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Musik in einer Amerikanischen Grenzsiedlerkommune

Aurora Colony

In einer deutschen Gemeinschaftskolonie im Oregon der Pionierzeit prägten Blaskapellen, Chöre und eigene Kompositionen den Alltag ebenso wie Glaube, Arbeit und Bildung.
Musik in einer Amerikanischen Grenzsiedlerkommune

Die Kolonie Aurora war eine der vielen Siedlerkommunen, welche in den USA des 19. Jahrhunderts blühten. Seit drei Jahrhunderten war Amerika für religiös oder politisch verfolgte Europäer der rettende Hafen gewesen. Politische Freiheit, religiöse Toleranz und das Versprechen unbegrenzten Lebensraumes machten die USA zum «gelobten Land» für neue Hoffnungen, neue Ideen und neue soziale, religiöse und wirtschaftliche Utopien.

Die frühesten amerikanischen Siedlerkommunen beriefen sich auf die Bibel: «Alle gläubig Gewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam und verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie unter alle, je nachdem einer es nötig hatte.» (Apostelgeschichte Kap. III, 44-45). Ein zweiter, späterer Typus von Kommunenwesen, welcher als Reaktion auf den Liberalismus und Individualismus des 19. Jahrhunderts soziale und wirtschaftliche Gleichstellung erstrebte, inspirierte sich am Denken von Rousseau, Saint-Simon, Fourier, Bentham und Marx.

Von den zwei Arten von Utopien waren die religiösen häufiger und in der Regel erfolgreicher. Zu ihnen gehörte auch die Aurora-Kolonie in Oregon, die, wie viele ihrer Art, vor allem aus deutschen Einwanderern pietistischer Prägung bestand. Nachdem die protestantische Reformation ihren Anfang in den germanischen Ländern genommen hatte und nach all den blutigen Religionskriegen auf deutschem Boden war es nicht verwunderlich, dass viele deutsche Auswanderer in Amerika einen neuen Lebensraum ohne fürstliche Edikte und religiöse Intoleranz suchten.

Auroras geistlicher und weltlicher Führer, William Keil, war Preusse und hatte kurz nach seiner Ankunft in den USA ein einträgliches Geschäft aufgegeben, um seiner geistlichen Berufung zu folgen. «Doktor» Keil, gelernter Putzmacher, doch als Prediger und Arzt praktizierend, stellte 1844 in Bethel (Missouri) eine Kommune auf die Beine. Sie bestand aus deutschen Einwanderern sowie einigen abtrünnigen Mitgliedern einer andern Kommune in Economy (Pennsylvanien).

Dr. William Keil, Gründer und Leiter der Aurora-Kolonie. (Oregon Historical Society)

Dr. William Keil, Gründer und Leiter der Aurora-Kolonie. (Oregon Historical Society)

Als im Jahre 1854 die Kolonie Bethel etwa 775 Seelen zählte, verspürte Dr. Keil ein Bedürfnis, die sittlichen Kräfte wiederzubeleben und neuen Zielen zuzustreben. Im Gefolge einer Pioniergruppe gelangten Keil und viele seiner Anhänger 1855 per Planwagentreck in das Washington-Territorium. Auf der Suche nach einem besseren Standort für seine Kommune gelangte Keil im folgenden Jahr nach Aurora im Oregon-Territorium (das 1859 zum Staat wurde), wohin ihm schliesslich rund 550 seiner Anhänger folgten.

Die dezimierte Bethel-Kolonie und die Aurora-Kolonie bestanden unter Keils Führung bis zu ihrer offiziellen Auflösung nach Keils Tod 1877. Die Idee der Kommune wurde aufgegeben, einesteils weil das Prinzip des Gemeinschaftseigentums weniger notwendig und erhaltenswert schien, seit die Kolonie florierte und ihre Kontakte zur Aussenwelt vermehrt hatte, andererseits aber weil Aurora die magnetische Führerfigur Keils verloren hatte¹.

Zur Blütezeit Auroras war die Musik aus dem Leben der Kolonie nicht wegzudenken, und die musikalischen Aktivitäten erregten die Bewunderung fast aller Chronisten der Kolonie. Aurora hatte zwei Blaskapellen, verschiedene Kammermusikensembles und mehrere Chöre, deren jeder verschiedene Funktionen im Rahmen der Kolonie oder ausserhalb erfüllte. Wie ein Historiker schrieb: «Musik war ihnen zugleich Vergnügung und eine Form von Gottesdienst. Man hätte meinen können, dass jedes Mitglied irgend ein Instrument spielen gelernt hatte. Sie stellten eine Kapelle und ein Orchester auf die Beine, die der Stolz Oregons waren.»²

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Brass Bulletin 34, II / 1981 Seiten 13–22

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