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Anton Hansen (1877-1947)

Der skandinavische Vater der Posaune

Teil 2

Von Per Gade

Von Berlin bis Kopenhagen zeigen Hansens Tagebücher den Zugposaunen-Idealismus im Streit mit Weschke, Orchesterpraxis und Carl Nielsen.
Anton Hansen (1877-1947)

Zusammenfassung. Im ersten Teil (Brass Bulletin Nr. 27) hörten wir über Anton Hansens Kindheit und Jugend in Kopenhagen sowie über die musikalischen Impulse, die zu seiner Entwicklung beitrugen. Anton Hansen war grundlegend für die Entwicklung des Zugposaunenspiels in Dänemark und gründete eine Schule, die das Fundament der heutigen Tradition ist. Nachdem er vom Königlichen Theaterorchester engagiert worden war, wurde ihm als erstem Blechbläser Dänemarks ein sehr ehrenvolles Stipendium zuteil, auf Grund seiner instrumentalen und musikalischen Leistungen. Für das Stipendium musste er einen Studienaufenthalt im Ausland verbringen. Hier endete der Artikel mit Hansens Abreise nach Berlin, wo er bei dem weitherum berühmten Posaunen-Virtuosen Paul Weschke studieren sollte.

Solo-Posaunist Anton Hansen (Ravnen, 16. Juli 1914).

Solo-Posaunist Anton Hansen (Ravnen, 16. Juli 1914).

Paul Weschke, Anton Hansen, Berlin 1911.

Paul Weschke, Anton Hansen, Berlin 1911.

Nachdem Anton Hansen am Berliner Bahnhof von Paul Weschke empfangen worden war, wurden er und seine Frau zur Pestalozzistrasse 100 in Charlottenburg gefahren, wo sie wohnen sollten. Am folgenden Tag hatteAnton Hansen die erste Unterrichtsstunde bei Weschke. Anton Hansen schreibt in einem seiner Tagebücher:

Den 19. September 1911:

Ich war zwei Stunden bei Paul Weschke in der Königlichen Hochschule. Er hat einen ausgezeichneten Ansatz, in der Höhe wie in der Tiefe, aber er erklärte, dass nur ein Tag ohne Üben reichte, um diesen Ansatz zu schwächen.

Anfangs haben wir lange Töne zusammen geblasen. Er fing immer mit langen Tönen vor dem eigentlichen Üben an. Danach spielte ich allein Klughardts «Romanze» (ohne Begleitung, da er gar nicht Klavier spielte). Ich habe ihn dann gebeten, Ferdinand Davids Konzert zu meiner Klavierbegleitung zu spielen. Er spielte das Konzert ausgezeichnet, zeigte grosse Kraft und Ausdauer, die Triller waren fabelhaft, aber sein legato war nicht gut. Seine Technik in den kantablen Sätzen ist ganz falsch, da er mit Hilfe des Kiefers statt der Zunge bindet.

Als er mich nach meiner Meinung fragte, sagte ich ihm ehrlich, was ich von seiner Ausführung des Konzertes hielt. Ich fügte hinzu, dass wir in der Königlichen Kapelle einen grossen Künstler hätten, den Trompeter Thorvald Hansen, der mein Vorbild war, und erklärte ihm, dass — falls er seine phantastische Technik mit Thorvald Hansens Blastechnik verbinden könnte — seine Leistungen perfekt wären.

Ich zeigte ihm meine Auffassung, und zu seinem Lob muss ich sagen, dass er erstaunlich interessiert war. Als wir das Konzert beendet hatten, wagte ich ihn zu bitten, einige von den Etüden zu spielen, die ich selber nicht zu spielen imstande war, und erzählte ihm, wie ich an meinen Fähigkeiten als Posaunist gezweifelt hatte.

Ich hatte mir gedacht, dass Tonleitern in schnellem Tempo, aber legato gespielt, so klingen könnten, als seien sie auf einer Ventilposaune gespielt, aber es zeigte sich gleich, dass Weschke zwar imstande war, Tonleitern schnell, nicht aber im wirklichen Sinne des Wortes legato zu spielen, und mir wurde eine Last abgenommen, die mich Jahre hindurch bedrückt hatte.

Während der folgenden Diskussion über die Unvollkommenheit der Zugposaune sagte er u.a.: «Sie müssen bedenken, dass jedes Instrument sein charakteristisches Gepräge hat. Auf dem Klavier können leicht Dinge gespielt werden, die auf einer Harfe unausführbar sind, und umgekehrt, und ein achtjähriges Kind kann auf dem Klavier eine Passage spielen, die auf der Posaune unmöglich ist.»

Ich forderte ihn auf, ein paar der schwierigen Posaunenstellen in «Cavalleria Rusticana» zu spielen. Das wollte er indessen nicht, indem er erklärte, dass diese — rein künstlerisch — unausführbar seien.

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Brass Bulletin 28, IV / 1979 Seiten 13–28

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