Die Streitwieser Stiftung «Das historische Trompeten-Museum»
Das Museum
Das Museum liegt in einem wunderschönen Landstrich. Eine Gruppe von verschiedenen Gebäuden sind von jahrhundertealten weissen Hickorynussbäumen umgeben. Das Hauptgebäude, wo die Streitwiesers mit ihren vier Kindern leben, war 1734 gebaut worden. An dieses Hauptgebäude schliesst sich ein abgeschiedener Sommer-Wohnsitz an, der 1820 gebaut worden war. Die Gruppe wird ergänzt durch ein Kühlhaus, das den Blick über einen grossen Teich freigibt, und das Museum selber, eine hübsche renovierte Scheune aus dem Jahr 1860, die jetzt beinahe wie ein Schloss aussieht. Man brauchte ein ganzes Jahr, um diese Scheune zu renovieren, indem man den ursprünglichen Bau entfernte und darauf vom Boden weg neu aufbaute. Das Haus besitzt heute ungefähr 70 m² Ausstellungsvitrinen, in welchen über 300 Blechblasinstrumente jeder Grösse und jeder Form ausgestellt sind. Der grosse rechteckige Raum dient gleichzeitig als Konzertsaal, in welchem ungefähr 200 Zuhörer plaziert werden können. Das Gebäude weist zudem eine Werkstatt auf, wo Instrumente repariert werden, ein Büro, eine wissenschaftliche Bibliothek, welche auch als Solistenzimmer für Konzertbläser benützt wird, einen Vorlesungssaal, welcher häufig Demonstrationen im Rahmen von Vorlesungen dient, und die Wohnung des Abwarts.
Das Museum bietet eine Serie von Kammermusikabenden an, die bei den umliegenden Gemeinden sehr beliebt geworden sind.
Die Scheune, in welcher sich das Museum befindet, wird von den ursprünglichen 120 Jahre alten Holzriegeln gestützt, und die Holzböden tragen ebenfalls zu der ländlichen Atmosphäre bei, die das Museum ausstrahlt. Auf der nach aussen gelegenen Seite des Gebäudes ist ein grosses Fenster angebracht, das auf einen Teich hinausgeht, der die Umgebung widerspiegelt. Er dient als zukünftiger Aussichtspunkt für Freiluftkonzerte. Die Szenerie ist von atemberaubender Schönheit, und ein Besuch lohnt sich, nur schon um die üppige Umgebung zu geniessen, die so sehr einen Teil des Gesamteindrucks ausmacht.
Wie bereits angetönt, kann die Sammlung sowohl Musiker wie Nichtmusiker begeistern. Sie enthält von jeder Art Instrument mehrere Exemplare wie auch ganz alte Stücke aus aller Welt. Darunter befinden sich Posthörner, Glastrompeten, barocke Trompeten von jedem Typus, Trompeten aus dem Tibet, die dazu benützt wurden, böse Geister zu verscheuchen, Experimentalhörner mit einmaligem Schalltrichter und Ventilbildungen wie auch eine Menge von andern verwandten Blechblasinstrumenten und Ueberreste von Trommeln, Hunderte von Gemälden, Drucken und Figurinen, die das Leben der Trompeter der Vergangenheit schildern.
Tätigkeiten
Das Museum wird einzig und allein von den Streitwiesers verwaltet. Da es sich um eine private Sammlung handelt, die zudem das persönliche geistige Kind der Streitwiesers ist, sahen diese ihre Verantwortung darin, alle Funktionen des notwendigen Personals selbst zu übernehmen. Das Museum kann nur nach Voranmeldung besucht werden; mit vier Kindern und einem grossen Landsitz, ist dies die einzige Möglichkeit, die ihnen offensteht, um ein Besucherprogramm durchzuführen. Auch Schulen werden eingeladen, das Museum zu besuchen, und Franz und Catherine Streitwieser führen alle Besucher selber. Der Grund dafür liegt darin, dass die Ausstellungsgegenstände in keiner Weise angeschrieben sind. Franz Streitwieser jedoch kennt die Geschichte jedes einzelnen Instrumentes, und so benötigt man seinen Kommentar, um die Sammlung wirklich zu schätzen. Die Besucher dürfen sich die Instrumente anhören, und oft werden sie auch aufgefordert, sie selbst auszuprobieren. Die Streitwiesers verwenden viel Zeit darauf, die Sammlung weiter zu vergrössern, wobei Besitzer von alten Instrumenten durch den Ruf, den Franz Streitwieser und sein Museum gewonnen haben, angezogen werden.
Das Kontrollorgan des Museums ist die Streitwieser-Stiftung, die bei der I.R.S. registriert ist als gemeinnützige Organisation, nicht steuerpflichtig und bildungsorientiert. Spenden, welche der Stiftung von Einzelpersonen übermacht werden, werden vom steuerbaren Einkommen abgezogen. Die Streitwieser kaufen die Instrumente auf eigene Kosten und übermachen sie dann dem Museum als Schenkung. Ein Ausschuss von sechs Direktoren, der sich aus ortsansässigen Trompetern und Liebhabern von Blechmusik zusammensetzt, überprüft diese Operationen, wobei jedoch meistens die Streitwiesers selbst die Ziele und das Vorgehen der Organisation bestimmen.
Die Instrumente werden im Museum alle in einem grossen rechteckigen Saal gezeigt, in welchem Schauvitrinen und darüber einzelne Instrumente die Wände schmücken. Nur den Wänden entlang wird dieser Raum für Ausstellungszwecke benützt; die Mitte des Saales ist für die Aufführung von Konzerten freigelassen worden. Die Schaukästen stehen an den Querwänden. An den Längswänden wie auch hoch über den Schaukästen hängen die Instrumente frei. Die Kästen sind mit Instrumenten prall gefüllt und nach einzelnen Instrumententypen gruppiert. Als ich das Museum besuchte, war ich überwältigt von der Vielzahl an Instrumenten, die mir ins Auge stachen, wo immer ich den Blick hinwandte.
Während ich mich mit dem Streitwieser Museum beschäftigte, ist mir Verschiedenes aufgefallen, vor allem auch der aufrichtige Wunsch von Franz und Catherine Streitwieser, ihre Sammlung und ihre grossen Trompetenkenntnisse mit andern zu teilen. Sie besitzen in der Tat etwas Einmaliges, das sie ihren Besuchern mitteilen können.
Wenn man die Streitwiesers über ihre Zukunftspläne befragt, so sprechen sie davon, ihr kleines Museum zu einem Zentrum für Blechblasmusik auszubauen. Eine ihrer Absichten ist der Bau eines weiteren Sees und Aussichtspunktes für Sommerkonzerte. Je mehr sich ihr Ruf ausbreitet, desto mehr Trompeter werden kommen, an ihrem Wissen teilnehmen und mehr über das Erbe der Blasmusik lernen.