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Kommentare zum 1. internationalen Blechbläserkongress Montreux 1976

Kommentare zum 1. internationalen Blechbläserkongress Montreux 1976

Von jung auf haben die internationalen Stile auf dem Gebiet der Blechblasinstrumente meine Neugier geweckt. Für Horn, Trompete und Posaune erwiesen sich die Nationalstile als weit weniger ausgeprägt, als man hätte annehmen können; bei der Tuba stellte sich sogar heraus, dass sie nahezu nicht existieren. Zum Glück gab es stets stilistische Unterschiede von einem Instrumentalisten zum anderen. Einige spielten F-Tuba, andere C-Tuba (ich habe keine B♭-Tuba gehört); die Unterschiede waren jedoch individueller und nicht nationaler Natur.

Es hat mich sehr gefreut festzustellen, dass diese Einteilung in nationale Merkmale eher in meiner Vorstellung existierte als in der Wirklichkeit. Denn diese individuelle Verschiedenheit in der musikalischen Auffassung — gleichgültig, ob instrumental, vokal oder kompositorisch — ist es, worin die eigentliche Schönheit und das Interesse liegen. Wie bei einer Sprache — und viele betrachten die Musik als eine solche — kommt es weniger auf die Perfektion an als auf die Art des Ausdrucks. Es erfüllt mich mit Stolz sagen zu können, dass sich die Tubisten in Montreux sehr gut auszudrücken wussten.

Zwei Dinge hatte ich in Montreux zu hören gehofft, die jedoch ausblieben. Erstens war ich sehr gespannt auf die kleine französische Tuba. Man hatte mir gesagt, dass dieses Instrument heute in Frankreich deutlich seltener verwendet wird als noch vor einigen Jahren und dem Gebrauch grösserer Instrumente gewichen ist, wie wir sie im übrigen Europa und in Amerika kennen. Daher möchte ich die Frage stellen, ob wir — falls ein zweiter Internationaler Blechbläserkongress oder ein nächstes Internationales Tubakolloquium stattfinden sollte — einen Vertreter der französischen Tubaschule hören könnten, der uns Tradition und Gebrauch der kleinen französischen Tuba vorführt.

Wir hatten das grosse Privileg, vom pädagogischen Einfluss von Professor Hieronymus Engels von der Berliner Musikakademie zu profitieren, der uns seine umfassende Sicht und Erfahrung der Tuba in Deutschland sowie orchestrale Klangvorstellungen vermittelte, die wohl ihresgleichen suchen. Dennoch bedauerten wir sehr — nicht nur im Hinblick auf die Tuba, sondern ebenso auf Trompete und Posaune —, unsere Kollegen aus Westdeutschland nicht zu hören. Westdeutschland besitzt eine starke Tradition im Blechblasen, und ihr Fehlen war deutlich spürbar. Für den nächsten Internationalen Blechbläserkongress würde ich mir wünschen, jeweils einen Vertreter für Trompete, Posaune und Tuba zu erleben. In vielen Teilen der Welt sind beispielsweise die Vorteile der deutschen Zylinderventiltrompete kaum bekannt. Gerade diese sollten wir kennenlernen, wenn wir ein umfassendes Bild der heutigen Verwendung der Blechblasinstrumente gewinnen wollen. Deshalb möchte ich unseren westdeutschen Kollegen sagen: Ihr habt uns in Montreux gefehlt — wann und wo auch immer der nächste Kongress stattfinden wird, kommt und helft mit, ihn noch erfolgreicher zu machen.

Das einzige grosse Problem in Montreux bestand darin, dass die meisten Instrumentengruppen dazu neigten, unter sich zu bleiben. Das ist natürlich verständlich. Dennoch war es schwierig zu entscheiden, ob man einen Vortrag über die russische Hornschule mit Vitali Bujanovsky besuchen sollte, oder Vinko Globokar über die Psychologie des Blechblasens hören wollte, oder Thomas Stevens über die Grundlagen der Interpretation neuer Solomusik, oder Katsuhiko Kaijima über die Tuba in Japan. Es gab täglich zwölf Veranstaltungen (vier gleichzeitig), dazu die notwendige Zeit, um Instrumente bei den Herstellern auszuprobieren, die zahlreichen Gelegenheiten zum gemeinsamen Musizieren mit neuen Kollegen sowie die unvermeidliche eigene Übezeit für unsere Auftritte.

Ich sehe für dieses Problem keine wirkliche Lösung — es sei denn, man würde einen einmonatigen Kongress veranstalten, was wiederum neue, kaum lösbare Schwierigkeiten mit sich brächte. Wir mussten also täglich mehrfach Entscheidungen treffen, und die meisten Instrumentalisten kehrten letztlich zu ihrer eigenen Gruppe zurück. Die Wahl hängt in einer solchen Situation ganz vom Einzelnen ab. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir Tubisten — ebenso wie jede andere Instrumentengruppe — enorm davon profitieren können, wenn wir uns möglichst vielen unterschiedlichen Musikern aussetzen.

Mein Dank gilt Harvey Phillips, dessen unerschöpfliche Energie diesen Blechbläserkongress überhaupt erst möglich gemacht hat.

Brass Bulletin 15, III / 1976 Seiten 55–57

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