Brass Bulletin 34, II / 1981 (Seite 51–54) · 2 Min. Lesezeit
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Herpes Labialis (Lippenbläschen)

Bläsers Leiden

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Herpes Labialis (Lippenbläschen)

Für alle Bläser von Kesselmundstück-Instrumenten sind Fieberbläschen eine gefürchtete Erkrankung. Der medizinische Name für diese Krankheit ist Herpes labialis. Die Ursache hierfür sind Viren; das sind Kleinstlebewesen, ähnlich den Bakterien. Allein aus der Gruppe der Herpes-Viren sind 25 verschiedene Arten bekannt, und die sind so weit verbreitet, dass über 90 % aller Menschen mit diesen Viren infiziert sind.

Es wird vermutet, dass diese Viren sich im Trigeminus-Nerv ansiedeln, um dann in unregelmässigen Zeitabständen aktiv zu werden. So bewirken die Herpes-Labialis-Viren, dass auf den Lippen aus mehreren menschlichen Zellen eine Grosszelle entsteht, die sich mit Flüssigkeit füllt und so eine schmerzhafte Beule bildet. Nach ein paar Tagen trocknet diese Blase aus und verheilt, ohne Narben zu hinterlassen.

Mit einem Herpes auf den Lippen kann man aber nicht blasen, weil das viel zu weh tut und ein lockerer Ansatz nicht möglich ist. Gegen eine Infektion mit diesen Viren kann man bisher wenig Erfolgversprechendes tun. In manchen Ländern werden zur Vorbeugung Impfstoffe aus abgetöteten Herpes-Viren angeboten. Dadurch soll eine körpereigene Abwehrreaktion aufgebaut werden können. Dazu muss man sich zunächst 10 Wochen lang alle 7 Tage impfen lassen, dann folgt monatliche Impfung während eines halben Jahres und dann soll jährlich 2 mal nachgeimpft werden.

Das ganze ist somit eine sehr aufwendige Therapie, und selbst wenn man fest an eine Wirkung glaubt, ist die Versagerquote doch noch sehr gross. Zur Zeit wird eine einfachere Methode angeboten. Diesmal sind es Tabletten, die eine Virusvermehrung verhindern und auch eine körpereigene Abwehrkraft gegen diese Viren erzeugen sollen. Bis hiermit Erfahrungen vorliegen, muss man weiterhin versuchen, die bereits im Körper vorhandenen Viren an ihrer Aktivität zu hindern. Aber das ist auch nicht einfach, weil Viren im Gegensatz zu Bakterien keinen eigenen Stoffwechsel haben, in den man sonst medikamentös eingreifen könnte.

Letztlich bleibt uns nichts weiter übrig, als alles zu lassen, was die Viren zur Aktivität anregen könnte, und hierüber ist bereits einiges bekannt. So verursachen fieberhafte Infekte oder Sonnenbrand fast regelmässig Herpes labialis. Auch in Zusammenhang mit der Menstruation treten bei Frauen oft diese Lippenbläschen auf. Nervöse Magenbeschwerden und Magenschleimhautentzündung haben ebenfalls starken Einfluss auf die Entstehung von Herpes labialis.

Daher ist es schon ganz richtig, wenn ein Bläser kalte Getränke und scharfe Nahrungsmittel meiden soll. Auch das Rauchen und hochprozentiger Alkohol machen einen kranken Magen. Natürlich führen Stress und nervliche Belastung zu Magenreizung und können damit immer wieder die Ursache für Lippenbläschen sein.

Sehr wichtig ist es, die Lippen täglich zu pflegen und dadurch widerstandsfähig zu erhalten. Da hat ja nun jeder Bläser so sein Geheimrezept. Vergessen wir aber nicht eine richtige Mundhygiene, denn Zahnpflege sollte ja selbstverständlich sein.

Aus lauter Verzweiflung wegen dieser Erkrankung soll es sogar Trompeter geben, die sich einen zweiten Ansatz auf der Seite antrainiert haben, um im Notfall ausweichen zu können. Mundstücke, die versilbert oder vergoldet sind — je nach Geldbeutel (denn die anti-bakterielle Wirkung ist gleich gut und die Anti-Virus-Wirkung gleich schlecht) — sind vielleicht besser als Neusilber- oder gar Messingmundstücke, in Bezug auf die Reizwirkung auf die Lippen. Hierüber gibt es noch keine endgültige Meinung — unversucht soll man ja nichts lassen.

Trotz aller dieser schonenden und pflegenden Massnahmen ist es dann aber doch wieder passiert, und der Herpes blüht auf den Lippen. Um die Zwangspause möglichst kurz zu halten und bald wieder spielen zu können, gibt es viele mehr oder weniger gute Ratschläge zur Behandlung.

Manchmal genügt es, die Bläschen mit einer Zinksalbe auszutrocknen; das ist wohl die älteste Methode. Wer es verträgt, kann auch seinen Herpes mit reinem, hochprozentigem Alkohol von 90–99 % stündlich betupfen und dadurch entwässern. In der medizinischen Literatur gibt es viele positive Berichte über eine örtliche, äusserliche Anwendung von Human-Serum zur schnelleren Abheilung.

Spezielle Salbenpräparate sind viele im Handel, und wer damit Erfolg hat, kann sich freuen, denn das ganz sichere Mittel ist noch nicht gefunden. Das müsste über die körpereigene Abwehrreaktion funktionieren, und darüber liegt noch ein grosses Geheimnis.

Noch ein Geheimnis, neben all denen von Ansatz und Stimmung unserer Instrumente, mit denen wir Bläser wohl leben müssen!

Oder haben Sie schon resigniert und sich heimlich eine Bratsche gekauft und üben damit für alle Eventualitäten?

Übrigens: alle Mediziner- und Apothekerkollegen unter den Lesern mögen mir die Übersetzung in die allgemeinverständliche Sprache verzeihen.

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