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Vom Krummhorn
Aus Pierre Trichets Traité des Instruments de Musique (um 1640)
Von Pierre Trichet
Der Tornebout oder Tournebout (Krummende) ist ein Musikinstrument, welches antike Überlieferung enthält. Es ist in Frankreich nicht so im Schwange wie in Deutschland und England, wo man in Herstellung und Handhabung desselben weit geschickter ist. Er gleicht in keiner Weise dem Krummstab, den unsere Prälaten tragen. Daher geziemt ihm der lateinische Name lituus (Büchel) recht, und noch viel mehr der französische Name. Er wird zu Recht Tournebout genannt (tourner = wenden, drehen; bout = Ende), denn er hat ein gewundenes Ende — und nicht etwa deshalb, weil man das Ende zum Spielen umdrehen muss, um es ansetzen zu können. Jene, die das Instrument spielen, finden es so sanft und angenehm, dass sie es gerne oft ansetzen.
Wir haben herausgefunden, dass die Römer seinerzeit zwei Arten von Lituen hatten: den auguralen (religiösen) und den militärischen. Heute kann man eine dritte Art anfügen — den Tournebout — der obgenannten in seiner gewundenen Form gleicht, der auch verschiedene Töne hervorbringen kann, wie der militärische Lituus, aber in ganz anderer Weise. Der Tournebout unterscheidet sich von den beiden anderen dadurch, dass er mehrere Löcher hat und nicht aus Messing ist.
Wer hat noch nie eine unserer Bastardtrompeten oder Militärclairons gesehen, die einem Krummstab gleichen oder mindestens ein wenig krumm sind? Es stimmt, dass man manchmal Windungen anbringt, aber man kann ihnen trotzdem nicht den lateinischen Namen aduncus oder incurvus geben wie den Lituen. Ich war sehr erstaunt über die enorme Grösse des Instrumentes, welches Gesner (in descrip. mont., p. 52) als lituus alpinus (Alphorn) bezeichnet und das fast elf Fuss Länge haben soll. Es besteht aus zwei ausgehöhlten und etwas gebogenen Holzstücken, die sauber von einem Ende zum anderen mit Korbweide zusammengefügt sind. In Loches in der Touraine besitzt ein gewisser Apotheker namens Voisin ein fast gleiches Instrument, wie man mir berichtet hat, dessen Mundstückkessel durchaus nicht dem der Trompete gleicht. Ich besitze in den Merkwürdigkeiten meines Kabinetts eine kleine Alpentrompete, die mehrfach mit Rinde umwickelt ist, aber keine zwei Fuss in der Länge misst.
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Brass Bulletin 48, IV / 1984 Seiten 71–73
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