Eine Leidenschaft: die Trompete
Er errang Triumph. Ich denke, dass sein Engagement, seine leidenschaftliche Liebe zur Trompete die Zuhörer gewonnen hat. Auch den Lesern von BRASS BULLETIN wird seine Ergebenheit gegenüber diesem Instrument geläufig sein. In Geigers Augen und Ohren ist die Trompete natürlich jedem anderen Instrument ebenbürtig, sie wetteifert mit der Geige in Ausdruckskraft und Legato-Spiel, und fordert sogar die menschliche Stimme heraus. Bestimmt errang er die Herzen seiner Zuhörer, indem er erzählte, wie ungerecht er es fand, dass die Trompete — mit dem Rest des Orchesters zusammen — in den Graben verbannt sei, aus den Augen des Publikums, als ob sie etwas Unanständiges wäre, und die Bühne das Monopol der Sänger sei. Er träumt, so sagt er, von einem Theater, wo die Situation umgekehrt wäre, die Sänger im Graben und die Trompete im Glanze ihres Ruhmes auf der Bühne... Und da er diesen Traum noch nicht verwirklichen konnte, tat er das Nächstbeste: Er bat einen Freund, die Toccata von Martini für Stimmen und Schlagzeug zu arrangieren, um dem schönen Trompetensolo eine entsprechende Begleitung zu verschaffen.
Auch die Geschmackssicherheit und geistige Beweglichkeit Geigers muss die Zuhörer beeindruckt haben. Er ist bekannt für seinen Einsatz für zeitgenössische Musik und hat praktisch alle im heutigen Ungarn komponierten Trompetenwerke aufgeführt. Er hat eine erhebliche Anzahl davon uraufgeführt, ist aber in vorklassischer Musik genauso versiert wie in jazzartigen Arrangements und natürlich richtiger Unterhaltungsmusik.
Die Aufzählung von Geigers Tugenden schliesst auch seine Ausdauer ein. Er gibt auch nach Entmutigungen nie auf, wenn er einmal etwas im Kopf hat. Zum Beispiel nahm er für das ungarische Radio eines seiner Lieblingsstücke, Beethovens Romanze in F-Dur auf. Das Tonband wurde von der Auswahlkommission abgelehnt, da der Vorsitzende, ein Geiger, das Arrangement geschmacklos und der Violinfassung unterlegen fand. Geiger, der viel Zeit für die Vorbereitung des Stückes gebraucht hatte, gab sich nicht geschlagen. Er überzeugte einen seiner Freunde, den Stil und die Instrumentierung des Arrangements abzuändern, und mit dieser neuen Begleitung nahm er das Stück noch einmal auf. Das Band wurde einer anderen, für leichte Musik verantwortlichen Jury unterbreitet und wurde angenommen. Geiger hatte sein Ziel erreicht.
Herausforderung an die Geige
Die Begebenheit bewog ihn, die Geige im direkten Nahkampf herauszufordern. Diesmal war seine Waffe ein altes Schlachtross der Geigenliteratur: Wieniawsky's Kurowiak. Das Solo wird abwechselnd von Violine und Trompete übernommen, und zu Ehren Geigers muss gesagt werden, dass das Duell unentschieden endet... Mindestens für den Autor dieses Artikels.
Geiger ist nun schon seit sechzehn Jahren erster Trompeter des ungarischen Radio-Sinfonie-Orchesters. Er hat den Operngraben mit dem Radiostudio vertauscht - aber das Orchester und natürlich auch das Modern Brass Ensemble geben viele öffentliche Konzerte. Zusammen mit seinen solistischen Verpflichtungen, den Tourneen in Ungarn und im Ausland hat György Geiger genügend zu tun, um immer beschäftigt zu sein.
Grosse Bescheidenheit
Wenn man mit ihm von Angesicht zu Angesicht spricht — was im wörtlichen Sinne wegen seiner enormen Grösse schwierig ist - beeindruckt er einen durch seine bemerkenswerte Bescheidenheit. Falls er seinen Wert kennt, behält er das für sich. Er ist eher schüchtern, was sich aber nie in Schroffheit oder Unnahbarkeit ausdrückt. Es ist leicht, ihn in Verlegenheit zu bringen mit der Erwähnung von Kritiken wie der aus dem I.T.G. Journal vom September 1984:
«Nachdem Geiger sich auf zwei aufeinanderg etürmte Stühle niedergelassen hatte, beeindruckte er seine Zuhörer mit einer Leichtigkeit, die an Raphael Mendez erinnerte, einer Höhe wie Doc Severinsen und einer Ausdruckskraft, die an Maurice André mahnte».