Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1977–2026
Gebrauch eines Spektralmodells zur Entwicklung der Tuba-Klangfarbe
Vorwort
Daniel D. Stancil ist gegenwärtig Nachdiplomstudent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und arbeitet für die Erlangung des Titels eines «Master of Science» der Elektrotechnik. Das «undergraduate»-Diplom in diesem Fach hat er an der Tennessee Technological University erlangt. Seine musikalische Ausbildung erweiterte er am Tenn Tech durch Nebenstudium und indem er fünf Jahre lang Euphonium (Tenortuba) im Tenn Tech Tuba Ensemble spielte. Es sei noch hinzugefügt, dass Daniel D. Stancil einer der ganz wenigen Studenten ist, die dem angesehenen Tech-Ensemble als Vollmitglieder angehören, obwohl Musik nicht ihr Hauptfach ist.
In der Kürze des folgenden Artikels kann die Riesenarbeit nicht einmal angedeutet werden, die notwendig war, um zu den dargelegten Schlussfolgerungen zu kommen. Zum Beispiel lesen Sie den simplen Satz «die Wellenformen wurden dann in Computersprache (digitalisiert) übersetzt und von einem Computer analysiert». Hinter diesen Worten steckt ein zentimeterdicker Stoss von ausgespickten Daten. Daniel D. Stancil hat uns Musikern den «Hintergrund» erspart und versucht, nur das «Bild» selbst zu zeigen. Vielleicht werden die technischen Daten seiner Forschungsarbeit in Zukunft in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht werden.
Möglicherweise erscheint dieser Forschungsbericht zu früh hinsichtlich der praktischen Anwendung, und es werden Jahre vergehen, bis der Wert der darin enthaltenen Erkenntnisse richtig beurteilt sein wird. Trotzdem wurde beschlossen, diesen Vorbericht zu veröffentlichen, um die Ergebnisse so rasch wie möglich bekannt zu machen.
Vom praktischen Standpunkt aus wird der Musiker fragen: «Wird es mir helfen, ein besserer Tubabläser zu werden?» Wenn diese Arbeit lediglich eine theoretische Übung ist mit wenig oder gar ohne Möglichkeit praktischer Anwendung — wie zahlreiche, ja leider die meisten Forschungs- oder Doktorarbeiten —, dann ist ihr Wert für den Musiker gleich null.
Als Lehrer begegnet man ständig Studenten, die keine wirkliche Vorstellung davon haben, wie eine Tuba eigentlich klingen sollte. Ich meine hiermit nicht Begriffe wie «dunkel» oder «brillant» (es sei denn, man verstünde unter «brillant» einen harmonisch «reichen» Klang mit einer Vielfalt an Obertönen und unter «dunkel» einen sehr reinen und einfachen Klang ohne jene Vielfalt an Obertönen) sondern solche, die subjektiv mit Vokabeln wie «dünn», «gekniffen», «luftig» umschrieben werden, womit auf eine grundlegende Veränderung der Klangfarbe hingewiesen wird, die von einer falschen Vorstellung des Tones, der dem Instrument entrissen werden soll, verursacht worden ist.
Einige Studenten haben schon fünf oder sechs Jahre «Tuba gespielt», wenn sie auf die Hochschule kommen. Keiner hat ihnen je gesagt, dass ihr Grundklang schrecklich ist: sie sassen wohl in den hintersten Reihen einer Blasmusik und hatten keine Gelegenheit, Solo zu spielen; oder der Dirigent hatte nicht genügend Kenntnis von der eigentlichen Klangfarbe einer Tuba, um seinen Schülern etwas Besseres beizubringen. Abgesehen von der Ursache kommen jedenfalls viele Schüler mit der falschen Annahme, sie erzeugten einen grossartigen Klang.
Weiterlesen
Zugang zum vollständigen digitalisierten Brass Bulletin Archiv • CHF 5.– / Monat · jederzeit kündbar