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Sophrologie und Musik
Von Robert Ischer
Eine Schule der körperlichen und gefühlsmässigen Meisterung. Ein wunderbares Mittel der persönlichen Programmierung. Die Freiheit des Wohlbefindens.
Im Jahre 1960 legte der Psychiater Dr. Alfonso Caycedo den Grundstein der sophrologischen Schule. Nach einem langen Aufenthalt im Orient, wo er die Techniken von Yoga, Buddhismus und Zen vertieft hatte, kehrte er nach Europa zurück und definierte endgültig die Techniken seiner Schule, indem er sich von den Hypnosetechniken, die er zwar am Anfang als Grundlage benutzt hatte, entschieden abwandte. Dies bewirkte den Abfall einiger Schüler der ersten sophrologischen Schule, und auch heute noch gibt es in Europa einige Orte, an denen die Hypno-Sophrologie der ersten Jahre praktiziert wird. Es scheint aber, dass diese Methode langsam verschwindet. Als Caycedo sich von den hypnotischen Praktiken distanzierte, tat er dies vorwiegend aufgrund der Abhängigkeit vom Hypno-Sophrologen, zu der diese führen, während Caycedo vor allem darauf hinarbeitet, den Menschen unabhängig zu machen und seine Selbstfindung zu erleichtern. Die Techniken, die Caycedo seither entwickelt hat, sind daher befreiend, kreativ und positivistisch.
Was ist «Sophrologie»?
Das Wort Sophrologie kommt aus dem Griechischen: sos (Harmonie) phrenos (Bewusstsein) und logos (Wissenschaft). Es handelt sich daher um die Wissenschaft vom Bewusstsein in Harmonie. Die abendländische Welt ist seit Jahrhunderten gewöhnt, den Intellekt, die Gefühle und die Körperlichkeit zu trennen, ja sogar letztere als vulgäre Obszönität abzulehnen (der Körper ist das Fleisch...) und die Gefühle zurückzuweisen als lächerliche und kindische Äusserung (übertriebener Cartesianismus).
Intellekt - Gefühl - Körperlichkeit
Wenn die Vereinigung der drei Parameter Intellekt, Gefühl und Körperlichkeit harmonisch ist, liegt eine positiv ausgewogene Interaktion nahe. Von diesem Augenblick an wird der Proband eigenverantwortlich tätig. Er wird fähig zur objektiven Beobachtung der Ereignisse und zur Relativierung der Deutung derselben sowie des Einflusses, den sie auf ihn ausüben. Parallel dazu beeinflusst sein Training auch seine Fähigkeiten kreativer Art, die er potentiell besitzt. Wir werden beobachten, wie die sophrologische Schule unserer Kunst grundlegend förderlich sein kann durch das Erlernen ihrer 3 Stufen.
Erste Stufe
Meisterung der Körperlichkeit
Sie hat die Meisterung der Körperlichkeit zum Ziel und ist unverzichtbare Bedingung für das Erreichen der anderen Stufen. Es geht darum, sich auf angenehme Weise in seinem Körper wiederzufinden. Während man in der Regel nur die schmerzhaften Teile des Körpers bewusst wahrnimmt, ermöglicht die Ausübung der ersten Stufe der «dynamischen Entspannung nach Caycedo» den Genuss des Wohlbefindens in einem gesunden Körper. Sie begünstigt auch die Entspannung dieses immer angespannten Körpers und seine Beherrschung im Sinne einer gesteigerten Effizienz. Beispiel: augenblicklich ziehen Sie leicht die Augenbrauen zusammen und legen die Stirn in Falten, während Sie diesen Artikel lesen. Diese Anspannung ist zum Verständnis des Textes absolut unnütz, wird aber häufig unbewusst angewandt. Man findet ähnliche Verspannungen beim Spiel unserer Instrumente, vor allem bei den Anfängern: hochgezogene Schultern, verkrampfter Brustkorb, gerunzelte Stirn, angespannte Arme usw., wie auch eine Hypertonie der Gesichtsmuskulatur. Ausser einer besseren Effizienz des Muskeleinsatzes erlaubt die Sophrologie auch die richtige Dosierung des Tonus in den am Spiel beteiligten Muskeln. Daraus folgt eine substantielle Energieersparnis und eine Lust an der Selbstbeherrschung, die gerade für die leicht zu entmutigenden Anfänger nicht zu unterschätzen ist, die oft an der Anforderung, an viele Sachen zugleich zu denken, fast verzweifeln (Haltung, Atem, Attacke, Mundmuskulatur, Finger usw.).
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Brass Bulletin 54, / 1986 Seiten 29–36
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