BrassBulletin

Internationales Magazin für Blechbläser

Brass Bulletin 30, II / 1980 (Seite 57–60) · 3 Min. Lesezeit
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Von der Empfindlichkeit der Blechblasinstrumente

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Von der Empfindlichkeit der Blechblasinstrumente

Brass Bulletin hat interessante Beiträge zum Problem der «persönlichen Prägbarkeit» der Blechblasinstrumente gebracht. Ich möchte hiermit die Meinung eines Instrumentenbauers und -reparateurs beisteuern.

Was den Beitrag des Materials zur Qualität eines Instrumentes anbetrifft, so lässt sich die Hypothese aufstellen, dass die Rohrinnenwände an ganz bestimmten Punkten einem ständigen Wechsel von Druck und Drucknachlass unterworfen sind, was einer Schwingungsaktivität des Rohres selber gleichkommt.

Die Intensität dieser Schwingung ist abhängig von ihrer Amplitude, sodann auch von der Art des Metalls und seiner Elastizität, Dichte und Wandstärke.

Genau genommen unterliegt das Rohr zweierlei Schwingungen:

— einer Querschwingung (Zu- und Abnahme des Rohrdurchmessers);

— einer Längsschwingung (Zu- und Abnahme der Rohrlänge).

In der Resultante dieser beiden Schwingungen liegt der Einfluss des Instrumentenmaterials auf den Klang.

Dieser Einfluss ist sowohl qualitativ (Klangfarbe) wie auch quantitativ (Klangintensität). Er kann sich auf das gewünschte Resultat günstig, neutral oder ungünstig auswirken.

Die Wichtigkeit der Resultante dieser beiden Schwingungen ist deshalb offensichtlich.

Die durch Luftreibung an den mehr oder weniger rauhen Innenwänden absorbierte Energie ist es, welche die Tonansprache bei neuen Instrumenten erschwert.

Später schlägt sich an den Rohrwänden ein leichter Schleimbelag nieder, der diesen Reibungs-Energieverlust herabsetzt und die Ansprache freier werden lässt. Ausserdem wird das Instrument an den Stellen, wohin die Schwingungsbäuche zu liegen kommen, zunehmend geschmeidiger.

Dass der Musiker sein Instrument durch seinen persönlichen Klang «prägt», ist unbestreitbar.

Im Laufe meiner langjährigen Praxis habe ich das an Hunderten von verschiedenen Instrumenten bestätigen können.

Wenn ich nach der Reparatur das Instrument prüfe, bin ich über den persönlichen Klang des Kunden sofort im Bild und finde mich bestätigt, wenn dieser es abholt und darauf bläst.

Die individuelle Klangfarbe eines Musikers ist durch einen Formanten bedingt, d.h. das Hervortreten einer bestimmten Obertongruppe.

Demnach ist es wahrscheinlich, dass das Instrument durch das Frequenzenspektrum des Formanten in bestimmter Weise verformt wird.

Dass der Instrumentenkorpus diese spezifische Flexibilität angenommen hat, zeigt sich auch darin, dass sie — zumindest eine Zeitlang — auch das Spiel eines fremden Bläsers beeinflusst.

Ich weiss noch, wie es mir während meiner Zeit als Berufshornist ein Horror war, mein Instrument auch nur für Minuten auszuleihen, aus dem Gefühl heraus, danach weder Tonqualität noch Treffsicherheit wiederzufinden.

Bezüglich des Jagdhorns hat Jacques Poncet recht: ein kalt gehämmertes Schallstück gibt mehr, ein warm geformtes weniger Klangfarbe. Doch bedarf es eines aufgesetzten (nicht aufgelöteten) Zierkranzes, um zu verhindern, dass die Stürze mit ihrer Eigenfrequenz vibriert.

Aufgabe des Jagdhorns ist es, den Teilnehmern einer Parforcejagd deren Stand anzuzeigen.

Wegen der enormen Schallschluckwirkung des Gehölzes wird mit «sattem» Klang von grösster Intensität geblasen.

Ein Fortissimo bedeutet Zunahme, ein Pianissimo Einbusse an höheren Obertönen, wobei die Intensität der niederen Obertöne in beiden Fällen merklich gleich bleibt.

Aus diesem Grund hat kein Instrument im pp, mf und ff die gleiche Klangfarbe.

Um noch ein anderes Thema zu berühren: Thomas Stevens' Beitrag über die von amerikanischen Trompetern an ihren Instrumenten vorgenommenen Modifikationen («Die Trompete in den USA») hat mich lebhaft interessiert.

Bestimmt ist es aus der kartesianischen Gesinnung des Franzosen heraus, dass ich meine, ein Instrument müsse mit Überlegung hergerichtet und nichts dem Zufall überlassen werden.

So kann einer endlos Mundrohre ausprobieren, ohne zu einem Ergebnis zu kommen, weil der beanstandete Fehler im zylindrischen Rohrabschnitt, in einer Stütze, in den Rohrbögen der Ventilstöpsel liegt oder weil ein Schwingungsknoten just auf den Rand eines Ventilstöpsels zu liegen kommt.

Nebenbei gesagt, wenn man von «Schwingungsknoten» und «-bäuchen» spricht, sollte man stets präzisieren, ob es sich um Frequenz- oder um Druckbäuche und -knoten handelt.

Was die Stimmungsreinheit anbelangt, sind Korrekturen im Bereich von Frequenzbäuchen anders geartet als solche, die in gleicher Absicht an Druckbauch-Stellen vorgenommen werden.

Die Verteilung der Druck- und Frequenzbäuche und -knoten im Korpus des Instrumentes wird berechnet und experimentell verifiziert.

Auf der Grundlage der errechneten Formel werden vielfältige Korrekturen vorgenommen: Widerstand des Mundstücks, Bohrungsdurchmesser, Einpassung der Konusse, Radien der Rohrbögen (ein gebogenes Rohr hat einen anderen Widerstand als ein gerades von gleichem Durchmesser), Stützen, Temperaturverteilung usw.

Das Mundrohr ist stets wärmer als der Rest des Instrumentes; dementsprechend pflanzt sich die Schallwelle dort rascher fort.

Temperaturprobleme werden oft vernachlässigt. Dabei ist zwischen 10°C und 40°C ein Halbton Differenz!

Die Luftviskosität variiert je nach Temperatur, und der Schall breitet sich in warmer Luft rascher aus.

Auch variiert die Schallgeschwindigkeit mit der Luftfeuchtigkeit und dem CO2-Gehalt.

Die Einstimmung mittels Stroboskop muss bei konstanter Temperatur erfolgen, sonst ist sie zwecklos.

Über Instrumentenbau und Akustik gibt es viel zu sagen, und nach den Fragen zu schliessen, die sie mir täglich stellen, scheinen die jungen Musiker solchen Problemen gegenüber sehr aufgeschlossen zu sein.

So kommt es vor, dass ich sie durch Vorträge an meiner Leidenschaft für meinen Beruf teilhaben lasse.

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