Brass Bulletin 21, I / 1978 (Seite 41–43) · 3 Min. Lesezeit
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Dienst am Kunden

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Der Kauf eines neuen Instrumentes leitet immer eine glückliche Periode im Leben des Musikers ein. Mit diesem Schritt tritt der Schüler in eine ihm noch unbekannte Welt ein, er schlägt damit den Weg ein, dem schon so viele vor ihm gefolgt sind, er entdeckt die Musik von innen her, nach und nach wird er sich selbst und seine Fähigkeiten entdecken, er legt den Grundstein des wachsenden Vertrautwerdens mit diesem magischen Rohr, seinem Herrn und seinem Diener zugleich. Der Musiker, der sich ein neues Instrument anschafft, steht auf der Schwelle einer neuen Epoche («die Zeit, als ich mein So-und-so-Instrument hatte»).

Eine Zeit lang geht alles gut. Die hohen Töne sind leichter, die tiefen weicher denn je, der Klang ist von oben bis unten homogen, das Legato bläst sich problemlos, der Anstoß kann nicht mehr fehlgehen, der Mechanismus ist der geschmeidigste, den man kennt. Mit der Zeit gewöhnt man sich an all das Schöne und Gute, man beachtet es weniger. Dann kommt der Tag, an dem eine Reparatur fällig wird: eine Schraube ist verlorengegangen, eine Feder oder ein Korkstück muss ersetzt werden. Kleinigkeiten, die ungemein wichtig sind. Dieser Tag ist vielleicht das Ende der Seligkeit und der Anfang der nicht enden wollenden Kette von Ärgernissen.

Nicht alle Markenfirmen widmen dem Kundendienst genügend Aufmerksamkeit. Für die einen ist der Musiker nur als potentieller Käufer interessant. Andere wären bereit, etwas zu unternehmen, wenn die Grossisten in ein Ersatzteillager einiges investieren würden (auf dieser Stufe aber herrscht oft Mangel an Kenntnissen und Kompetenzen). Wieder andere können mit vernünftigen Terminen jedes Ersatzteil liefern. Besonders gewissenhafte Firmen veröffentlichen eine Ersatzteilliste oder sogar einen illustrierten Katalog, übersichtlich genug gestaltet, um Verwechslungen zu vermeiden. Es kann auch vorkommen, dass die Liste existiert, aber nichts lieferbar ist.

Ich werde weder die guten noch die schlechten Marken aufzählen (einmal wird es aber nötig sein). Mag sein, dass eine Umfrage unter Musikern und Reparaturwerkstätten Interessantes aufdecken könnte. Sicher ist aber, dass wir für die Blechbläserindustrie und die Grosshändler ein wichtiges Verkaufspotential darstellen; schliesslich lebt und bereichert sich manch einer von unseren Bedürfnissen.

Ich spreche von Blechbläserindustrie und nicht vom Instrumentenmacher, weil der Mann immer seltener wird, der seine eigene Firma leitet und sich bewusst ist, dass er alles unternehmen muss, um sich seine Kundschaft zu erhalten. Heute werden viele Firmen als Aktiengesellschaften betrieben, die in verschiedene Sparten investieren und deren Kapital je nach Rentabilität anders angelegt wird. Für sie hat der Kunde und seine Treue nicht die gleiche Bedeutung wie für den früheren Instrumentenmacher, der ein Handwerker an seiner Werkbank war. Sein Nachfolger heute ist der neue Fabrikleiter.

Freilich hat die moderne Betriebsform auch Vorteile für den Musiker: es wurde mehr in Forschungsprogramme investiert, es wurden zahlreichere Prototypen hergestellt, um zum fast perfekten Modell zu gelangen, das Angebot wurde erweitert und eine gleichbleibende Qualität konnte garantiert werden. Es muss aber ein Weg gefunden werden, um die berechtigten Forderungen beider Seiten zu befriedigen: die einen wollen verkaufen, die andern wollen gut bedient werden.

