Das Material (vor allem des Schallstücks) wird in den Prospekten vieler Hersteller angeführt. Martin präzisiert «natürliches Gelbmessing», Holton «normales (gelbes) Messing», während Yamaha von «speziellen Yamaha-Legierungen» spricht und dann besondere Schallstücklegierungen für Trompeten, Cornets, Flügelhörner und Posaunen — nicht aber für Hörner, Euphonien und Baßtuben — anführt.
Was Waldhörner anbetrifft, läßt uns Reynolds wissen, daß «Messing den Instrumenten einen etwas helleren, freieren Klang gibt als Neusilber». Conn stimmt bei: «Verwendung von Messing statt Neusilber für das Schallstück verleiht diesem Instrument einen leicht helleren Ton». Reynolds erklärt dies mit der Enthüllung, daß «eine Konstruktion aus massivem Neusilber einen dunkleren, resonanteren Klang erzeugt». Doch Paxman sät diesbezüglich Zweifel: «Die bedeutend 'dunklere' Tonqualität wurde (unseres Erachtens fälschlicherweise) der Legierung zugeschrieben statt dem grundlegend verschiedenen Schallstückprofil... Neusilber hellt den Ton auf... und verdichtet ihn zu erfrischender Klarheit».
Reynolds-Posaunen sind «dank Vernickelung zeitgemäß in Klang und Aussehen», und Conn läßt die Tubisten wissen, daß «Hartvernickelung der Stürze eine bessere Resonanz» ergibt. Demgegenüber behauptet Schilke, daß «metallische Oberflächenveredelung die Spieleigenschaften von Blechblasinstrumenten nicht beeinflußt», was Olds nicht davon abhält, ihre Superstar-Reihe damit anzupreisen, daß ihre «Glanzversilberung eine Klangqualität abstrahlt, die hervorsticht und die Führung an sich reißt». King produziert ein Cornet mit «massivem Sterlingsilberschallstück», welches «...mit weniger Aufwand weiter abstrahlt».
Wenn Gelbmessing auch als Standardmaterial gilt, bieten Modellreihen der Spitzenklasse — serienmäßig oder als «Extra» — auch Goldmessingausführungen. Nach Ansicht von Conn, Bach, Olds, Paxman und Miraphone wird durch dieses Material der Klang als «dunkel», «verschleiert», «weich», «sonor», «elastisch», «kompakt», «rund», «füllig», «delikat», «reichhaltig» und «tragfähiger» festgelegt. Obschon zweifelhaft belegt, sind diese Aussagen einigermaßen übereinstimmend im Vergleich zu denjenigen über Instrumente, die aus anderem Material oder nach anderen Verfahren hergestellt werden. Holton, Yamaha, Getzen und Reynolds geben für einige ihrer Modelle Goldmessing an, sagen aber wenig oder nichts darüber.
Auch verschiedene weitere Materialien werden verwendet: Conn bietet aus Kupfer elektrisch geformte Coprion-Schallstücke an, die der Trompete einen «dunkleren, reicheren Klang verleihen» sollen. Auch ein Electro-D-Schallstück verfertigt Conn, elektrisch geformt aus einer nicht näher bezeichneten Legierung, doch wird präzisiert, daß dieser Typ «für stabile und präzise Ansprache sorgt». Reynolds wartet mit einer Posaune auf, deren «Bronze-O-Lite-Stürze den Klang gebündelt abschickt», und mit einer anderen, deren «Schallstück aus einer Bronzelegierung einen... reicheren, dunkleren Klang und hervorragende Abstrahlung bewirkt».
Noch weiter forschte Schilke: «Ein stählernes Schallstück klingt beim Antippen wie ein helles Glöckchen. Wird das Instrument aber angeblasen, ist der Klang extrem dumpf... Klopft man an ein Schallstück aus Blei, so gibt es einen äußerst dumpfen Klang von sich, als klopfte man an Holz. Beim Blasen hingegen klingt es ungemein strahlend». Diese Ergebnisse brachten Schilke auf seine Beryllium-Bronze, von der er sagt: «Die wunderbare akustische Wirkung dieses Materials beruht auf seiner außerordentlichen klanglichen Tragfähigkeit. Seine Klangabstrahlung ist geradezu phänomenal».
