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Eine Studie über Intonation in der Musik

Von der Stimmung nach der Obertonreihe bis zu Ventilzug-Korrekturen am Horn wird das Hören von Resonanzen zum verlässlicheren Maßstab als die gleichstufige Stimmung.
Eine Studie über Intonation in der Musik

Im ersten Teil dieser Arbeit haben wir theoretisch begründet, weshalb man sich besser an die reine diatonische Skala hält als an die gleichschwebend temperierte. Der vorliegende zweite Teil möchte einige Methoden aufzeigen, mit deren Hilfe der Instrumentalist diese theoretischen Erkenntnisse in der Praxis anwenden kann.

Vorerst wird der Instrumentalist einmal lernen müssen, die «intonationsmässigen Klangfarben» von den charakteristischen Klangfarben seines Instruments zu unterscheiden. Eine Analogie mag sich in der Malerei finden: die Unterscheidung von farblichen Beziehungen einerseits und dem Einfluss, den die verschiedenen Medien (Wasser- oder Ölfarbe, Leinwand oder Holz) auf diese Beziehungen haben, andererseits.

Diese Fähigkeit wird der Spieler unserer Ansicht nach rascher durch das Instrument (durch Spielen) erlangen als wenn er in der Solfègestunde seine Trockenübungen macht, um das Gelernte nachträglich auf sein Instrument anzuwenden.

Zuerst sollte der Spieler von jedem Ton, den sein Instrument hervorbringt, das «Zentrum» suchen. Das Zentrum eines Tones bedeutet diejenige Frequenz, bei welcher der Ton die grösste Resonanz hergibt. Der Betrag, um den ein Ton ohne Griffwechsel erhöht oder erniedrigt werden kann, ist von einem Instrument zum andern sehr verschieden. Benachbarte Töne sprechen häufig gänzlich verschieden an, und oft sind die Abstände zwischen den Ton-Zentren ungleichmässig.

Es ist von grösster Bedeutung, dass der Spieler die relative Höhe eines jeden Tones auf dem Instrument kennen lernt, das er eben spielt¹.

Dabei kann er ein Stroboconn oder ein ähnliches Gerät zu Hilfe nehmen, und zwar in der herkömmlichen, vom Hersteller empfohlenen Weise, denn das Stroboconn und andere Stimmgeräte sind alle nach der gleichschwebend temperierten Skala geeicht.

Mit Hilfe des Stimmgerätes muss der Spieler lernen, die Veränderung der Tonqualität zu erkennen, welche eintritt, wenn der Ton um einen bestimmten Betrag nach oben oder unten «getrieben» wird.

Nachfolgend ein praktisches Beispiel, wie ein Lehrer mit seinem Schüler dieses Problem angehen könnte. Beim Horn ist das notierte d unter dem System im Violinschlüssel (Illustration a), mit dem 1. Ventil auf dem F-Horn gegriffen, häufig zu tief.

Die höhere Oktave (Illustration b) wird gewöhnlich mit 1+2 auf der B-Seite gespielt und wird kaum je zu tief. So gegriffene Oktaven bereiten, unabhängig von der Tonart, gerne Schwierigkeiten.

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Mit dem auf «G» (= notiert D) eingestellten Stimmgerät kann nun der Lehrer den Schüler die d in den beiden Oktaven vergleichen lassen. Beim tieferen, auf dem F-Horn gespielten, mag es nötig sein, die Hand in der Stürze leicht zu öffnen oder den Ton mit dem Ansatz leicht nach oben zu «treiben», oder beides.

Darauf soll der Lehrer das obere d blasen und den Schüler mit der unteren Oktave dazukommen lassen, welche er in bezug auf den oberen Ton sowohl rein als auch absichtlich zu tief intonieren soll, nicht nur um das Ausmass der erforderlichen Korrektur zu lernen, sondern auch, um sich die charakteristischen Klangqualitäten dieser Oktavbeziehung einzuprägen, wenn der untere Ton zu tief und wenn er rein ist.

Umgekehrt soll der Lehrer auch den unteren Ton spielen, während der Schüler oben bläst und auf Qualitätsveränderungen achtgibt. Der Lehrer sollte dem Schüler erklären, dass in diesem Beispiel ein tiefer Ton auf dem Instrument korrigiert wird, obschon dies nicht in allen Fällen gleich nötig sein muss.

Natürlich wird der Lehrer nun noch andere Töne feststellen, die auf dem Instrument des Schülers schlecht stimmen, wobei wiederum besser stimmende Oktaven auf dem Instrument und ein Stimmgerät Anhaltspunkte liefern, wie oben beschrieben².

