Brass Bulletin 34, II / 1981 (Seite 29–36) · 7 Min. Lesezeit
Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt © Brass Bulletin 1981–2026

Blasen als Körperfunktion

Körperhaltung, Atemführung und Bewegungsabläufe verbinden sich zu einer praktischen Betrachtung der Tonbildung, in der William F. Cramer gängige Annahmen hinterfragt.
Blasen als Körperfunktion

Über Atmung und Atemstütze ist schon so viel geschrieben worden, dass sich beinahe entschuldigen muss, wer all dem noch etwas hinzufügen will. Andererseits scheint die Fülle von Material auch zu besagen, dass das Problem noch nicht zu allgemeiner Zufriedenheit gelöst ist.

Dieser Beitrag möchte deshalb einige Ideen formulieren, die Lehrern und Schülern ein Arbeitsprogramm aufstellen helfen sollen, das zu befriedigenderem Spiel führen wird.

Die Atmung ist bekanntlich ein natürlicher und unwillkürlicher Vorgang und als solcher rein passiv, mit dem Zweck, den Körper mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff zu versorgen. Blasen dagegen ist eine äusserst zielgerichtete Tätigkeit, mit dem Zweck, Stimmbänder oder Lippen in Schwingung zu versetzen oder durch den ausgestossenen Luftstrom ein Objekt aus dem Körper hinauszubefördern.

Entgegen einer verbreiteten Meinung sind die zum Atmen und die zum Blasen eingesetzten Muskeln nicht dieselben. An jeder äusseren Körperbewegung ist zu beobachten, dass ein Muskel Bewegung in einer Richtung bewirkt, für die gegenläufige Bewegung aber ein anderer zuständig ist. Heben und Senken des Armes wird durch entgegengesetzte Muskeln bewirkt, deren einer die Tätigkeit des andern steuert.

In ähnlicher Weise beruhen zielgerichtetes Atmen und Blasen auf der Tätigkeit gegensätzlicher Muskeln. Die Einatmung beschafft die erforderliche Luftmenge, um eine musikalische Phrase ganz durchzuführen, wobei die Sauerstoffzufuhr nebensächlich ist. Das Blasen hat das Ausstossen dieser Luft zum Ziel, so dass die Stimmbänder oder Lippen in Schwingung versetzt werden.

Drei verschiedene Atem- und Blastechniken sind denkbar, obwohl keine davon je ohne Beteiligung der andern vorkommen dürfte. Jede von ihnen dient dem Zweck, den Rumpf über seine Ruhestellung hinaus derart auszudehnen, dass Luft einströmt, um den zusätzlich entstandenen Raum auszufüllen.

Die erste dieser Techniken ist allgemein als Zwerchfellatmung (diaphragmatische Atmung) bekannt. Dabei zieht sich das Zwerchfell, ein konvexer, kuppelförmiger Muskel zwischen Brustkorb und Bauchhöhle, nach unten zusammen, dadurch im Brustraum Unterdruck erzeugend, der zum Ausgleich Luft in die Lungen strömen lässt.

Weiterlesen

Zugang zum vollständigen digitalisierten Brass Bulletin Archiv • CHF 5.– / Monat · jederzeit kündbar

Artikel teilen

Loading…