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Dynamik in den achtziger Jahren

Von Reykjavik bis zur Hollywood Bowl verändern größere Säle und verstärkte Klangwelten das orchestrale Gleichgewicht akustischer Instrumente.
Dynamik in den achtziger Jahren

1967 hatte ich das Vergnügen, als Gast der «Icelandic Band Association» in Reykjavik einen Kurs für tiefe Blechbläser zu geben. An einem freien Tag führte mich mein Gastgeber in zweistündiger Autofahrt in ein unglaublich ruhiges und friedliches Dorf namens Reykholtsdalur, wo wir das Haus seiner Familie besuchten.

Der Hausherr war ein Mann von 84 Jahren, der nie zuvor einem Fremden begegnet war, Reykholtsdalur nur einmal verlassen hatte, als junger Mann, um einige Tage in Reykjavik zu verbringen, und sich beklagte, dass Reykjavik viel zu lärmig sei. (Wer je in Island war, wird wissen, dass Reykjavik, gemessen an anderen westlichen Hauptstädten, ausgesprochen ruhig ist.) Er hatte in seinem Leben denn auch sehr wenig akustische Umweltverschmutzung kennengelernt; die Notwendigkeit, gegen andere Geräusche als die der Natur ankämpfen zu müssen, war ihm sozusagen unbekannt.

Dieser bejahrte Herr hatte die leiseste Sprechstimme, die ich je gehört habe, und doch war sie klar und klangvoll. Gespräche mit Kollegen haben mich überzeugt, dass Musiker sich im Stillen nach einer akustisch derart reinen Umwelt sehnen. In Wirklichkeit ist aber die akustische Verschmutzung in unserem Leben sempre poco a poco crescendo.

In der Musik ist im Laufe der letzten hundert Jahre der allgemeine Lautstärkepegel ebenso unaufhaltsam gestiegen wie der Einstimmton, und die Fähigkeit, lauter zu spielen, entwickelte sich im Rahmen der allgemeinen technischen Expansion.

Wirtschaftslage und Bevölkerungsballung hatten zur Folge, dass die in den letzten zwei Jahrzehnten neu errichteten Konzertsäle gross genug gebaut wurden, um dem heutigen Publikumsandrang gerecht zu werden und Kasseneinnahmen zu gewährleisten, welche die enormen Betriebskosten heutiger musikalischer Institutionen wenigstens annähernd decken.

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Brass Bulletin 29, I / 1980 Seiten 23–26

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