Mel-o-wah - Dämpfer mit Vokalen im dritten Schattenspiel von «Vision»
Wawa-Dämpfer mit Vokalen im sechsten Schattenspiel von «Vision»
Dämpfer, Vokale und ihre Notation
Die von Karlheinz Stockhausen in seinen Werken für Trompete am häufigsten verwendeten Dämpfer sind (mit den von ihm gewählten dazugehörigen Notationszeichen):
Ⓗ = Harmon-Dämpfer (Wawa ohne Steckrohr)
Ⓦ = Wawa-Dämpfer (mit Steckrohr)
Ⓕ = «Flüster»-Dämpfer (Whisper oder Whispa in englisch)
Ⓒ = Cup-Dämpfer
Ⓜ = Mel-o-wah-Dämpfer
Ⓢ = Spitz-Dämpfer
Ⓟ = Plunger-Dämpfer.
Das Notationszeichen für «Dämpfer ab» ist ∅.
Meine persönlichen Dämpfer sind:
Ⓗ, Ⓦ, Ⓕ, Ⓜ und Ⓟ von der Serie Stonelined (Humes & Berg, Chicago) Ⓒ von der Firma EMO (aus leichtem Aluminium), ein Plastik-Spitz der Firma EMO bei der Angabe «weicher Spitz», sonst nehme ich Metall-Spitz-Dämpfer von Stonelined oder Leblanc (Alessi Vacchiano). Dies sei nicht zur Werbung angegeben, sondern weil mein Vater diese Dämpfertypen unter vielen anderen aussuchte.
Einige dieser Dämpfer erzeugen bei entsprechender Handhabung bekannterweise verschiedene Klangfarben, Vokale. Diese Dämpfer sind: Ⓦ, Ⓜ, Ⓟ und in geringem Masse auch Ⓗ. Für diese Dämpfer benützt Karlheinz Stockhausen folgende Notation, entsprechend den Vokal-Zeichen des Phonetischen Alphabetes:
[a] = ganz offen
[a]
[ɔ]
[o]
[u]
↓
[u] = ganz mit der Hand geschlossen,
[u — a], [ɔ — o], etc. = kontinuierlicher Übergang,
[a u o] etc. = plötzlicher Wechsel.
Bei den Dämpfern Ⓦ und Ⓜ schliesst man die Trichteröffnung üblicherweise mit den Fingern der linken Hand (mit den drei mittleren Fingern). Oft genügt schon ein minimales Bewegen eines einzelnen Fingers, um eine Vokaländerung zu erzeugen. Dies gilt besonders im Bereich von [u - o]. Daher muss der Spieler ganz genau hinhören, um festzustellen, welcher Vokal tatsächlich erklingt. So wird die genaue Erzeugung der verschiedenen Vokale bald selbstverständlich, ja nahezu unterbewusst.
Aus «Eingang und Formel» für B-Trompete Solo
Eine gute Dämpfertechnik ist leider mit der sogenannten «deutschen» Orchestertrompete nicht möglich, weil man sie mit beiden Händen halten und beim Dämpfer-Aufsetzen und -Abnehmen absetzen muss. Für Vokale hat man erst recht keine Hand frei...
Es ist für mich persönlich interessant zu beobachten, ob sich in Zukunft eine einheitliche Dämpfernotation durchsetzt. Die obengenannte könnte es sein.
Duo: Markus Stockhausen, Suzanne Stephens (1981, Scala, Milano, «Mission + Himmelfahrt»)
Markus Stockhausen
1957 wurde er in Köln als Sohn von Karlheinz Stockhausen in die brandaktuelle Szene der zeitgenössischen Musik geboren, der er sich bis heute zweifellos auch am stärksten verbunden fühlt. Botschafter der Musik seines Vaters, so könnte man ihn auch nennen; schliesslich hat Markus einen nicht unbeträchtlichen Teil der Stockhausen-Werke mit aus der Taufe gehoben — «Sirius», «Donnerstag» mit «Michael's Reise um die Erde» und «Michaels Heimkehr», «Samstag» aus «Licht».
Stockhausen junior spielt Stockhausen senior, und das rund um die Welt, ob in Washington, Aix-en-Provence, Tokio, Hilversum, Houston/Texas, London, Donaueschingen, Amsterdam, Berlin oder Mailand.
Recht früh reizten den ebenso brillanten wie musikalischen Trompeter aber auch die «Grenzgebiete». Da war zunächst Jazz. Im In- und Ausland nahm Markus Stockhausen an renommierten Jazz-Festivals als Mitglied von «Key», «Riot» oder der «Rainer Brünninghaus Group» teil, es ging auf grosse Deutschland-Tour, 1982 sogar nach Südamerika.
Aber auch der klassische Bereich kam nicht zu kurz. Noch während er das musische Gymnasium besuchte war Markus Stockhausen schon Jungstudent an der Kölner Musikhochschule und durchlief die traditionelle Ausbildung mit Klavier- und Trompetenunterricht.
Wie selbstverständlich wurde er Preisträger des «Deutschen Musikwettbewerbs», vervollständigte seine Studien an der Karajan-Akademie in Berlin und war Mitglied des «Ensemble Moderne» der Jungen Deutschen Philharmonie.
Ist es zu hoch gegriffen, wenn man behauptet, Markus Stockhausen werde fast jeder musikalischen Aufgabe gerecht, die man ihm stellt? Fest steht, dass er eine unverwechselbare Antwort zu geben weiss, sei es nun mit dem Trompetenkonzert von Haydn, einer freien Improvisation für Trompete solo, mit einem Werk seines Vaters, oder mit einem Jazz-Rhythmus.
Markus Stockhausen