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Die Tuba in Pulverform oder die ausserordentliche Verrücktheit des Stanley Cooper¹
Stanley hatte mit 16 Jahren angefangen, Tuba zu spielen, um im Blasorchester seiner Schule mitspielen zu können. Sehr rasch hatte er ein ausserordentliches Geschick auf diesem Instrument entwickelt. Er liebte es, hineinzublasen, es in seinen Armen zu halten und den besonderen Geruch des Messings, gemischt mit seinem Speichel, zu schnuppern. Mit zwanzig Jahren erhielt er die begehrte Tubisten-Stelle im Philharmonischen Orchester seines Staates. Eine Bilderbuchkarriere. Seine Leidenschaft für die Tuba wuchs ständig.
Der erste Mensch, der in seinem Verhalten etwas Anormales feststellte, war Laurence, eine ledige französische Bratschistin, die durch den verstohlenen Anblick dieses etwas pummeligen Mannes, der mit soviel Hingabe in diese enorme Metallröhre blies, in sehnsüchtige Träume versetzt wurde. Es schien ihr, Stanley lecke sein Mundstück mit besonderer Zärtlichkeit ab. Ausserdem berührte er, sobald er nicht spielte, die Bögen mit Bewegungen, welche sie an Streicheln erinnerte.
Einige Wochen später beobachtete sie mit Neugier ihren Kollegen, wie er aus seiner Tasche eine Feile zog und damit heftig den Rand des Schallstückes bearbeitete, wobei seine linke Hand sorgfältig die Feilspäne auffing. Die Neugier der jungen Frau verwandelte sich in Entsetzen als sie sah, dass er fieberhaft seine Hand zum Mund führte und das Metallpulver gierig aufleckte.
Am Ende der Probe, als sie nahe bei ihm vorbeikam, stellte sie fest, dass der Rand des Schallstückes schon sehr stark angenagt war... Sie hielt es für ihre Pflicht, davon David, den Orchesterverwalter, zu informieren, der sich fragte, ob sie sich nicht über ihn lustig mache...
Eine Woche später, aus Pflichtgefühl, hatte David sich hinter Stanley gesetzt. In der Tat war seine Tuba seltsam verlöchert an vielen Stellen, und es fehlten gut 5 Zentimeter des Schallstückes. Kaum an seinem Platz, holte Stanley seine Feile heraus und fing mit seinem Zirkus an... Kein Zweifel, der Verstand des armen Stanley hatte gelitten.
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Brass Bulletin 52, IV / 1985 Seiten 81–82
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