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Gesangsunterricht für Blechbläser?
Von Heinz Knodt
In Gottfried Reiche (Trompeter von Johann Sebastian Bach) bewundern wir einen Vertreter, der die Kunst des Clarino-Blasens in höchster Vollendung beherrschte. Wenn wir uns mit dem Instrumentarium - Naturtrompeten - beschäftigen, müssen wir immer wieder feststellen, dass ungeahnte Schwierigkeiten auftreten. Die Behauptung, die Bläser hatten nur mangelhaft ihre Partien ausgeführt, halte ich nicht für stichhaltig. An der Person von Reiche wird sichtbar, dass er neben dem Trompetenspiel auch die Kunst des Zink-Blasens beherrschte. Sollen es nur die sagenumwobenen Geheimnisse der Bläser-Zunft gewesen sein, die er mit ins Grab genommen hat, um eine h-moll Messe und all die schwierigen Kantaten zu blasen? Sei all den kritischen Betrachtungen und Hypothesen, die in den letzten Jahren aufgestellt wurden, gehen wir vielleicht an einem wesentlichen Punkt vorbei.
Reiche und viele seiner Zeitgenossen haben neben ihrem Trompetenspiel eng mit der Kantorei zusammen gearbeitet. Hier dürften Impulse ausgegangen sein, die vom Bläser mitverarbeitet wurden. Johann Ernst Altenburg weist in seiner Schule „Versuch einer Anleitung zur heroisch-musikalischen Trompeter- und Paukerkunst, Halle 1795“ darauf hin, dass er als Voraussetzung des Blasens das Singen betrachtet. Und schon Martin Agricola, der in den Lateinschulen den Instrumentalunterricht einführte, sagte: „Musica (hier Gesang) ist das Fundament, daraus herfliessen alle Instrumente“ (1528).
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