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Warum so tun als wäre man Mozart?

Konzertkadenz: Stilkopie oder Chance?

Soll die Kadenz die Vergangenheit imitieren oder in der Sprache von heute sprechen? Bernhard Krol hinterfragt die stilistische Nachahmung und plädiert für eine Kadenz, die Vergangenheit und Gegenwart authentisch verbindet.
Warum so tun als wäre man Mozart?

Die Komponisten des musikalischen Barock und der sogenannten Klassik bis hin zu Mozart und Joseph Haydn haben ihre Instrumentalkonzerte der Nachwelt «unfertig» hinterlassen. An jenen Stellen, die dem Solisten Gelegenheit geben zu technischem Brillieren, die seiner ganz besonderen Kunstfertigkeit gewidmet waren, setzten sie lediglich eine Fermate und ein Trillerzeichen. Offenbar fürchteten sie eine Verschandelung ihres Kunstwerkes durch ein Machwerk von fremder Hand nicht; getrost überließen sie dem Musiker die Anfertigung der Kadenz entsprechend dessen Fähigkeiten und Bedürfnissen.

Wer heute ein klassisches Concerto spielt, braucht dazu auch eine geeignete Kadenz. Besitzt er gleiche Fähigkeiten wie seine Vorgänger, die Zeitgenossen der Telemann, Tartini, Wagenseil, Rosetti, Albinoni, Haydn und Mozart, so schreibt er sie sich selbst «auf den Leib». Oft aber ist dieser Idealfall nicht gegeben. Mühsam zusammengebastelter «Eigenbau» wird verworfen, bereits aus fremder Feder Vorhandenes erweist sich als unbrauchbar: dies und jenes liegt einem nicht so recht, da ist etwas zu viel, dort wiederum zu wenig. Es wird also Ausschau gehalten nach dem Retter in der Not.

Auf der Suche nach jemandem, der eine Kadenz zu machen versteht, trifft man vielleicht sogar einen «richtigen» Komponisten. Dann aber ergibt sich mit Sicherheit eine neue, große Schwierigkeit: die Forderung des Instrumentalisten nach größtmöglicher Stiltreue und ihre prompte Ablehnung durch den Komponisten. Und es kommt zu etwa folgendem Gespräch:

Instrumentalist — Ich brauche eine Kadenz für das Konzert von Tartini; bitte rasch, nächste Woche ist die Aufführung.

Komponist — Ich will sehen, was ich machen kann. Darf ich bitte die Noten einsehen?

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Brass Bulletin 12, III / 1975 Seiten 36–45

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