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Spezial DDR

Metallblasinstrumente aus Markneukirchen

Metallblasinstrumente aus Markneukirchen

Mit Markneukirchen verbindet sich weltweit der Begriff des Musikinstrumentenbaus. Die kleine vogtländische Stadt im äussersten Süden der Deutschen Demokratischen Republik (heute zirka 8000 Einwohner), unweit von Plauen gelegen, hat eine mehr als 700jährige Geschichte.

Geschichte

Über 300 Jahre blieb der «Markt Neukirchen» ohne nennenswerte Bedeutung. Seine Bürger lebten vom Ackerbau, Handwerk und Handel. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gründeten böhmische Geigenmacher, die im Verlaufe der Gegenreformation ihre Heimat verlassen mussten und sich in Markneukirchen angesiedelt hatten, den Geigenbau in der Stadt. In den nächsten hundert Jahren gliederten sich dem Geigenbau alle anderen Zweige des Orchesterinstrumentenbaus an. 1710 begann die Herstellung von Holzblasinstrumenten, 1755 wurden die ersten Waldhörner gefertigt.

Das Verdienst, den Metallblasinstrumentenbau in Markneukirchen eingeführt zu haben, gebührt dem «musikalischen Instrumentenmacher» Isaak Eschenbach, Sohn eines Markneukirchner Tischlers und Saitenmachers. Er hatte sein Handwerk von 1750-1754 in Leipzig gelernt.

Der neue Gewerbezweig blühte in Markneukirchen rasch auf. 1788 gab es bereits sechs Waldhornmacher (die auch andere Metallblasinstrumente bauten) Ende des Jahrhunderts 15 Meister. 1798 schlossen sich 11 Waldhornmacher mit 7 Pfeifenmachern (Holzblasinstrumentenbauern) zur «Gesellschaft musikalischer Instrumenten-Mechaniker» zusammen. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts, in dem durch die technische Vervollkommnung der Blasinstrumente ihre immer breitere Anwendung in der Musik erfolgte, entwickelte sich Markneukirchen zur führenden Fertigungsstätte von Waldhörnern und darüber hinaus zu einem bedeutenden Zentrum des Metallblasinstrumentenbaus. 1840 waren 49 Meister mit 40 Gesellen und 40 Lehrlingen tätig, zwischen den sechziger und achtziger Jahren entstanden die ersten drei Fabriken für «Messinginstrumente» in Markneukirchen. Ein dritter Betrieb wurde in den 80er Jahren gegründet. Zu Beginn unseres Jahrhunderts waren 65 Handwerksmeister mit ihren Gesellen und Lehrlingen tätig.

VEB Blechblas- u. Signal-Instrumente

Markneukirchen — Klingenthal

Direktor
Herbert Schramm

ca. 10 Sektionsleiter
15 Ingenieure, Techniker
ca. 50 Meisterhandwerker
ca. 80 spezialisierte Arbeiter
ca. 300 qualifizierte Arbeiter

Marken

Weltmarkt:

B&S (Spitzenprodukte)

— Trompeten
— Posaunen
— Tuben (B/C/F) (Hauptproduktion)
— Flügelhörner
— Kornette
— Baritone, Tenorhörner
— usw.

«Hans Hoyer» - «Walter Mönnig»
(Spitzenprodukte)

— Hörner

«Johannes Scherzer»
(Spitzenprodukte)

— Trompeten

«Weltklang» (Serieninstrumente)

— Trompeten
— Hörner

Regionalmarkt:

«Wolfram» (populäre Produktion)

— Trompeten
— Baritone, Tenorhörner
— usw.

Organigramm des Unternehmens ¹

VEB Kombinat Musikinstrumente

Sitz in Plauen. Dachorganisation aller musikalischen Unternehmen.

Export — Import
Demusa — Handelsfirma

Informationen (Kataloge, Wiederverkäuferlisten) sind bei Demusa, Leninstr. 133, DDR-9652 Klingenthal erhältlich.

Forschungszentrum für die Musikindustrie
(Sitz in Zwota)

VEB Blechblas- und Signalinstrumente

Markneukirchen-Klingenthal

3 Produktionsstätten in Markneukirchen, Klingenthal und Schönek.

Werkzeuge und Bauteile werden in Markneukirchen gefertigt.

