ernst Giger in Winterthur. Gründung eines Reparaturbetriebes für Blasinstrumente. 1954 Neubau und Vergrößerung des Betriebes. 1970 Neubau der heutigen «Willson»-Musikinstrumentenfabrik in Flums. Direkte Kontakte in USA, Kanada, Deutschland, Belgien, Holland, mit erfahrenen Blechbläsern. Seit vielen Jahren Tubist bei verschiedenen Bands, und aktiv bei der Brass Band Graubünden.