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Meine Kontakte mit den Vereinigten Staaten

Von einer Anfrage zur Einladung: Dieser Bericht führt nach Indiana — zwischen brillanter Technik und der Suche nach echter Musikalität.
Meine Kontakte mit den Vereinigten Staaten

Einführung: Bitte sofort zurückläuten... «Please call collect immediately. Sincerely Dean Wilfred C. Bain Indiana University School of Music Bloomington Indiana USA»

Dieses Telegramm erhielt ich am 10. Mai 1970, als Anfang einer ungewöhnlichen Geschichte.

Einige Wochen zuvor hatte ich bei Prof. Philip Farkas angefragt, ob ich während meiner Sommerferien bei ihm an der School of Music in Bloomington ein paar Unterrichtsstunden nehmen könnte. Schon seit Jahren hatte ich sein Buch «The Art Of French Horn Playing» zur wertvollen Grundlage meines Übens gemacht und zur Ausbildung meiner Schüler herangezogen. Nun wollte ich seinen Unterricht einmal in natura erleben. Seine Antwort war freundlich und zustimmend, er bat mich aber um ein Tonband, weil ohne dieses Probespiel in der Konserve eine Einschreibung leider nicht möglich sei. Mir erschien dieses Misstrauen dem Solohornisten der Münchner Philharmoniker gegenüber zwar als reichlich übertrieben, ich kam aber dem Wunsche nach und schickte Mr. Farkas eine Aufnahme des Hornkonzerts Nr. 1 von Jos. Haydn, die ich ein Jahr vorher mit den Bamberger Symphonikern für den Bayerischen Rundfunk München gemacht hatte.

Dann kam das Telegramm: ich solle sofort telefonieren. Ich konnte mir nicht erklären, was man in Bloomington so dringend von mir erfahren wollte und meldete das Gespräch in dem Bewusstsein an, dass es sich um ein Missverständnis handeln musste. — Am anderen Ende meldete sich Dean Bain mit der sonoren Baßstimme eines amerikanischen Managers. Nach freundlichen Begrüssungsworten und der obligatorischen Frage nach dem Wohlergehen gab er den Hörer seinem bereitstehenden Dolmetscher, der mir in geschliffenem Deutsch einen Satz sagte, der Amerika einmal mehr als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auswies: «Herr Höltzel, Dean Bain möchte Ihnen sagen, dass er zusammen mit Mr. Farkas Ihr Tonband gehört hat und der Meinung ist, dass Sie nicht als Sommerstudent, dafür aber im September für ein Jahr als Gastlehrer an die Indiana University kommen sollen. — Wann, glauben Sie, werden Sie uns Bescheid geben können, ob das möglich sein wird?»

Ich hielt diese Idee für so verrückt und undurchführbar, dass ich mich nicht einmal freuen konnte, sondern zur Antwort gab, ich sei erst seit ein paar Monaten bei den Münchner Philharmonikern und würde nach so kurzer Zeit sicher nicht für ein ganzes Jahr beurlaubt. Ausserdem sei ich Dozent am Mozarteum in Salzburg und habe es dort mit einem sehr schwierigen Direktor zu tun, der mich erst recht nicht fortliesse. Mit der Versicherung, dass ich trotzdem alles versuchen wolle, um das verlockende Angebot annehmen zu können, erbat ich mir eine Frist von vierundzwanzig Stunden.

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Brass Bulletin 15, III / 1976 Seiten 27–39

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