Ausbildungszentrum in Klingenthal

Nach 10-jähriger Schulpflicht 1 Jahr Ausbildung und 1 1/2 Jahre Meisterlehre. Instrumentalspiel obligatorisch.

Die Lehrlinge erhalten ein Diplom, oder nach Fortbildung an der Ingenieurschule Dresden den Ingenieurstitel im Musikinstrumentenbau.

Herstellung von 9 Marken:

  1. “B&S”
  2. “Weltklang”

etwa 450 Angestellte

Unabhängige Instrumentenbaumeister:

    
3“Hans Hoyer”(Hörner)+ 5 Angestellte
4“Walter Mönnig”(Hörner)+ 3 Angestellte
5“Johannes Scherzer”(Trompeten)+ 6 Angestellte
6“Armin Klier” + 6 Angestellte
7“Wolfram” + 3 Angestellte
8“Sawrazky” + 1 Angestellter
9“Werner Schmidt”(Mundstücke)+ 1 Angestellter

Unabhängige Hersteller der D.D.R.:

MIGMA

Vereinigung der unabhängigen Handwerker Markneukirchens

   
August Knopf(Hörner)Markneukirchen
Herbert Fritzkopf(Hörner)Markneukirchen
Martin Peter(Trompeten)Markneukirchen
Kurt Wunderlich(Trompeten)Markneukirchen
Horst Voigt(Posaunen)Markneukirchen
   
Eduard Kruspe(Hörner)Erfurt
Arno Windisch(Heckeltrompeten)Dresden
Friedbert Syhre(Trompeten, corni da caccia)Leipzig)

Ca. 20 unabhängige gelernte Reparateure in den grösseren Städten der DDR, 1-2 Personen pro Werkstatt.

Betreiben auch Lehrlingsausbildung.

¹ Dieses Organigramm betrifft nur die Blechblasinstrumente. Die Holzblasinstrumente, Streichinstrumente usw. werden hier nicht berücksichtigt, sind aber ähnlich strukturiert.

Was wurde gebaut?

Um 1820 wurden Waldhörner, Inventionshörner, Post-, Jagd- und Signalhörner, Trompeten und Posaunen gefertigt, wobei der Anteil der Ventilinstrumente an der Gesamtfertigung etwa 20 Prozent betrug. Als Hersteller von Ventilinstrumenten werden Carl Schuster, C. August Bauer und C. August Zoebisch genannt. Dominierend ist zu dieser Zeit jedoch die Zahl der Meister, die ventillose Instrumente bauten, so Posaunen, Jagdhörner, Posthörner, Naturtrompeten in B mit vielen Krummbogen, des weiteren Inventionshörner in hoch B. Auch Klappenhörner mit sechs bis neun Klappen wurden ausgeführt.

Qualitätsniveau

Zur Entwicklung des Qualitätsniveaus des Markneukirchner Metallblasinstrumentenbaus in der 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und zum raschen quantitativen Wachstum der Produktion trug die fortschreitende Spezialisierung neben dem Einsatz von Maschinen massgeblich bei. Mundstückdreher, Schallstückmacher, Zylinder- und Perinetmaschinenbauer bildeten sich heraus und nicht zuletzt Instrumentenbauer, die die Einzelteile zu einem Qualitätserzeugnis vereinten. Diese kooperative Fertigung hat sich bis in unsere Tage erhalten: für Spitzeninstrumente liefern die Besten ihres Faches die Einzelteile zu, so dass sich der Instrumentenbauer voll und ganz seiner Aufgabe, das Instrument zu bauen, widmen kann.

Die erfolgreiche Entwicklung des Markneukirchner Metallblasinstrumentenbaus wurde in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts durch die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise unterbrochen. Sie begann erst wieder nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik, insbesondere nach Bildung der VEB Blechblas- und Signal-Instrumenten-Fabrik Markneukirchen im Jahre 1953. Der Betrieb hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur zum Leistungszentrum des vogtländischen Blasinstrumentenbaus, sondern hinsichtlich seines Produktionsvolumens auch zu einem der bedeutendsten europäischen Metall- und Holzblasinstrumenten-Hersteller entwickelt.

Ein paar Zahlen

In den ungefähr 80 DDR-Orchestern spielen z.Z. zirca

330 Hornisten
270 Trompeter
260 Posaunisten
45 Tubisten

Brass Bulletin 60, IV / 1987 Seiten 16–20

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