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Kurze Geschichte des Euphoniums in Nordamerika

Terminologie, Bohrung und Besetzung des Euphoniums verändern sich zwischen Europa und Amerika, von Sax und Conn bis Gilmore, Sousa und Fennell.
Kurze Geschichte des Euphoniums in Nordamerika

Dr. Reifsnyder ist Dozent an der Universität des Staates Indiana in Terre Haute (USA). Als Euphoniumbläser war er Mitglied des Blasorchesters der US-Militärakademie in West Point und Solist bei der Goldman Band in New York. Seiner Doktorarbeit für die musikwissenschaftliche Fakultät der Indiana University in Bloomington, «Wandlungen in der Rolle des Euphoniums in der zeitgenössischen Blasorchestermusik», entstammt der folgende Beitrag.

Seit Beginn seiner Entwicklung ist das Euphonium Gegenstand grosser Begriffsverwirrung gewesen. So sind in den USA die Namen tenor, baritone horn, euphonium und Bb bass zu verschiedenen Zeiten für Instrumente in derselben Stimmung verwendet worden¹. Ein kurzer Blick auf die verschiedenen Stationen der Geschichte des Euphoniums in Europa mag diese Konfusion erklären.

Erster belegter Vorfahre des modernen Instrumentes ist die Tenortuba, eingeführt im Jahre 1838 von Moritz zu Berlin², einem Mitarbeiter Wilhelm Wieprechts (1802-1872), des berühmten preussischen Kapellmeisters. Moritz konzipierte das Instrument als Ersatz für die mit Klappen versehene Ophikleide in B-Bass-Stimmung, womit Wieprechts Kapelle nunmehr in allen Registern des Blechs mit Ventilinstrumenten ausgerüstet war.

Eine noch wichtigere Gestalt unter den frühen Blechblasinstrumentenbauern war Adolphe Sax, der um 1840 eine vollständige Familie von Blechblasinstrumenten herstellte. Seine «Saxhörner» umfassten sieben konisch gebohrte Instrumente in sechs Stimmungen³:

— petit saxhorn in Es
— saxhorn soprano in B
— saxhorn alto in Es
— saxhorn baryton in B
— saxhorn basse in B
— saxhorn contrebasse in Es
— saxhorn contrebasse in B

Von grösster Bedeutung ist die Tatsache, dass er gleich zwei Instrumente in B-Bass-Lage baute, was nicht wenig zur Begriffsverwirrung beitragen sollte.

In Frankreich konnte Sax schliesslich ein beinahe absolutes Monopol in der Ausrüstung militärischer Blechregister erlangen. Spätestens 1854 waren alle sieben Saxhörner integrierende Bestandteile der französischen Kapellen und sind es mit nur geringfügigen Modifikationen heute noch. Die beiden Instrumente in Basslage wurden B-baryton (kleinere Bohrung) und B-basse (grössere Bohrung) genannt, und spätestens 1867 waren die französischen Infanteriekapellen mit zwei Stück der ersteren und fünf der letzteren versehen⁴.

In Deutschland wurde das Prinzip der zwei Bassinstrumente alsbald übernommen, doch entstammten die meisten Instrumente deutschen Werkstätten, was zu einer abweichenden Terminologie führte: das weiter gebohrte Instrument wurde Bariton, das engere aber Tenorhorn genannt. Um 1867 enthielt die typische preussische Kapelle vier Tenorhörner und zwei Baritone⁵.

In England wiederum wurde, wie in Frankreich, das engere Instrument als baritone horn, das weitere aber als euphonium bekannt. Letzteres ging auf einen Instrumentenmacher namens Sommer aus Weimar zurück, der in England mit einem Instrument auftrat, welches er an der English Exposition von 1851 als «Euphonium» vorgestellt hatte⁶. Obwohl Sommers Instrument in England nie in Gebrauch kam, wurde der Name von englischen Instrumentenbauern übernommen. 1859 wurde die Bohrung des Instrumentes durch Phasey, Professor für Euphonium und Baritonhorn an der Kneller Hall, vergrössert, wodurch es annähernd die Grösse des heutigen englischen Euphoniums erreichte⁷.

Als dann Instrumente dieses Typs in Amerika hergestellt wurden, entlieh man die Terminologie gleich allen drei Ländern. Nicht weniger als vier Instrumente in B-Bass-Stimmung wurden gebaut:

— B-Tenorhorn (deutsch)
— B-Baritonhorn (englisch/französisch)
— B-Euphonium (englisch)
— B-Bass (französisch)

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Brass Bulletin 35, III / 1981 Seiten 13–21

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