In einem Artikel aus dem Jahre 1967 spricht Arnim von der Entwicklung der Vorsorgeprogramme:
Selbstverständlich verhielten sich die Mitglieder eines Berufes, dessen Aufgabe darin besteht, Zahnfüllungen zu machen und kranke Zähne zu ersetzen, zurückhaltend, als es darum ging, ein sogenanntes «nicht praktisches» vorbeugendes Programm einzuführen.
Was wird auf diesem Gebiet in der Schweiz geleistet? Ich meine jetzt nicht die auf breitester Basis vorgenommenen prophylaktischen Massnahmen, wie z. B. fluorhaltiges Salz oder Wasser und das (zu langsame) Einführen vom kollektiven Zähneputzen in der Schule. Ich meine: «Was wird in der Praxis eines Zahnarztes unternommen?» Wieviele Zahnärzte nehmen sich die notwendige Zeit, ihre Patienten zu informieren und ihnen die bevorstehenden Probleme zu erklären?
Ein ausgeklügeltes System hält unsere Zähne fest. Sie müssen Lebensmittel aller Arten schneiden, zerreissen, zerdrücken, mahlen. Um ihrer Aufgabe gewachsen zu sein, ohne sich Schaden zuzuziehen, müssen sie festsitzen, gleichzeitig aber elastisch genug befestigt sein, um jeden Schock aufzufangen. Die Zahnwurzeln passen sich dem Knochen gut an, bilden aber mit ihm keine Einheit. Im Gegenteil, sie sind mit einem feinen Gewebe, der Parodontalmembran, bedeckt, und durch tausende von winzigen Fasern verankert, die durch die Parodontalmembran hindurch die Alveolenwand mit der Zahnwurzel verbinden. Das Zahnfleisch bedeckt und schützt diese Feinmechanik und hält die Zähne in ihrer Stellung fest.
Michel G. Corti
Das Zahnfleisch muss den Zähnen genau angepasst sein, damit keine Nahrungsrückstände oder Fremdkörper sich zwischen die Zähne oder zwischen Zahnfleisch und Zahnwurzel setzen können. Gesundes Zahnfleisch ist fest und hellrosa, entzündetes ist rot und geschwollen und löst sich vom Zahn. Blutet das Zahnfleisch beim Zähnebürsten, dann ist es gereizt und es bestehen Kongestionen, die seine Abwehrrolle beeinträchtigen. Wenn das Zahnfleisch sich vom Zahn löst, können sich in den gebildeten «Taschen» Lebensmittelrückstände und Bakterien ablagern. Eine Zahnfleischentzündung wird zur Parodontitis, wird sie nicht bald behandelt. Rückstände häufen sich in den Taschen und bilden eine zementartige Masse, den Zahnstein, der mit der Zahnbürste nicht entfernt werden kann. Bei fortschreitender Entzündung werden zuerst das Zahnfleisch, dann das Wurzelhautgewebe zerstört, schliesslich werden Knochen und Zahnwurzeln beschädigt, die Zähne sitzen nicht mehr fest, werden beweglich und fallen aus.
Dr. S. Ramfjord, Professor an der zahnmedizinischen Schule der University of Michigan, hat die ersten Erkrankungserscheinungen des Zahnfleisches gegen Ende der Kindheit oder in der Jugend festgestellt. Er schreibt:
Meistens verläuft die Krankheit schmerzfrei und viele Leute wissen nicht, dass sie davon befallen sind, bis sie soweit fortgeschritten ist, dass sie schwer zu behandeln ist.
Was kann zur Erhaltung eines gesunden Zahnfleisches getan werden?
- Sehr wichtig: Gehen Sie regelmässig mindestens zweimal jährlich zum Zahnarzt. Er sollte nicht nur Ihre Zähne, sondern auch Ihr Zahnfleisch untersuchen. Er sollte Sie in die richtige Methode einführen, wie die Zähne bürsten, das Zahnfleisch massieren, Ihnen zeigen, wie jene Stellen gereinigt werden können, wo die Zahnbürste nicht hinreicht. Eine Studie hat ergeben, dass Zahnfleischerkrankungen durch richtiges Bürsten um 6,6%, durch Reinigen der Zahnzwischenräume um 23,6% zurückgehen.
- Lassen Sie regelmässig den Zahnstein entfernen. Ist Ihr Zahnfleisch geschwollen oder entzündet oder blutet es, dann ist es krank. Auch bei gründlichem Bürsten wird sich unter dem Zahnfleisch mit höchster Wahrscheinlichkeit Zahnstein bilden. Wird er nicht regelmässig bis aus den hintersten Winkeln entfernt, dann wirkt er in demselben Grade wie ein Splitter unter der Haut, den man nicht entfernt hat. Der Zahnarzt wird den Zahnstein entdecken, bevor er unwiderruflichen Schaden angerichtet hat. Je länger Sie die Behandlung hinauszögern, je schwieriger und kostspieliger wird sie.
- Lassen Sie alles Zahnfleischbeschädigende aufs schnellste behandeln. Bei einzelnen Patienten können Zahnfleischschäden durch nicht einwandfrei ausgeführte Ausbesserungen (Kronen, Füllungen) verursacht werden, oder durch noch nicht vorgenommene Arbeiten, wodurch Lücken entstehen, die eine Gleichgewichtsstörung in der Zahnreihe hervorrufen. Bei anderen ist eine Formkorrektur des Zahnfleisches und die Entfernung der zwischen Zahn und Zahnfleisch entstandenen Taschen nötig. Schliesslich gehört es zu den Pflichten eines Zahnarztes, auf den möglichen Zusammenhang zwischen anderen, den Allgemeinzustand betreffenden Krankheiten und den Zahnfleischerkrankungen hinzuweisen.
Vernachlässigung ist der Hauptgrund der Zahnfleischerkrankungen,
erklärt Professor Glickman aus Boston (USA),
Vernachlässigung des gesunden Mundraumes, welche Krankheitserscheinungen fördert, Vernachlässigung der Erkrankung in den Anfangsstadien, welche zur Zerstörung der zahntragenden Gewebe führen kann und Vernachlässigung des behandelten Mundraumes, welche eine erneute Erkrankung ermöglicht.
Die Lehre ist eindeutig: Durch angemessene Pflege Ihres gesunden Zahnfleisches und Ihrer gesunden Zähne dürften Sie in der Lage sein, Ihre Zähne Ihr Leben lang zu erhalten.