Nun haben wir alle offensichtlich ganz verschiedene «Antennen». Wenn wir aber gewillt sind, sie auf toleranten Empfang einzustellen, müssen wir sie vorurteilslos nach allen «Sendern» ausrichten, wo immer sich diese befinden mögen: so werden sich nach und nach unsere Kenntnisse erweitern, bis wir in der Lage sind, die Authentizität und Wahrhaftigkeit auch einer Musiksprache zu spüren, die einem uns fremden kulturellen «Code» folgt (orientalische Musik, Avantgardemusik etc.).
Doch da berühren wir ein unendlich komplexes Feld (denn wie ähnlich und doch verschieden sind wir alle!). Seien wir vorsichtig mit vorschnellen Urteilen über jemandes «Musikalität». Da gibt es Musiker, deren Diskurs verlogen oder banal erscheint, obschon sie in Wirklichkeit eine tiefgreifende Wahrheit herausschreien, während andere — hohle Schönredner — die reinste Wahrheit zu verkünden scheinen...
Persönlich sehe ich in der Einfachheit einen der Schlüssel zum musikalischen Ausdruck, und daran sollte sich der Musiker halten, auf dass seine Sprache klar und transparent werde.
Wieviel Ergriffenheit oder Freude ein Musiker mitzuteilen vermag, wenn er kommunikationsfähig ist, hängt direkt von seiner Fähigkeit ab, die undurchschaubare Komplexität menschlicher Beziehungen durch den «Code der Codes» zu überwinden: den der Einfachheit.
Mit diesem Gedanken möchte ich Euch ein schönes und fruchtbares neues Jahr wünschen.
Jean-Pierre Mathez