Allerdings treten beim Handeln mit Ersatzteilen erhebliche Schwierigkeiten auf, bedenkt man allein schon, was der Direktor einer bedeutenden französischen Firma einmal mitteilte: Bei der Aufstellung eines Kataloges wurde man gewahr, dass die älteren Handwerker seiner beiden Fabriken verschiedene Benennungen für die Einzelteile hatten. Dazu kommt die Frage, wie die Teile angeboten werden sollen: zusammengesetzter Zug oder dessen einzelne Bestandteile? Wie weit soll ein Instrument auseinandergenommen werden? Über alle diese Fragen muss entschieden werden, wobei einzelne Wünsche nicht berücksichtigt werden können.

Die Kette der Zwischenhändler muss auch mitmachen, die Teile auf Lager haben und sie kennen, um einen raschen und korrekten Versand zu garantieren. In der Reparaturwerkstatt sieht das Problem anders aus: gewöhnlich arbeitet der Handwerker hier an allen Blechblas- und Klappeninstrumenten, ebenso wie mit allen Marken. Auf Lager hält er standardisierte Teile, sofern sie mit den Eigenheiten der verschiedenen Marken übereinstimmen, ebenso wie einige Ersatzteile der Markeninstrumente, die den Gepflogenheiten seiner Kundschaft entsprechen.

Es ist ihm unmöglich, alle Teile aller Marken auf Lager zu haben, daher ist es für ihn wichtig, dass er sich die notwendigen Ersatzteile von dem Grosshandel oder der Herstellerfirma rasch beschaffen kann. Einige Grossisten liefern nur noch Ersatzteile für Instrumente, die auf ihrer Verkaufsliste stehen. Daraus entsteht für die Reparaturwerkstatt ein weiteres Problem: Teile können nicht beschafft werden, also kann nicht repariert werden, wenn das Instrument auf Umwegen zu ihm kommt.

Dieser Standpunkt ist zwar aus der Sicht des Grossisten verständlich, vom Hersteller aber nicht zulässig, denn damit wird ein Teil seiner Kundschaft des Kundendienstes beraubt. Ein Musiker, der über eine Auslieferung des Landes, wo er früher gewohnt hat, ein Instrument gekauft hat, und der den Wohnort gewechselt hat, in ein anderes Land gezogen ist, riskiert demnach, keine Ersatzteile mehr zu erhalten.

Weil der Ersatzteilvertrieb mangelhaft organisiert ist, entsteht der Schwarzmarkt. Die Verantwortung für diese Fehlentwicklung trägt an erster Stelle der Hersteller.

Im oben erwähnten Fall, oder wenn Hersteller und Grossisten den Kundendienst vernachlässigen, muss der Handwerker in der Reparaturwerkstatt das Ersatzteil selbst herstellen, was mindestens dreimal so teuer ist wie ein serienmässiges Einzelteil.

Handelt es sich um eine konische Röhre, so wird es unmöglich sein, sie genau nachzubilden, da gerade die akustische Form zu den Herstellungsgeheimnissen gehört, die den Ruf einer Firma ausmachen. Man kennt die Bedeutung dieser Form für den Klang, die Genauigkeit und die Homogenität des Spiels...

Man müsste also auf die Industrie einwirken, indem man jede Marke ablehnt, die die Leistungsfähigkeit ihres Kundendienstes nicht beweisen und garantieren kann. Das dürfte den Musikern leicht fallen: in ihrer Welt verbreiten sich die Nachrichten sehr schnell. Internationale Kontakte werden von den Musikervereinigungen gefördert. Außerdem bitten Schüler um die Meinung ihrer Lehrer und geben sie unter Freunden und Musikliebhabern weiter. Und diese Schüler bilden ein bedeutendes Käuferpotential.

Es geht hier weder darum, um des Vergnügens willen alle zu zerschlagen, noch darum, die Geister zur Subversion zu animieren, vielmehr sollte erreicht werden, dass das Kräfteverhältnis ausgeglichen wird und dass der Kundendienst, der bei einem Markennamen erwartet wird, auch geliefert wird. Die Blechblasinstrumentenindustrie sollte sich eher an der Autoindustrie als an den Supermärkten ein Beispiel nehmen.

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