Miraphone verwendet eine «Messinglegierung nach geheimer Formel, die jenen ebenso reichhaltigen wie schlackenlosen symphonischen Klang erzeugt, der Miraphone-Instrumente vor allen anderen auszeichnet».
Häufig werden nicht nur der Legierung spezifische Eigenschaften zugeschrieben, sondern auch der Stärke und mechanischen Beschaffenheit des Metalls. Gehämmerten bzw. ausgeglühten Schallstücken sind wir bereits begegnet. Darüber hinaus besteht Conn darauf, daß «elektrische Formung erlaubt, Form, Körnung und Stärke des Metalls unter Kontrolle zu halten... nach dieser Methode erzeugte Schallstücke weisen hervorragende klangliche Qualitäten in einem großen dynamischen Bereich auf». In Yamahas Werkstätten dagegen wird «das Schallstück gehämmert, was viel zur guten Ansprache und einzigartigen Tonschönheit des Instrumentes beiträgt».
Olds erläutert das Prinzip seiner «Ultraschall-Schallstücke», die nahtlos sind, weil sich «Nähte im Klang tatsächlich bemerkbar machen. Die akustisch toten Nähte aus Lötzinn brechen die natürlichen Schwingungen des Schallstücks, d.h. die Schallwellen, genau so wie Wellenbrecher die natürliche Brandung der See behindern».
Nahtlosigkeit wird auch im Hause King hochgehalten, dessen «nahtloses Schallstückende wellenfrei ist, einheitlich in Körnung und Metallstärke», und ebenso bei Yamaha, deren «Schallstücke, nahtlos verschweißt, ungraviert, in verschiedenen Wandstärken geformt, eine wundervolle Tonqualität, reinste Stimmung und gleichmäßige Ansprache in allen Lagen gewährleisten».
Dieselbe Firma Olds, die «Ultraschall-Schallstücke» fabriziert, wirbt für eine Posaune mit dem «aufsehenerregenden 'Klangreifen' an der Stürze, welcher die von der Musik unserer Zeit geforderte Klangfarbe ergibt», und Yamaha erwähnt einen «speziell verbleiten Stürzenrand», welcher «die leichte Ansprache und gut zentrierte Tonqualität des Instrumentes zusätzlich verbessert».
Es gibt Leute, die ein Instrument durch Antippen des Schallstücks beurteilen. Diesen Test besteht Martins Posaune Modell Urbie Green mit «ding, nicht mit klunk. Dieses Instrument vibriert auf Ihren Lippen... Sie können den Ton geradezu fühlen... es lebt». Reynolds beschert uns die Trompete mit dem «lebenden Schallstück», und Getzens Eterna-Trompete hat ein «Schallstück mit speziellen akustischen Eigenschaften, welche Sie gleichermaßen fühlen wie hören können».
Andererseits berichtet Schilke, daß «das Instrument als Ganzes umso besser ist, je träger es sich gegenüber Schwingungen verhält. Hingegen wird seine Klangqualität durch Stärke und Härtegrad des Metalls in Mundrohr, Stimmzug und Schallstück in hohem Maße beeinflußt». Und: «Übermäßig gehärtetes Metall gibt zu viele Eigenvibrationen ab».
Die Wandstärke ist eine vieldiskutierte Größe. Bei Bach werden «die aus einem Stück geformten Schallstücke zwecks maximaler Resonanz nach einer geheimen Formel in der Wandstärke abgestuft». Auch wird ein Instrument «mit dünnwandigem Schallstück für brillanten Klang und minimalen Widerstand» fabriziert. Yamahas «Schallstücke werden unter automatischer Kontrolle der Materialstärke präzisionsgeformt... und mit dem Mikrometer auf fehlerlose Stärke und tonliche Ansprache getestet», doch scheinen die Hersteller über die wünschenswerte Wandstärke im Unklaren zu sein, denn sie verfertigen einerseits Instrumente, die «im Hinblick auf bessere Tonqualität in gleichbleibender Wandstärke ausgearbeitet werden», andererseits aber solche «mit fein abgestufter Schallstückwandstärke, welche die Klangeigenschaften des Instrumentes entscheidend beeinflußt».
