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Clément Perrin (1876-1970)
Er lebte an der Schwelle des 20. Jahrhunderts
Clément Perrin
Weit weg, auf einem Hügel, klingt ein Clairon — ein Clairon Frankreichs. Die silberklaren Töne schwingen durch die Stille des herniedersinkenden Abends. Alles schweigt. Dieses Clairon wird von einem Künstler geblasen, dem Solocornettisten von Algier, einem Meister seines Faches. Die Melodien, weithin durch die Nacht vernehmlich, gleich jenen, welche man in den Dörfern zur Nachtwache singt, lassen in unseren Seelen die Landschaften des alten Frankreich erstehen...»*¹
Jener Künstler, der den zitierten Reporter so tief bewegt hat, ist Clément Perrin während seines Kriegsdienstes an der Ostfront im ersten Weltkrieg 1914-18, ein Trompeter mit besonderem Schicksal. Clément Perrin wurde am 3. Juli 1876 in Carcassonne geboren.
Seine Ausbildung verlief in den traditionell vorgegebenen Bahnen: ein Jahr Solfège, und mit zehn Jahren Beginn auf dem Cornet à pistons. Im März 1897 tritt er als Freiwilliger in die Musik der Artillerieschule im 23. Artillerieregiment in Toulouse ein. Er findet in jener Stadt einen grossartigen Lehrer, Joseph Albus², bei welchem er bis 1900 studiert und folgende Diplome erwirbt: Erster Preis für Trompete und Cornet, einstimmig zuerkannt, Erste Medaille für Solfège und Musiklehrerdiplom. Vom aktiven Militärdienst befreit, arbeitet er hier und dort bis im Oktober 1906, einem Wendepunkt in seinem Leben. Er heiratet in Perpignan und findet seine erste Stelle als «Solopiston» im Stadtorchester und Theater von Algier. Seine Karriere wird ausserordentlich lang sein, denn seine Pensionierung als Solotrompeter (!) erfolgt erst 1957 im Alter von 81 Jahren. Dieses Ereignis punktiert er übrigens mit einem Abschiedskonzert, an dem er das Doppelkonzert für Trompete und Saxophon von Jean Rivier aufführt, zusammen mit seinem Sohn Marcel.⁴ (Edition Billaudot, Paris). Wahrlich eine Leistung! Die französischsprachige Presse Algiers geizt nicht mit Lob:
Marcel Perrin, der ausgezeichnete Saxophonist, und sein Vater, Clément Perrin, trefflicher Trompeter, dessen hohes Alter von 81 Jahren Gegenstand unserer Bewunderung ist...
(L’Echo d’Alger).
Diese beiden Künstler haben uns einmal mehr eine brillante Demonstration ihres Talentes gegeben...
(Dernière Heure).
Clément Perrin hat hier seine immer wache Lernbegierde, welche ihm während einer fünfzigjährigen schönen Laufbahn gegeben war, gezeigt...
Es war dies zugleich das letzte öffentliche Konzert der Saison des Orchesters von Radio Algier unter Jean-Louis Joubert.
Doch lassen wir das und kehren zurück nach Algier, Anfang des Jahrhunderts. Perrin gründet seine Familie und arbeitet auf seinem Beruf. Die Nordafrikanische Illustrierte Zeitung vom 27. Dezember 1908 spricht von Clément Perrin in poetischen Worten und macht uns zugleich mit seinen Erfolgen als Komponist bekannt:
Auch waren da noch viele Lieder und Romanzen, fein und subtil, von denen einige sagenhaften Erfolg erlebten (ein kürzlich geschriebener Walzer «Si j’ai rêvé» erfuhr eine Auflage von 250’000...). Möge sein wachsender Ruhm ihn nicht zu früh von uns entfernen...
Clément Perrin wird Algier erst im Juli 1962, bei der Separation Algeriens, verlassen und nach Toulouse zurückkehren. Eine andere algerische Zeitung spricht von Perrin folgendermassen:
Er ist immer im Einsatz und trägt fast die ganzen Programme im Sommer, indem er eine grosse Zahl ihm anvertrauter Soli mit Sicherheit und Geschmack zur Aufführung bringt...
Im August 1914 wird er beim 2. Kaffernbataillon von Algier mobilisiert. 1915 wird er an die Ostfront verlegt (Ägypten, Griechenland, Bulgarien). Am 24. Februar 1917, nach einem Urlaub, wird das englische Schiff «Dorothy», welches ihn transportiert, vor der Insel Pantelleria torpediert und am 18.3.1917 nach Saloniki abgeschleppt. Perrin wird am 3. Juni 1918 nach Algier heimgeschafft und im Februar 1919 demobilisiert. Nach der Rückkehr in den Frieden wird er «Solopiston» im neuen Theater Kursaal (1919-1924), dann bei der Gesellschaft der Sommerkonzerte und beim Stadttheater bis 1930. 1931 (als 55jähriger!) wird er zum Solotrompeter im grossen Orchester von Radio Algier ernannt, welche Stelle er erst «durch Anwendung der Altersgrenze» mit 81 Jahren verliess.
1897 in Toulouse
um 1910 - Clément Perrin
1917 - Der Claironbläser von Moudros
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Brass Bulletin 46, II / 1984 Seiten 49–56
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