Brass Bulletin 17, I / 1977 (Seite 28–29) · 2 Min. Lesezeit
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Dieses Instrument habe ich mir selbst geformt

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Dieses Instrument habe ich mir selbst geformt

Wie oft hat man das schon gehört? Quatsch!

Trompete, Horn, Posaune, Tuba sind Aerophone. Das System der Tonerzeugung besteht aus den Lippen, die eine bestimmte Anzahl Vibrationen aussenden. Diese Vibrationen werden auf eine Luftsäule übertragen, welche ihnen ihre Struktur, ihre Klangfarbe verleiht. Die Lippenbewegungen werden vom Menschen erzeugt, die Luftsäule ist durch die Röhren des Instrumentes bestimmt. Beide Elemente streben nach Ausgleich. Im Idealfall erhält man ein Höchstmass an Genauigkeit und Klangreichtum. Ist dies nicht der Fall, und da die Lippen das einzige bewegliche Element sind, werden sie versuchen, die Luftsäule so zu beeinflussen, wie sie es für richtig halten. Der Molekulardruck der Luftsäule ändert sich ständig, die Lippenvibrationen variieren: Knoten und Bäuche sind für jede Note verschieden. Ein Instrument «formen» hieße also, die Bildung von Schwingungsknoten zu erleichtern, indem man an diesen Stellen künstliche Druckbäuche entstehen ließe. Da aber die Luftsäule eine feste Abgrenzung — die Röhre — hat, müsste dem durch Ablagerung irgendeiner Masse abgeholfen werden. In diesem Fall wären einige Noten begünstigt, jene eben, die einen Druckbauch (Schwingungsknoten) an der Ablagerungsstelle aufweisen; die anderen Noten hingegen stiessen auf grösseren Widerstand.

Vom Akustischen her kann das Instrument, so wie der Instrumentenmacher es zum Verkauf anbietet, nicht mehr «geformt» werden. Höchstens kann es durch Beulen verformt werden. Die Lippe aber kann erzogen werden, kann sich anpassen. Bei der Herstellung wird die Röhre — von der formgebenden hydraulischen Presse gehalten — einem 400 Atü schweren Druck ausgesetzt. Welcher Mensch könnte hier rivalisieren? Natürlich niemand, mit einem Schnippchen aber kann ich einer Lippe dauerhaften Schaden zufügen.

Geht es um ein Instrument, so klingt es schon überraschend, wenn man behauptet, man könne es durchs Blasen «formen»; um so seltsamer, wenn nicht sinnlos, scheint es, ein Mundstück «formen» zu wollen. Man formt weder das Instrument noch das Mundstück, man passt sich an. Darin besteht die Arbeit am Instrument.

Nicht um Hochmütigen ihren Irrtum zu beweisen, habe ich diesen Aberglauben nichtig machen wollen, sondern, weil er in der Musikpädagogik gefährlich ist: es kommt vor, dass ein Lehrer einem Anfänger davon abrät, sich ein gutes Instrument anzuschaffen, unter dem Vorwand, dass er es wegen Mangel an Erfahrung und ungeschickten Blasens verformen könnte. Der Schüler wird sich dann womöglich die Lungen auf ein schlechtes Instrument ausblasen dürfen, weil die Ventile undicht sind... Bald ist er dann entmutigt oder durch sein Instrument verformt. Oder aber verbessert sich der erzeugte Klang trotz guten Instrumentes mit der Zeit nicht, wird behauptet werden, dass das Instrument am Anfang schlecht geformt worden ist, dass es nicht die Schuld des Schülers ist und dass einzig ein neues Instrument in Frage kommt...

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