BrassBulletin

Internationales Magazin für Blechbläser

Brass Bulletin 32, IV / 1980 (Seite 59–74) · 12 Min. Lesezeit
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Eine Studie über Intonation in der Musik

Resultierende Töne, Obertonverhältnisse und Akkordaufbau stellen die Gleichstufigkeit infrage und verbinden Akustik mit Ensemblepraxis.
Eine Studie über Intonation in der Musik

Christopher Leuba wurde in Pittsburgh (Pennsylvanien) geboren. Von 1968 bis 1979 war er Dozent für Horn an der Universität von Washington. Zu seinen Schülern zählen heutige Solohornisten im Bostoner Symphonieorchester, in der Mailänder Scala und zahlreichen andern Orchestern in den USA, in Kanada und Mexiko.

Leuba war von 1960 bis 1968 Solohornist im Chicago Symphony Orchestra zu dessen besten Zeiten unter Fritz Reiner. Zwischen 1954 und 1967 spielte er im Minneapolis Symphony Orchestra, vor allem während der Amtszeit von Antal Dorati.

Er war ein Gründungsmitglied der berühmten Philharmonia Hungarica, die im Frühjahr 1957 hauptsächlich aus Exilungarn gebildet wurde. Mit diesem Orchester blieb er bis 1978 in Verbindung und wirkte auch bei der nachgerade legendären Einspielung aller 107 Haydn-Symphonien für Decca/London mit. Er ist in 20 dieser Symphonien zu hören, darunter im hohen Hornpart der quasi konzertanten «Symphonie mit dem Hornsignal» (Nr. 31).

Christopher Leuba hat auch mit dem Philadelphia-Streichquartett und dem Bläserquintett Soni Ventorum gespielt und aufgenommen. Er ist vom Minnesota-Orchester und vom Shenandoah-Festival als Gastdirigent berufen worden und betreut gegenwärtig die Bläser der Symphonieorchester von Oregon und Victoria (Kanada) sowie der Oper von Portland.

Erster Teil

Um uns einen Begriff von «guter Intonation» zu machen, wollen wir ein paar akustische Erscheinungen untersuchen, die denen unter uns, welche sich mit der Physik der Töne befasst haben, vertraut sind, in unseren Konservatorien aber leider unbekannt zu sein scheinen.

Als wichtigste dieser Erscheinungen soll hier die der «Kombinationstöne» bezeichnet werden.

Wenn immer zwei Instrumente gleichzeitig je einen Ton spielen, oder ein Streichinstrument einen Doppelgriff, so wird ein dritter Ton erzeugt, eben ein Kombinationston. Seine Frequenz entspricht der Differenz der Frequenzen der gespielten Töne.

Ein Ton von 1000 Schwingungen pro Sekunde (d.h. 1000 Impulse oder Hertz) plus ein Ton von 1100 Schwingungen ergeben einen Kombinationston von 100 Schwingungen (Hertz). Er wird zwar nicht gleich stark erklingen wie seine Erzeugertöne, aber oftmals hörbar sein¹.

Carl Maria von Weber machte sich das Kombinationstonprinzip in der Kadenz seines Concertino für Horn zunutze, wo der Solist einen Ton spielt, gleichzeitig einen anderen singt und dadurch einen dritten, klar vernehmlichen Ton erzeugt:

¹ Paul Hindemith, Unterweisung im Tonsatz, Theoretischer Teil (B. Schott's Söhne, Mainz 1937), S. 75 ff.

¹ Paul Hindemith, Unterweisung im Tonsatz, Theoretischer Teil (B. Schott's Söhne, Mainz 1937), S. 75 ff.

Dieser Kombinationston reagiert seinerseits mit seinen Erzeugertönen, wodurch weitere, wenn auch schwächere Kombinationstöne zweiten Grades entstehen².

Auch Orgelbauer verwenden das Kombinationstonprinzip. Um gewisse Klangfarben zu erzielen oder auch um Raum zu sparen, bauen sie zwei winzige Pfeifen ein und stimmen sie derart ein, dass ihre Töne zwar oberhalb der menschlichen Hörgrenze liegen, bei gleichzeitigem Erklingen aber einen sehr tiefen, hörbaren Kombinationston erzeugen³.

Dieser Effekt kann auch mittels zweier hoch gestimmter Mundpfeifen demonstriert werden, die, annähernd gleich, aber nicht in völligem Einklang gestimmt, einen deutlichen Kombinationston hervorrufen⁴.

Werden gleichzeitig drei Töne gespielt, so erklingen auch drei Kombinationstöne. Im Dreiklang G-H-D beispielsweise werden die Kombinationstöne von jedem der Paare G-H, H-D und G-D gebildet.

Daraus folgt, dass in einem grossen Ensemble die Zahl der Kombinationstöne zu jeder Zeit enorm ist, da jeder einzelne gespielte Ton mit jedem anderen sowie mit sämtlichen Kombinationstönen in Wechselwirkung tritt.

Wenden wir uns nun der Obertonreihe (Natur- oder Partialtonreihe) zu, d.h. der Tonfolge, welche mit einer Luftsäule oder einer schwingenden gespannten Saite erzeugt werden kann.

Das Frequenzverhältnis der Töne in dieser Reihe bleibt immer gleich: jeder Schritt oder «Modus» der Reihe differiert von seinen Nachbarn um die Frequenz des Grundtons der Reihe (welcher dann erklingt, wenn die Luftsäule oder Saite als Ganzes schwingt), und mit jeder ansteigenden Oktave verdoppelt sich, innerhalb einer gegebenen Reihe, die Frequenz.

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