Schilke spricht über «die Stärke eines gewöhnlichen Messingschallstücks», welche nach ihm «an den empfindlichen Stellen zwischen 0,3 und 0,35 mm betragen sollte... aus Beryllium-Bronze kann ich aber Schallstücke machen, bei denen diese Stellen nur 0,15 bis 0,18 mm dick sind», womit er seiner Aussage widerspricht, daß Instrumente so wenig wie möglich mitvibrieren sollten.
Daß bei Violinen der Lack die akustischen Eigenschaften des Instrumentes entscheidend beeinflussen kann, gilt weitherum als erwiesen. Einige halten dies auch für Blechblasinstrumente für zutreffend. Conn verwendet einen Lack namens Lustre-Conn, von dem «nur ein hauchdünner Überzug genügt, so daß die natürliche Klangschönheit des Instrumentes erhalten bleibt». Yamaha rühmt sich, daß «...dank unseren Fortschritten auf dem Gebiet der Chemie Lacke entwickelt worden sind, die höchste Klangtreue und Klarheit bis ins Detail gewährleisten». Schilke dagegen berichtet, daß sein «lackiertes Instrument in der Tonqualität sehr stark beeinträchtigt und die Gesamtstimmung verändert war», was seiner Ansicht nach daran liegt, «daß Lack etwa 0,18 mm dick ist, die Versilberung aber nur etwa 0,013 mm» und damit — wie er behauptet — zu dünn, um das Instrument zu beeinflussen.
Bisher haben sich die meisten Aussagen einzig auf das Schallstück bezogen, obwohl sich Schilke auch zur Wandstärke von Mundrohr und Stimmzug hat vernehmen lassen. King bietet zusätzlich zum massiven Sterlingsilberschallstück seines Cornets auch ein «massives Sterlingsilbermundrohr» an, das «sich die einzigartigen Eigenschaften von Sterlingsilber zunutze macht, um einen dunklen, aber extrem resonanten Klang zu erzeugen», und Yamaha fertigt eine Posaune, deren «vollständig aus einem Stück gezogener Gelbmessingaußenzug... viel zur guten Resonanz dieses Instrumentes beiträgt».
Offensichtlich wird also viel über die mechanischen und physikalischen Eigenschaften der für Blechblasinstrumente verwendeten Materialien und Veredelungen geschrieben. Die Hersteller scheinen kaum daran zu zweifeln, daß die Materialien für die akustischen Qualitäten der Instrumente von entscheidender Bedeutung sind, doch widersprechen sie sich, wenn es darum geht, diese Bedeutung zu definieren. Einzig Schilke nimmt sich die Mühe, seine Behauptungen zu belegen, doch sind seine Experimente bei weitem nicht gewissenhaft genug und seine Erklärungen nicht annähernd wissenschaftlich.
Wer hat denn nun recht, und wer unrecht? Wenn dieser Artikel auch etwas spöttisch klingen mag, so hoffen wir doch, daß dahinter unser Anliegen spürbar bleibe: die Notwendigkeit, die im Vorstehenden beleuchteten Meinungsverschiedenheiten mittels schlüssiger und rationaler wissenschaftlicher Experimente zu klären.
Das Problem besteht unter anderem darin, daß es zu viele veränderliche Größen gibt, darunter nicht zuletzt die Produktionstoleranzen: Welcher Hersteller kann sich schon rühmen, daß sich alle Instrumente aus einer seiner Produktionsserien gleich spielen? Diese zufälligen Unterschiede mögen schwerer wiegen als all die dem Material zugeschriebenen Subtilitäten.
Zu viele Leute haben versucht, alle Probleme auf einen Schlag zu lösen, und haben Ergebnisse hervorgebracht, die bis heute keine signifikanten Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt haben, die es erlauben würden, zwingende Schlüsse vom Material auf die Spieleigenschaften zu ziehen. Wir hoffen, daß dies nicht mehr allzu lange so bleiben werde!