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Aufsteckkappen und Aufbau

Neue Zahnhilfen für Blechbläser

Aufsteckkappen und Aufbau

Ist es für einen Blechbläser möglich, Kraft, Ausdauer und Höhe zu gewinnen, indem er die Kontur seiner Vorderzähne verändert? Jerry Franks, landesweit bekannter Trompetenlehrer und Solist aus Indiana, stellte vor einigen Jahren die Theorie auf, dass bestimmte Zahnstrukturen in Bezug auf den Druck des hohen Registers günstiger sind, und dass eine bestimmte Art zahntechnischer Arbeit für weniger natürlich begabte Bläser zum selben Resultat führen sollte. Wenn die Zahnstellung flach ist, verteilt sich der Druck des Mundstücks gleichmässig, was einen Aderpresseneffekt hat und die Blutzirkulation und die Vibration behindert. Mühevolle Höhe und begrenzte Ausdauer sind die Folgen. Jerry Franks Studien zeigten, dass die beste Zahnstellung die ist, bei welcher die beiden oberen Schneidezähne keilförmig oder V-förmig zu einander stehen. Das bewirkt, dass der übermässige Druck von den oberen und unteren Schneidezähnen getragen wird. Da der Druck auf den Seiten abnimmt, kann das Blut frei zirkulieren, und der Bläser mit dergestalt abgeänderter Zahnstellung gewinnt an Kraft, Höhe und Ausdauer.

Franks arbeitete zuerst mit verschiedenen Orthodontisten zusammen und benutzte zur Erreichung seines Ziels Spangen, Spanner und Kronen (oder Kappen). Bei der Arbeit mit seinem eigenen Zahnarzt, Dr. Thomas D. Van Osdol fand er eine bessere Lösung: die Hartschalen-Aufsteckkappe. Mit Diagrammen und Bildern beschrieb Franks Dr. Van Osdol eine keilförmige Vorrichtung, die über die Zähne des Bläsers gesteckt werden konnte, um eine ungünstige Zahnstellung zu korrigieren. Dr. Van Osdol war in der Lage, eine massgefertigte klare Plastikkappe herzustellen, welche über die sechs oberen Vorderzähne und das umliegende Zahnfleisch gestülpt wurde. Die Kappe ist abnehmbar und ergibt einen senkrechten Stützkamm in der Mitte unter der Oberlippe.

Jerry Franks

Jerry Franks

Vor kurzer Zeit haben Jerry Franks und Dr. Van Osdol eine andere Methode zur Erreichung des selben Ziels entwickelt — den Aufbau. «Der Aufbau ist bei weitem das einfachste Verfahren. Es dauert nur 20 Minuten und kann sofort gebraucht werden» sagt Franks. «Wir benützen jetzt fast ausschliesslich diese Technik», meint Dr. Van Osdol, «sie erlaubt die Anwendung neuer Dentalprodukte, die es uns ermöglichen, durch ätzen Plastikmasse mit dem Zahn zu verbinden und die Form, Stellung und Grösse zu erreichen, die wir suchen.

Der Aufbau hat den Vorteil, dauernd im Mund zu bleiben, so dass keine bewegliche Aufsteckkappe mehr gebraucht wird. Eine andere gute Eigenschaft ist, dass der Aufbau völlig entfernbar ist. Anders gesagt: wenn das Resultat nicht befriedigt, kann man ihn leicht wieder wegnehmen, ergänzen, umformen oder was immer zur Erreichung unseres Ziels wünschbar ist.»

Vorne: Abguss linkes Modell = von einem Patienten vor dem Einsatz der Porzellan-Krone rechtes Modell = nach dem Einsatz

Vorne: Abguss linkes Modell = von einem Patienten vor dem Einsatz der Porzellan-Krone rechtes Modell = nach dem Einsatz

Beim Aufbauprozess wird weiche Plastikmasse auf die beiden oberen Schneidezähne aufgetragen und dann geformt. Jeder Zahn bekommt eine Keilform, mit dem dicken Teil des Keils in der Mitte. Dann wird die Masse mit einer optischen Lichtfiber katalytisch gehärtet. Die endgültige Form wird mit hochtourigen Diamantbohrern erreicht und anschliessend poliert, so dass das Ganze dem originalen Zahn-Schmelz sehr ähnlich ist. Von vorne ist der Unterschied nicht sehr auffällig, von der Seite oder von unten stellt man eine leichte Keilform fest.

Dr. Van Osdol beim untersuchen eines Patienten vor dem Abguss

Dr. Van Osdol beim untersuchen eines Patienten vor dem Abguss

Auftragen einen Art von Kott vor dem Verfeinerungs-Verfahren

Auftragen einen Art von Kott vor dem Verfeinerungs-Verfahren

«Der Patient wird eingeladen, sein Instrument zur Konsultation mitzubringen, da es direkt anschliessende Feinkorrekturen ermöglicht. In der Regel stellt man hörbare Verbesserungen sofort fest, es ist jedoch zu empfehlen, dass der Patient zum Lehrer, Jerry Franks, zurückkehrt und dieser ihm helfen kann, die neue Situation voll auszunützen. Ich arbeite seit 1975 mit Jerry Franks zusammen und habe ca. 40-50 seiner Schüler behandelt. Ich hatte auch einige Bläser, die nicht Schüler von Jerry Franks waren, aber ich ziehe es vor, mit einem Lehrer zusammenzuarbeiten, der weiss, worum es geht und dem Patienten das ganze Potential der Veränderung auszuschöpfen hilft.»

Vorderzähne vor dem Abguss

Vorderzähne vor dem Abguss

Vorderzähne mit dem Abguss

Vorderzähne mit dem Abguss

Jerry Franks und Dr. Van Osdol haben das Aufbauverfahren erfolgreich bei vielen Blechbläsern der USA angewendet — Studenten, Profis aus grossen Bigbands und Symphonieorchestern. Franks bemerkt aber, dass die Aufsteckkappe immer noch in Gebrauch ist für die Spieler grösserer Blechblasinstrumente, die nicht, wie die Trompeter, nur auf den Zähnen aufsetzen. Hier ist die Kappe besser als ein Aufbau, da sie auch das Zahnfleisch teilweise überkappt.

Jerry Franks fasst zusammen: wenn du die Ansatzpunkte nicht hast — sei es durch die Natur, sei es durch einen Aufbau — wird Deine Höhe begrenzt sein. Aber denk daran, dass die Zahnstellung nur ein Drittel der Sache ist: du musst trotzdem eine korrekte Ansatzmuskulatur entwickeln und eine richtige Zwerchfellstütze üben.»

Vorderzähne nach abgeschlossener Behandlung (im Spiegel)

Vorderzähne nach abgeschlossener Behandlung (im Spiegel)

Trotz seiner 1978 aufgetretenen Blindheit («bloss ein Hindernis», sagt er) verfolgt Frank seine zahntechnischen Studien weiter, neben seiner intensiven Aktivität als Collegelehrer, Referent und Bläser. Er sagt, dass Dr. Van Osdol der einzige ihm bekannte Zahnarzt im Lande ist, der diese Arbeit mit Blechbläsern durchführt, aber er hofft, dass bald mehr Zahnärzte, Blechbläser und Lehrer lernen, von den Vorteilen der Aufsteckkappen- und Aufbautechnik zu profitieren.

Für weitere Informationen:

Jerry Franks, 501 N. 10th St, Gas City, IN 46933, USA
Dr. Thomas D. Van Osdol, Kosciusko Professional Arts Building, 2259 DuBois Dr, Warsaw, IN 46580, USA

Brass Bulletin 49, I / 1985 Seiten 80–86

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