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Russische Musik und Musiker vor 1700

unter besonderer Berücksichtigung der Blasmusik

Überblick über die russische Musik und Musiker vor 1700, mit Fokus auf frühe Traditionen, Einflüsse und die Rolle der Blechblasinstrumente.
Russische Musik und Musiker vor 1700

In dem Buche «Idee zu einer Aesthetik der Tonkunst» schreibt der schwäbische Dichter und Sänger Christian F. D. Schubart († 1791): «Die russische Nationalmusik hat, wie man leicht erachten kann, sehr viel Wildes und Rauhes... Es lässt sich leicht erachten, was so eine Musik von einem Pulkkosaken gesungen, für eine gräuliche Wirkung thun müsse. Kaum ist begreiflich, wie die russischen Mädchen so etwas schön finden können.»

Dies ist gewiss ein allzu leichtfertig geäussertes Urteil, gab es doch vor 1790 im deutschen Sprachgebiet nur sehr selten die Möglichkeit, mit Musik aus Russland ausgiebig bekannt zu werden. Um den Mangel an Kenntnissen von der russischen Musik etwa zur Zeit Senfls, Lassos oder Buxtehudes in Wien, München oder Lübeck offen darlegen zu können, wollen wir die im 16. und 17. Jahrhundert gegebenen Möglichkeiten der Vermittlung betrachten, wie da sind:

  1. Begegnungen mit Musikern
  2. Notierte Musikstücke
  3. Reiseberichte
  4. Bildwerke

1. Fahrende Musiker waren insbesondere während des Spätmittelalters in Europa die wirksamsten Vermittler von schriftlos realisierter Musik. Sie tauschten Weisen und Instrumente aus und verbreiteten wandernd Gesänge und Tänze über weite Gebiete hinweg. Im 14. Jh. gelangten Spielleute vor allem im Gefolge von Kreuzritterzügen bis ins Baltikum, weiter aber nicht. Westliche Gepflogenheiten der Musikausübung mit «trumper, bassuner, piper» wurden beispielsweise in Reval heimisch gemacht, während in Wilna ein höfisches Musizieren mit «clavichordium» eingeführt wurde, aber der Hof in Moskau verhielt sich gegenüber solchen «frivolen» Einwirkungen ablehnend: die theokratische Herrschaftsform hatte für Musiker keinen Bedarf.

Ein Engländer sollte dies ändern: 1586 überbrachte Sir Jerome Horsey als Botschafter der englischen Königin Elisabeth I. «organs and virginals» für die Zarin Irina, die diese Geräte entzückt bestaunte. Der Chronist berichtete aus Moskau: «... never seeing nor hearing the like before, wondered and delighted at the loud and musical sound thereof. Thousands of people resorted and stayed about the palace to hear the same» («... da solches noch nie gesehen oder gehört wurde, bestaunte und bewunderte man den lauten und musikalischen Klang der Instrumente. Tausende von Leuten strömten zum Palast, um sie zu hören.»)

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Brass Bulletin 7, I / 1974 Seiten 65–74

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