Machen Sie Brass Bulletin an Ihrer Hochschule, Ihrem Konservatorium oder Ihrer Bibliothek verfügbar Institutionellen Zugang entdecken

2 Min. Lesezeit

Dieses Instrument habe ich mir selbst geformt

Dieses Instrument habe ich mir selbst geformt

Wie oft hat man das schon gehört? Quatsch!

Trompete, Horn, Posaune, Tuba sind Aerophone. Das System der Tonerzeugung besteht aus den Lippen, die eine bestimmte Anzahl Vibrationen aussenden. Diese Vibrationen werden auf eine Luftsäule übertragen, welche ihnen ihre Struktur, ihre Klangfarbe verleiht. Die Lippenbewegungen werden vom Menschen erzeugt, die Luftsäule ist durch die Röhren des Instrumentes bestimmt. Beide Elemente streben nach Ausgleich. Im Idealfall erhält man ein Höchstmass an Genauigkeit und Klangreichtum. Ist dies nicht der Fall, und da die Lippen das einzige bewegliche Element sind, werden sie versuchen, die Luftsäule so zu beeinflussen, wie sie es für richtig halten. Der Molekulardruck der Luftsäule ändert sich ständig, die Lippenvibrationen variieren: Knoten und Bäuche sind für jede Note verschieden. Ein Instrument «formen» hieße also, die Bildung von Schwingungsknoten zu erleichtern, indem man an diesen Stellen künstliche Druckbäuche entstehen ließe. Da aber die Luftsäule eine feste Abgrenzung — die Röhre — hat, müsste dem durch Ablagerung irgendeiner Masse abgeholfen werden. In diesem Fall wären einige Noten begünstigt, jene eben, die einen Druckbauch (Schwingungsknoten) an der Ablagerungsstelle aufweisen; die anderen Noten hingegen stiessen auf grösseren Widerstand.

Vom Akustischen her kann das Instrument, so wie der Instrumentenmacher es zum Verkauf anbietet, nicht mehr «geformt» werden. Höchstens kann es durch Beulen verformt werden. Die Lippe aber kann erzogen werden, kann sich anpassen. Bei der Herstellung wird die Röhre — von der formgebenden hydraulischen Presse gehalten — einem 400 Atü schweren Druck ausgesetzt. Welcher Mensch könnte hier rivalisieren? Natürlich niemand, mit einem Schnippchen aber kann ich einer Lippe dauerhaften Schaden zufügen.

Geht es um ein Instrument, so klingt es schon überraschend, wenn man behauptet, man könne es durchs Blasen «formen»; um so seltsamer, wenn nicht sinnlos, scheint es, ein Mundstück «formen» zu wollen. Man formt weder das Instrument noch das Mundstück, man passt sich an. Darin besteht die Arbeit am Instrument.

Nicht um Hochmütigen ihren Irrtum zu beweisen, habe ich diesen Aberglauben nichtig machen wollen, sondern, weil er in der Musikpädagogik gefährlich ist: es kommt vor, dass ein Lehrer einem Anfänger davon abrät, sich ein gutes Instrument anzuschaffen, unter dem Vorwand, dass er es wegen Mangel an Erfahrung und ungeschickten Blasens verformen könnte. Der Schüler wird sich dann womöglich die Lungen auf ein schlechtes Instrument ausblasen dürfen, weil die Ventile undicht sind... Bald ist er dann entmutigt oder durch sein Instrument verformt. Oder aber verbessert sich der erzeugte Klang trotz guten Instrumentes mit der Zeit nicht, wird behauptet werden, dass das Instrument am Anfang schlecht geformt worden ist, dass es nicht die Schuld des Schülers ist und dass einzig ein neues Instrument in Frage kommt...

Brass Bulletin 17, I / 1977 Seiten 28–29

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1977–2026

Artikel teilen

Facebook LinkedIn
Wird geladen…

Fragen und Antworten

So funktioniert die digitale Ausgabe

Was enthält die digitale Ausgabe?

Die digitale Ausgabe vereint die bereits digitalisierten Artikel als lesbare und durchsuchbare Online-Texte – nicht nur als Scans oder PDF-Dateien – mit ihren ursprünglichen Abbildungen, Anmerkungen, Angaben zu Autoren und Ausgaben sowie den verfügbaren Übersetzungen. Empfehlungen verwandter Artikel umfassen derzeit nur dieses digitalisierte Material.

Sind die digitalen Artikel mit den Originalen identisch?

Wir bewahren den ursprünglichen Text, die Sprache, Abbildungen, Bildlegenden, Fußnoten und den redaktionellen Kontext so originalgetreu wie möglich. Die Darstellung wird für ein angenehmes Lesen am Bildschirm angepasst; offensichtliche Übertragungs- oder Scanfehler können korrigiert werden. Inhalt und Charakter des veröffentlichten Artikels bleiben unverändert.

Welche Sprachen sind verfügbar?

Brass Bulletin erschien während seiner gesamten Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch. Italienische und spanische Übersetzungen kamen ab Ausgabe Nr. 60 hinzu.

Auf der italienischen und der spanischen Website werden die Artikel aus den Ausgaben 1 bis 59 daher standardmäßig auf Englisch angezeigt.

Wie oft werden neue Artikel hinzugefügt?

Neue Artikel werden fast täglich hinzugefügt; ungefähr eine vollständige Ausgabe wird pro Woche digitalisiert. Das Tempo kann je nach erforderlicher Vorbereitung, Bildbearbeitung und redaktioneller Prüfung variieren.

Warum sind noch nicht alle Artikel digital verfügbar?

Die vollständige Sammlung von Brass Bulletin umfasst 1’246 Artikel aus den Jahren 1971 bis 2003. Das vollständige Verzeichnis ist bereits online verfügbar und ermöglicht es, jeden Artikel der Sammlung zu entdecken – auch jene, deren vollständiger Text noch nicht digitalisiert wurde.

Die Digitalisierung begann im Februar 2026. Jeder Artikel wird sorgfältig für die Online-Lektüre aufbereitet, geprüft und mit seiner Ausgabe, den Autoren, Themen und Abbildungen verknüpft. Beim derzeitigen Digitalisierungstempo wird die vollständige Sammlung voraussichtlich bis Februar 2028 online verfügbar sein.

Warum verweisen manche Quellen auf Artikel, die noch nicht verfügbar sind?

Verweise in den Originalartikeln bleiben erhalten, auch wenn das Material, auf das sie hinweisen, noch nicht digitalisiert wurde. So bleiben die historischen und redaktionellen Zusammenhänge vollständig erhalten. Mit jeder weiteren digitalisierten Ausgabe werden mehr dieser Verweise zu online lesbaren Artikeln führen.

Kann ich einen Artikel vorschlagen oder einen Übertragungsfehler melden?

Ja. Wenn Sie einen bestimmten Artikel gerne digitalisiert sehen möchten oder einen möglichen Übertragungsfehler beziehungsweise eine fehlende Information entdecken, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Rückmeldungen unserer Leser helfen uns, die digitale Ausgabe zu verbessern und sinnvolle Prioritäten im Archiv zu setzen.

Wie kann ich Brass Bulletin unterstützen?

Ihre Unterstützung hilft, die Aufbereitung, Überprüfung und Online-Veröffentlichung der vollständigen Sammlung zu finanzieren.

Digitalausgabe abonnieren

Möchten Sie uns lieber unterstützen, ohne ein Abonnement abzuschließen?

Spenden

Brass Bulletin durchsuchen.