BrassBulletin

Internationales Magazin für Blechbläser

Brass Bulletin 30, II / 1980 (Seite 3–4) · 2 Min. Lesezeit
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Vorwort

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Vorwort

Also ihre Trompete stimmt?

Aber in bezug worauf? In sich selber? Mit einem Klavier? Einer Orgel? Einem Stroboskop? Mit einem Geiger? Aber mit welchem?

Den meisten versierten Bläsern ist schmerzlich bewusst, dass Intonationsreinheit eine äusserst facettenreiche Kunst ist, die letztlich, in Anbetracht des spontanen Charakters jeglichen Musizierens, vom Spieler ein gewisses Mass an Flexibilität erfordert, um sich zu jedem Zeitpunkt der spezifischen musikalischen Umgebung anpassen zu können.

Dies steht in direktem Gegensatz zur Einstellung so vieler Musiker, die sich darauf versteifen, ihre Instrumente im voraus einzustimmen, gewöhnlich auf eine einzige Tonhöhe und zu einem isolierten Zeitpunkt, um dann in der Annahme weiterzuspielen, sie stimmten zu allem!

Wenn nun aber einer beispielsweise ein zweigestrichenes fis spielen sollte, das zu einem Tasteninstrument oder einem gleicherweise geeichten Stimmgerät stimmt, wird sich das fis als zu hoch erweisen.

Der Grund dafür liegt in der temperierten Stimmung, die zum Vermächtnis J. S. Bachs gehört und die gewisse mathematische Kompromisse bezüglich der Schwingungszahlenverhältnisse der Intervalle erfordert, damit die Tasteninstrumente mit einer chromatischen Skala operieren können, welche die Oktave in zwölf gleiche Halbtonschritte unterteilt.

Ein Resultat dieser Stimmung ist, dass gewisse Töne nach oben von Oktave zu Oktave höher werden.

Sollte nun aber dasselbe fis'' als grosse Terz im D-dur-Dreiklang fungieren, und diesmal in einem Ensemble, das sich zur reinen Stimmung bekennt (mit den mathematisch richtigen intervallischen Schwingungszahlverhältnissen), wäre es abermals zu hoch, aber diesmal auf Grund seines um 14 Cent zu grossen Intervallabstandes zum Grundton D.

Besonders beschwerlich aber ist für Blechbläser und Bläser überhaupt, was Pablo Casals expressive Intonation nannte.

Es ist dies — in Kürze — eine vor allem von Streichern gepflegte Spielpraxis, bei der sich die Intonation — oft in willkürlicher und übertriebener Weise — nach der Gestaltung der Phrase und nach der Stimmführung richtet.

Wenn nun also unser fis zusammen mit Violinen als Leitton in G-dur gespielt würde, klänge es zu tief; würde es aber, als ges notiert, nach f führen, klänge es zu hoch.

Das mag alles grob vereinfacht sein, aber es dürfte dennoch den Standpunkt plausibel machen, dass die Kenntnis des ganzen Spektrums von Intonationsproblemen dem gewissenhaften Musiker eine unschätzbare Hilfe sein könnte und Voraussetzung für jede fundierte Diskussion über Stimmung ist.

Christopher Leuba, Ex-Solohornist des Chicago Symphony Orchestra, hat eine prächtige Broschüre geschrieben, A Study of Musical Intonation, welche das Thema wissenschaftlich angeht, das Schwergewicht aber auf die Konsequenzen für den Instrumentalisten legt.

Das Büchlein ist in amerikanischen Musikerkreisen ein Geheimtip geworden, und wir finden, es gehörte in jede Musikerbibliothek.

Brass Bulletin wird es in drei Folgen vollumfänglich abdrucken, beginnend mit Nr. 32 (November 1980).

Thomas Stevens

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