Brass Bulletin 21, I / 1978 (Seite 45–52) · 11 Min. Lesezeit
Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1978–2026

Blechbläser-Sportler

Blechbläser sind Athleten: Bengt Belfrage zeigt, wie Training, Regeneration und Atmung aus dem Sport Leistung und Ausdauer verbessern können.

Bengt Belfrage, Solohornist der Königlichen Hofkapelle Stockholm, Lehrer für Horn an der Musikhochschule in Stockholm, Solohornist der Berliner Philharmoniker (1962–1964), sowie Mitglied des Berliner Philharmonischen Oktetts.

Dieser Artikel ist in erster Linie bestimmt für meine Waldhornschüler an der Musikhochschule Stockholm, kann aber doch von Interesse auch für andere Waldhornisten und Blechbläser sein. Meine über zehnjährigen Erfahrungen als aktiver Sportsmann haben mich davon überzeugt, dass man weitgehende Parallelen ziehen kann zwischen einem Blechbläser und einem Sportsmann. Sowohl Blechbläser wie Sportsmann sind auf einen guten physischen Status angewiesen.

Das Quellenmaterial sowie gewisse Zitate stammen aus «Rat und Anweisungen für den Sport der Jugendlichen» von Sportintendenten Lennart Jönsson und «Leistungspsychologie» von Willi Railo, Dozent an der Sporthochschule Oslo.

Können wir Blechbläser Nutzen ziehen aus den Erfahrungen von Sport und Turnen für die Planlegung unserer Übungen, unseres Trainings, unserer Aufwärmung, für die Vorbeugung von Schäden, für das Zusammenspiel von Anstrengung und Ruhe, Überkompensation sowie isometrisches Training? Oder mit anderen Worten: Können wir es uns leisten, die Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse des Sportes unausgenutzt zu lassen?

Übung (Training)

Das Training für einen Blechbläser kann nach meiner Meinung verglichen werden mit dem Training für jeden beliebigen Sportzweig. Man stelle sich nur einmal die physische Belastung vor, die die Erzeugung eines hohen c" im Fortissimo für beispielsweise die Bauchmuskulatur mit sich bringt, deren zusammengelegte Muskelmasse ich gerne vergleichen will mit der Muskelmasse des Beines eines Läufers oder Springers oder des Armes eines Werfers, und dazu die für einen Bläser außerordentlich hohen Anforderungen an Lunge und Herz.

Das Üben sollte so angelegt werden, dass die Belastung sich sukzessiv steigert, es soll aber nicht dem kleinen Übungszimmer angepasst werden, das zu unserer Verfügung steht, sondern von vornherein mit Konzertsaalverhältnissen rechnen, der Umgebung der später angestrebten Berufsausübung also, was selbstverständlich wesentlich höhere physische Belastungen mit sich bringt.

Harte Übung bedeutet kräftige Belastung für eine Menge Muskeln im Körper, und je höher die Anstrengung ist, desto mehr Ruhe fordert der Körper (Übungspause). Ist das Zusammenspiel von Übung und Ruhe richtig ausbalanciert, so muss dieses dahin führen, was man im Sport Überkompensation nennt, und das bedeutet, dass man sich nach der Ruhepause auf einem höheren Leistungsniveau befindet als vorher. Die Steigerung der Belastung — Intensität/Quantität — ist nötig, wenn eine Steigerung des Leistungsvermögens erreicht werden soll.

Weiterlesen

Zugang zum vollständigen digitalisierten Brass Bulletin Archiv • CHF 5.– / Monat · jederzeit kündbar

Artikel teilen

Loading…