Schliesslich sollte der Schüler, mit Hilfe des Lehrers, eine Tabelle erstellen, welche für jeden Ton auf dem Instrument allfällige Stimmungsabweichungen angibt, einschliesslich der gebräuchlichen Hilfsgriffe (eine Mustertabelle findet sich in Anhang E, siehe BB 34).

Wenn der Bläser ein neues Instrument anschafft, das Mundstück wechselt oder seine Blastechnik wesentlich ändert, ist eine neue Tabelle anzufertigen.

Ein Stroboskopstimmgerät kann noch mehr zu unserer Diskussion beitragen. Wer schon einmal ein Stroboskopstimmgerät verwendet hat (der Verfasser bezieht sich hier auf das tragbare Modell «Conn SR2», das nur einen Ton aufs Mal anzeigt, wobei das grössere Modell in genau gleicher Weise funktioniert), wird bemerkt haben, dass das auf «A» eingestellte Gerät nicht nur auf A, sondern recht stark auch auf verschiedene andere Töne anspricht.

Dies wird gewöhnlich damit erklärt, dass die Maschine «derart empfindlich» sei, dass sie «sogar auf die Obertöne des gespielten Tons reagiere». Dies ist bestenfalls eine teilweise und unseres Erachtens auch irreführende Erklärung.

Zunächst musste der Verfasser zu seiner Verwunderung feststellen, dass das Waldhorn, dessen Klang allgemein als obertonreich gilt, vom mittleren C an aufwärts auf dem Bildschirm eines Oszilloskops eine fast reine Sinuswelle erzeugte, wenn das Gerät von einem hochempfindlichen Mikrophon gespiesen wurde³.

Das bedeutet einen Mangel an Obertönen. In der Lage unterhalb des mittleren C, die als «nicht charakteristisch» für das Horn gilt, gab es eine Andeutung von Obertönen.

Die selben Töne aber, die auf dem Oszilloskop praktisch reine Sinuswellen produzierten, entfalten auf dem Stroboskopstimmgerät trotz dessen relativ unempfindlichem Kristallmikrophon beträchtliche Aktivitäten auf anderen Frequenzen als dem gespielten Ton. Wir müssen also eine andere Erklärung suchen.

Eine sorgfältige Beobachtung des Stroboskopstimmgerätes erweist, dass diejenigen Töne, auf welche die Anzeige bei einer bestimmten Einstellung am stärksten anspricht, zur Obertonreihe des eingestellten Tones gehören.

Wenn das Gerät z. B. auf «A» eingestellt ist, wird es deutlich auf die Töne E (3. Oberton), Cis (5. Oberton), G (7. Oberton) und H (9. Oberton) ansprechen, selbst wenn sie durch obertonfreie Generatoren erzeugt werden.

Wird das Stroboskopgerät auf «A» eingestellt und ein A49 von 440,0 Hz gespielt, so wird vor allem das vierte Band ansprechen (vgl. untenstehende Abbildung).

Sprechen weitere Bänder an, so beruht das auf weiteren Obertönen, die im Ton des Instrumentes enthalten sind, auf Resonanzen im Raum, selbstinduzierten Resonanzen im Mikrophon oder andern Faktoren.

Lässt man das Gerät nun auf «A» eingestellt und spielt E56 = 660,0 Hz, so spricht nicht etwa Band 4 an (welches die Oktave von A49 = 440,0 Hz anzeigt) und auch nicht Band 5 (für A61 = 880,0 Hz), sondern Band 3, das A37 = 220,0 Hz anzeigt.

Letzteres ist auch das nächstliegende A, das in seiner Obertonreihe ein E56 erzeugen kann (nämlich als 3. Oberton).

In gleicher Weise sprechen auf Cis53 = 550,0 Hz nicht die Bänder 4 oder 5 an, sondern Band 2 von A25 = 110,0 Hz, dem nächstliegenden «Erzeuger» des Cis als fünftem Oberton.

Ebenso erscheint G47 = 412,5 Hz nicht auf den Bändern 3 oder 4, sondern auf Band 1, demjenigen von A13 = 55,0 Hz, dem nächstmöglichen A, welches (als seinen 7. Oberton) ein G47 erzeugen kann.

Wird das G eine Oktave höher gespielt (G59 = 825,0 Hz), so spricht erwartungsgemäss Band 2 (A25 = 110,0 Hz) am stärksten an.

Im Anschluss an die Zeichnung der Anzeige des Stroboskopstimmgerätes finden sich Beispiele für die Beziehung verschiedener Töne zu derjenigen Obertonreihe auf A, in der sie vorkommen (Illustration c).

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Brass Bulletin 33, I / 1981 Seiten 59–67

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