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Kalison

Die Instrumentenbauer in Europa

Kalison

Kalison (kali=schön auf griechisch) ist zweifellos das dynamischste italienische Unternehmen des Blechblasinstrumentenbaues.

Battista Benicchio (1891-1953) war der Gründer dieses sympathischen Familienbetriebes, 1928 in Mailand¹, nachdem er 1916 seinen Beruf in einer gigantischen Blasinstrumentenfabrik gelernt hatte, der Roth-Bottali², die zu ihrer Blütezeit fast 1000 (!) Arbeiter beschäftigte.

Die Werkstatt von Benicchio beschied sich mit vier bis fünf Angestellten und war vor allem ein Handwerksbetrieb. Zwanzig Instrumente wurden im Monat hergestellt, Blechblasinstrumente aller Arten, vor allem bestimmt für die berühmten bande (Dorfmusiken), die damals in Italien besonders blühten.

Während des Zweiten Weltkrieges ging die Arbeit zurück, was der Kreativität von Battista Benicchio keinen Abbruch tat: er entwickelte eine Serie von miniaturisierten Blasinstrumenten, die perfekt spielbar waren und die er «Kalison» taufte, um sie von den gewöhnlichen Modellen abzuheben. Diese Miniaturen erlebten einen beträchtlichen Erfolg, was auch das Überleben des Unternehmens dieser schwierigen Zeit sicherte.

Nach dem Tod seines Vaters 1953 übernahm Angelo Benicchio die Nachfolge und wählte den Namen «Kalison» als Fabrikmarke für alle Modelle in der Produktion.

Battista Benicchio (1891-1953)

Battista Benicchio (1891-1953)

Piccolo Si♭ «Kalison» 1940-1946

Piccolo Si♭ «Kalison» 1940-1946

Prof. Crott, Walter Bellagamba, Angelo e Michele Benicchio

Prof. Crott, Walter Bellagamba, Angelo e Michele Benicchio

Michele Benicchio

Michele Benicchio

Angelo Benicchio (cimbasso Kalison)

Angelo Benicchio (cimbasso Kalison)

Angelo suchte mehr den Kontakt mit den Berufsmusikern, als dies sein Vater getan hatte; er umgab sich mit den besten Hornisten Italiens und gab der Produktion eine neue Richtung durch die Entwicklung verschiedener Modelle von Doppelhörnern, in Zusammenarbeit mit dem berühmten Allegri (Solohornist der Scala in Mailand von 1920 bis 1950), später mit Argeo Lusardi (Solohornist im selben Orchester). Andere bekannte Solisten unterstützten den tatkräftigen mailändischen Instrumentenbauer durch das Spielen seiner Instrumente: Domenico Ceccarossi (weltweit bekannter Solist, ehemaliger Solohornist des Sinfonieorchesters der RAI in Rom), Salvatore Accardi (Solohornist der Accademia Santa Cecilia in Rom), Luciano Giuliani (Solohornist im Sinfonieorchester der RAI in Rom) und viele andere.

1982 geht Angelo Benicchio den schon beim Horn bewährten Weg auch bei der Tuba. Darryl Smith, ein in Mailand ansässiger amerikanischer Tubist, leistete wertvolle Hilfe bei dieser Entwicklung.

Parallel zur Herstellung der ganzen Blechblasinstrumentenreihe — einer alten Familientradition — hat Kalison auch den Sprung in die Welt der Berufsmusiker geschafft.

Seit 1987 ist das Unternehmen in neue und grössere Lokale umgezogen. Angelo Benicchio, unterstützt von seiner Gattin und umgeben von einer sympathischen Mannschaft von zwölf Personen, führt seine Arbeit mit Zuversicht und Enthusiasmus weiter. Giuseppe Crott, virtuoser Solist des Sinfonieorchesters der RAI in Milano (Tester und künstlerischer Berater) und andere Berufsmusiker überwachen den Fortgang der Arbeiten.

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Mathez Kalison 06 BB60 1987
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Mathez Kalison 07 BB60 1987
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Mathez Kalison 08 BB60 1987
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Mathez Kalison 09 BB60 1987

Gegenwärtig werden etwa 25 Hörner im Monat hergestellt, daneben noch andere Blechblasinstrumente und Spezialanfertigungen auf Bestellung (Piccolotrompeten, Taschenhörner, usw.).

1984 entdeckte die einzige Tochter des Seniorchefs, Michela Benicchio, die zuerst Tierärztin werden wollte, dass die Zukunft des Unternehmens von ihr abhängt. Sie machte sich mit Bestimmtheit mit dem Instrumentenbau vertraut, wechselte von einer Werkstatt zur anderen, wobei sie keine Angst vor dem Arbeitsgewand hatte, während ihr Vater ihr die nötigen theoretischen und technischen Kenntnisse beibrachte. Sie zögerte auch nicht, Hornspielen zu lernen, um mehr von der Sache zu verstehen. Mit 25 Jahren weiss sie, dass sie eines Tages das Werk ihres Vaters und Grossvaters weiterführen wird.

Ein Besuch in Mailand an der Via Pellegrino Rossi 96 wird Ihnen, neben einem einzigartigen Empfang, nicht nur die Gelegenheit zum Ausprobieren zahlreicher Instrumentenmodelle geben und die grosse Arbeit demonstrieren, die diese wundervoll dickköpfigen Leute in den vergangen Jahren geleistet haben: Sie werden auch mit Freude entdecken, dass Italien erwacht und seine Identität findet, um mit lateinischem Genie der Welt seinen nicht zu unterschätzenden Beitrag an Kreativität zu erbringen!

Anmerkungen

¹ Die Adressen des Unternehmens Benicchio (ab 1953 Kalison) waren hintereinander: von 1928 bis 1955: Via Lorenzo Bartolini 54; von 1955 bis 1959: Via Acerenza 6; von 1959 an: Via Pellegrino Rossi 98 und ab 1987: Via Pellegrino Rossi 96.

² Ferdinando Roth stammte aus dem berühmten Instrumentenbauerdorf Graslitz in Böhmen, von wo im übrigen zahllose Handwerker ausgewandert sind.

Brass Bulletin 60, IV / 1987 Seiten 52–64

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