Brass Bulletin 23, III / 1978 (Seite 31–34) · 6 Min. Lesezeit
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Glenn Ferris - Profil

Jenseits von Ruhm und System: Glenn Ferris lehnt das Musikgeschäft ab und steht für eine kompromisslose, freie Vision musikalischer Kreativität.
Glenn Ferris - Profil

Glenn Ferris

Glenn Ferris ist am 27. Juni 1950 in Los Angeles geboren und wuchs in North Hollywood und Van Nuys auf. Einige Jahre lang studierte er klassische Posaune bei Ed Freudenberg und Miles Anderson. 1964–1966 studierte er Musiktheorie bei Don Ellis und wurde mit 16 Jahren Mitglied des Don Ellis Orchestra (im Titel Ferris Wheel aus der LP Don Ellis Goes Underground hervorgehoben).

Er spielte in der UCLA Opera Company, in der UCLA Dance Troupe, im American Ballet, im Joffrey Ballet und im Los Angeles Symphony Orchestra. Er trat auch mit Billy Cobham (Total Eclipse, A Funky Thide of Sings, Shabazz), Frank Zappa, Tim Buckley und zahlreichen anderen auf. Heute spielt er mit dem Trompeter Bobby Bradford, mit Dr. Jazz (einem Orchester im Stil der verrückten 20er und 30er Jahre) und mit seinem eigenen neugegründeten etwa 20 Mann starken Celebration Orchestra.

Glenn Ferris steht nicht nur an der Spitze der Posaunenentwicklung, er gehört auch zur Avantgarde der jungen Generation seriöser kreativer Musiker. Seinem Können scheinen auf keinem der zahlreichen sehr verschiedenen Gebieten, die ihn interessieren, Grenzen gesetzt zu sein. Als echter Künstler, der er ist, hat er schon oft Musik gemacht, die ihm wenig oder gar keine Anerkennung seitens der kommerziell ausgerichteten Schallplattenindustrie eingetragen hat. In seinem Haus in Santa Monica sprach er mit selbstverständlicher, leidenschaftlicher Überzeugung...

Wie oft sagt man mir: «Ach, Glenn, ich hab' dich auf dieser oder jener Schallplatte gehört. Ich hab' dich hier oder da spielen gesehen. Alter, du solltest doch längst berühmt sein. Was machst du denn nur?» Nun, ich leb' immer noch von der Hand im Mund und weiss nicht, ob ich die nächste Stromrechnung bezahlen kann. Irgendwie bedeutet das alles gar nichts... anders ausgedrückt: Down Beat hat mit der Welt, wie ich sie sehe, nichts zu tun. Das alles ist nur Illusion: «Diese Woche haben wir ein Profil über XY. XY macht es so und so.» Alles so oberflächlich, Supermarktware. Musik hat ja nichts zu tun mit irgendeiner Down-Beat-Zeitschrift, oder Schallplattengesellschaft, oder Fernsehprogramm, oder Gottesdienst oder Selbstporträt oder was es sonst noch alles gibt.

Musik, das ist... eine Blume. Sie ist einfach da, ob man sie pflegt oder nicht, sie ist immer da und wächst immer weiter.

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