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Maurice André, immer besser

Maurice André, immer besser

Ansetzen (mit dem für Maurice André sehr typischen Zungentest vor dem endgültigen Ansetzen)

Haltung des Mundstückes mit der linken Hand (sehr locker) und Selbstanalyse der Vibration

Wache Sinne (Mund, Finger, Augen), um die Qualität der Vibration abzuschätzen

Zwei wichtige Ereignisse bilden die Meilensteine der Jahre 1987 und 1988 in der phänomenalen Laufbahn des grossen französischen Trompeters: seine Teilnahme an der Fernsehsendung «Grand Echiquier» vom 28. Oktober 1987 und der internationale Trompetenwettbewerb «Maurice André», der im September 1988 von der Stadt Paris organisiert wird.

(Ein Artikel über dieses Thema ist in Vorbereitung).

«Grand Echiquier» zweite Auflage

Eine der populärsten Fernsehsendungen der französischsprachigen Länder (ungefähr 20 Millionen Zuschauer) ist jene, die Jacques Chancel in der 2. französischen Sendekette unter dem Namen «Grand Echiquier» moderiert.

Chancel lädt einen prominenten Musiker ein (in diesem Falle Maurice André) und lässt ihn einen kompletten Sendeabend vorbereiten (etwa 3 Stunden Sendung!), seine Freunde oder von ihm bewunderte und geschätzte Musiker einladen, das Ganze von seinen eigenen Darbietungen unterbrochen. Als Auserwählter der Auserwählten ist Maurice André innert weniger Jahre zum zweiten Mal eingeladen worden. BRASS BULLETIN hat ihm einige Fragen gestellt.

BRASS BULLETIN: Zwei so wichtige Sendungen in wenigen Jahren! Wie gestalten Sie die zweite im Unterschied zur ersten?

Maurice André: In der ersten Sendung «Grand Echiquier» hatte ich eine Zusammenfassung meines Musikerlebens gemacht, und ich hatte das Vergnügen, Leute vorzustellen, die mich beeinflusst haben (Freundschaften der Anfänge und Freunde unter den grossen Musikern). Die zweite Sendung ist «künstlerischer», ich habe die grössten Meisterwerke des Repertoires darin vorgestellt.

B. B.: Wie bereiten Sie eine so lange und schwierige Sendung vor?

M. A.: Grundsätzlich versuche ich, diesen Abend zu einem echten musikalischen Fest zu machen. Ich bereite ein Programm mit Werken aus allen Musiksparten vor und lade die Künstler ein, die ich bewundere und die unter den repräsentativsten ihrer Kunst sind. Dies alles dosiere ich so, dass es das Publikum optimal unterhält! Ausserdem bereite ich mein eigenes musikalisches Programm vor. Ich probiere es aus, ändere es ab, spiele mit den Klangfarben, bevor ich meine endgültige Wahl dem Moderator mitteile. Ich stelle alle Trompeten vor, alle Mundstücke und stelle dabei meine Ausdauer auf die Probe. Alle zwanzig Minuten etwa schalte ich einen Moment der Entspannung ein und erzähle dann, zum Beispiel, von den Dämpfern, oder ich gebe einige Anekdoten zum besten oder stelle die grossen Künstler vor, die ich eingeladen habe. Für diese zweite Sendung habe ich wirklich die Ärmel zurückgekrempelt und ein alles umfassendes Programm zusammengestellt (Final der Sonate von Telemann, Solo mit der Big Band von Claude Bolling, einen Walzer, virtuose volkstümliche Musik), grosse Werke von Bach für die Trompete, das zweite Brandenburgische Konzert, Auszüge aus der h-Moll-Messe, dem Magnificat, die Concerti von Bellini, Tartini, Haydn, Hummel, Biscogli, Jazz-Sequenzen mit Jean-Michel Defaye, «Hora Staccato» von Dinicu-Heifetz, usw.).

B. B.: Ihre Meisterschaft der Trompete ist — dies kann man wohl sagen — eigentlich total. Können Sie uns einige kleine Geheimnisse anvertrauen für unsere Leser, von denen viele selbst auf dem Weg zu dieser so ersehnten Perfektion sind?

Maurice André

Maurice André

M. A.: Um diesen physisch und psychisch so schwierig zu meisternden Beruf auszuüben, muss man gesund leben, gut schlafen, Alkoholmissbrauch vermeiden, usw. Persönlich habe ich zwei wichtige Erholungsfelder, die mir dabei helfen, mein Gleichgewicht zu halten: meine Familie und die Arbeit mit meinen Händen (Holzschnitzereien¹ und Basteln). Ich kann so meine instrumentale Arbeit mit dem ganzen Ernst und der notwendigen Konzentration angehen.

