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Valsalva-Technik - wozu?
Gelegentliche Hinweise in der Bläserliteratur auf die Valsalva-Technik als Mittel zur Atemkontrolle bei Blasinstrumenten können Anlass zu Missverständnis, Unklarheit oder Irrtum sein. Die folgenden Bemerkungen zielen darauf hin, das Problem zu erhellen und die Diskussion anzuregen oder gar zu provozieren.
Valsalva ist nicht der Name irgend eines Körperteils, sondern der eines Mannes. Antonio Valsalva war ein italienischer Anatom, der von 1666 bis 1723 lebte. Seine Versuche schlossen ein Experiment ein, bei dem «Luft durch die eustachischen Röhren ins Mittelohr gepresst wird, während Nase und Mund geschlossen sind, um partielle Taubheit zu beheben» (Websters Dictionary, 2. Ausgabe 1983).
Die Technik wird als den Tieftauchern und Fliegern wohlbekannt beschrieben, welche beide mit dem Problem des Druckausgleichs kämpfen müssen, da ungleicher Druck auf beiden Seiten des Trommelfells schmerzhaft ist. Es ist schwierig, sich eine Anwendung dieser Technik für den heutigen Bläser vorzustellen, daher scheint die Valsalva-Technik eine Sackgasse zu sein für Musiker.
In der medizinischen Praxis dagegen gibt es eine zeitgenössische Anwendung der Technik bei der Diagnose gewisser kardiovaskulärer Störungen oder bei Herzflimmern. In dieser Anwendung besteht die Valsalva-Technik vor allem aus einer forcierten Ausatmung gegen die geschlossene Kehle. Damit wird ein hoher Druck in der Bauchhöhle aufgebaut. Dies ist ein analoger Vorgang zu einem schwierigen Stuhlgang. Die physiologische Folge eines fortgesetzten Vorgangs ist jedenfalls die Erhöhung des arteriellen Blutdrucks, was zu Kopfschmerzen führen kann. Zugleich wird der Rückfluss venösen Blutes zum Herz verringert, speziell von den Beinen, was dem Herz weniger Blut zu pumpen gibt und so zur Ohnmacht führt.
Beim Blasinstrumentenspiel vertreten die Verfechter der Valsalva-Technik den kontrollierten und vorsichtigen Einsatz der Epiglottis (Halszäpfchen), um Luftdruck und -Menge der musikalischen Phrase anzupassen. Der Vorgang erinnert an ein variables Venturi-Ventil mit anpassbarem Widerstand. Dem zufälligen Betrachter erscheint dies als selbst herbeigeführter Würgegriff oder Strangulation, und für den Ausführenden besteht die ständige Gefahr von Schmerz und Ohnmacht.
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Brass Bulletin 52, IV / 1985 Seiten 36–38
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