Ich übe häufig bis 5 Stunden täglich, vor allem in Vorbereitung einer solchen Sendung wie dem Grand Echiquier. Ich kalkuliere, dass ich mein ganzes Programm täglich drei oder vier Mal spielen können muss, um im Konzert absolut Meister der Lage zu sein. Manchmal, in Voraussicht ausserordentlicher Hitze, der man manchmal auf der Bühne begegnet, übe ich in meiner auf 35 Grad geheizten Sauna...

Tägliches Einblasen von Maurice André

Morgen (ungefähr eine Stunde) (Je älter man wird, um so mehr Zeit braucht es)

1.) Ich wecke die Muskulatur und die Lippen mit Vibrationsübungen und mit dem Mundstück allein, wobei ich darauf achte, überhaupt nicht auf die Lippen zu drücken (ich kümmere mich überhaupt nicht um den Ton!).

2.) Ich nehme das Instrument zur Hand und übe Tonleitern und Dreiklänge, immer mit der grössten Leichtigkeit, ohne zu drücken und immer noch ohne Rücksicht auf den Ton.

3.) Ich wiederhole die Dreiklänge im legato, aber diesmal im Hinblick auf einen schönen Ton. Ich arbeite weiter mit Geschmeidigkeit, indem ich so langsam wie möglich arbeite. Dann gehe ich zu immer grösseren Intervallen über (Quarten, Quinten, Oktaven, doppelte und dreifache Oktaven), immer in sehr langsamem Tempo und mit so wenig Druck wie möglich.

4.) Ich wiederhole Punkt 3.) in staccato.

Nachdem dies getan ist (so lange wie nötig), kann ich Werke meiner Konzertprogramme angehen. Ich übe auch den Wechsel von Instrumenten und Mundstücken.

Jeden Abend vor dem Schlafengehen massiere ich mir gewissenhaft die Lippenmuskeln mit Tafelbutter ein, die viel Vitamin E enthält.

Für mich beruht das Trompetenspiel grundsätzlich auf der Suche nach dem schönen Ton und der Präzision der Ansprache.

Das Mundstück von Maurice André ist abgeändert worden (2 mm mehr für den Teil, der auf der Oberlippe aufliegt)

Das Mundstück von Maurice André ist abgeändert worden (2 mm mehr für den Teil, der auf der Oberlippe aufliegt)

Spezielle Korrekturen

Maurice André hat während seiner Karriere zwei grundlegende Punkte an seinem Ansatz verändert:

1.) Das Mundstück

Das Hauptgewicht seines Ansatzes lastet auf der Oberlippe, und er hat den Oberrand seines Mundstücks um 2 mm verbreitert.

2.) Die fortschreitende Vergrösserung der Lücke zwischen den Schneidezähnen

Mit den Jahren hat sich die Lücke zwischen seinen vorderen Schneidezähnen vergrössert und hat ihn mit der Zeit gestört. Er suchte also die Hilfe eines (wie man sich denken kann hochqualifizierten) Zahnarztes, damit dieser ihm vorne und hinten die Zwischenräume zwischen den zwei oberen Schneidezähnen und dem nächstfolgenden oberen linken Zahn mit Spezialkeramik schliesse. «Es sieht nicht sehr hübsch aus, aber es ist sehr nützlich. Meine Ansprache hat sich seither wesentlich verbessert», sagt er mit schelmischem Lächeln.

Wieviele Zuhörer jährlich für Maurice André?

Maurice André gibt jährlich gut hundert Konzerte vor durchschnittlich 2000 Personen, das sind etwa 200 000 Personen im Jahr.

Der erste «Grand Echiquier» wurde von über 15 Millionen Fernsehzuschauern gesehen und hatte spektakulären Einfluss auf den Verkauf seiner Platten und den Besuch seiner Konzerte.

Die Sendung ist eine grossartige öffentliche Würdigung, nicht nur für ihn, sondern auch für die Trompete und alle Blechblasinstrumente.

Anmerkungen

¹ Im Laufe der Jahre hat Maurice André eine grosse Geschicklichkeit auf diesem Gebiet erworben. Er hat zahlreiche kleine Meisterwerke geschaffen, vor allem Reliefs, die seine Freude sind und die seiner Freunde.

Brass Bulletin 60, IV / 1987 Seiten 66–72

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